Kurzarbeit

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Glawe warnt vor Ausbluten der Peene-Werft

Die Peene-Werft in Wolgast hat die Produktion von Küstenschutzbooten für Saudi-Arabien ausgesetzt, ein Großteil der 300 Mitarbeiter wurde in Kurzarbeit geschickt.
Die Peene-Werft in Wolgast hat die Produktion von Küstenschutzbooten für Saudi-Arabien ausgesetzt, ein Großteil der 300 Mitarbeiter wurde in Kurzarbeit geschickt.
Stefan Sauer

Die Peene-Werft in Wolgast hat die Produktion von Küstenschutzbooten für Saudi-Arabien ausgesetzt. Wirtschaftsminister Glawe (CDU) fürchtet eine Fachkräfte-Abwanderung.

Nach der Beantragung von Kurzarbeit für den Großteil der 300 Mitarbeiter der Peene-Werft warnt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) vor einem Ausbluten des Wolgaster Schiffbaubetriebes. Die Werft müsse jetzt warm gehalten werden, sagt er.

Glawe verwies darauf, dass zum Beispiel die MV Werften in Stralsund, Wismar und Rostock derzeit noch etwa 700 neuen Mitarbeiter suchten. Es müsse jetzt unbedingt verhindert werden, dass Fachkräfte von der Peene-Werft abwanderten, sagte der Minister am Donnerstag auf einem Bürgerforum in Grimmen.

Krisengespräch soll Ersatzlösungen ausloten

Für kommende Woche werde die Führungsspitze der Bremer Lürssen Werft zu einem Krisengespräch in Schwerin erwartet. Dabei solle geprüft werden, inwiefern öffentliche Aufträge nach Wolgast umgeleitet oder vorgezogen werden könnten, zum Beispiel der für 2020 geplante Baubeginn von Bundeswehr-Korvetten. Allerdings benötige erfahrungsgemäß der Bau eines Schiffes eine Planungs- und Vorlaufzeit von 15 bis 18 Monaten, sagte Glawe.

Lürssen hatte am Donnerstag die Produktion von Patrouillenbooten für Saudi-Arabien vorerst gestoppt, nach dem die Bundesregierung einen vorläufigen Ausfuhrstopp verhängt hatte. Eine offizielle Zurückweisung habe jedoch noch nicht stattgefunden, stellte Glawe klar. Der Bundessicherheitsrat werde voraussichtlich erst in drei bis fünf Wochen wieder tagen.

Saudis fehlt Personal für deutsche Boote

Dem Minister zufolge hätten vor allem die USA den Druck auf Saudi-Arabien massiv erhöht, damit der Mord an dem Journalisten Jamal Kashoggi umfassend aufgeklärt und eine Befriedung der Region, vor allem ein Waffenstillstand in Jemen, eingeleitet werde.

Lürssen hat bislang 15 von insgesamt 35 bestellten Patrouillenbooten an die Saudis ausgeliefert. Zwei weitere sollten im November überführt werden, der Bau von acht Booten ruht. Laut Glawe soll es in Saudi-Arabien Probleme mit den deutschen Booten geben, weil es an fachkundigem Personal mangele. So sollen bislang erst zwei Boote komplett besetzt worden sein. Zudem soll es Beschädigungen bei der Überführung gegeben haben.