In der Schiffbauhalle der MV-Werft in Wismar liegt das im Bau befindliche Kreuzfahrtschiff „Global One”. Jetzt ist
In der Schiffbauhalle der MV-Werft in Wismar liegt das im Bau befindliche Kreuzfahrtschiff „Global One”. Jetzt ist das Aus für das Schiff offenbar besiegelt. Bernd Wüstneck
MV-Werften

Größtes Kreuzfahrtschiff der Welt wird offenbar in MV versenkt

Bitterer Rückschlag für die noch 1500 Mitarbeiter der insolventen MV-Werften: Die „Global One” kann wohl nicht weiter gebaut werden – ein potenzieller Käufer ist abgesprungen.
Wismar

Es sollte das größte Kreuzfahrtschiff der Welt werden – doch nun ist offenbar ein vermeintlicher Käufer doch nicht in der Lage, die zu 80 Prozent fertiggestellte „Global One” zu Ende zu bauen. Das 340 Meter lange Schiff sollte ursprünglich einen Wert von rund 1,5 Milliarden Euro haben. Im Januar hatten die asiatische Genting-Gruppe, Mutterkonzern der MV Werften, Insolvenz angemeldet.

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„Bund, Land und Investoren dürfen die Beschäftigten der MV-Werften in Rostock, Stralsund und Wismar jetzt nicht hängen lassen“, hat Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, am Montag auf einer kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung in Wismar gefordert. „An der 'Global One' hängt der Stolz der gesamten Belegschaft. Doch allen war klar, dass die Fertigstellung nur Arbeit für den Übergang bringt”, so der Gewerkschafter. „An unseren Erwartungen hat sich durch das Aus für den Weiterbau des Riesenkreuzfahrtschiffes nichts geändert: Die Beschäftigten an allen drei Standorten brauchen konkrete Zusagen für ihre Zukunft. Bund, Land und Investoren sind da gleichermaßen gefordert”, so der Gewerkschafter.

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Deutschland brauche die Werften. Sie sind für die Energieversorgung und die Sicherheit unverzichtbar. Das sei durch den Krieg in der Ukraine und die Corona-Krise mehr als deutlich geworden, erklärte Friedrich. „Der Bau von Konverterplattformen und Spezialschiffen für die Offshore-Industrie oder von Tankern für den Transport von Flüssigerdgas sowie der Bau und die Instandhaltung für die Marine seien Chancen für Beschäftigte und Standorte. „Für die Umsetzung braucht es jetzt aber kein weiteres Zaudern, sondern entschlossene Industriepolitik von Bund und Land”, sagte IG Metall-Bezirksleiter Friedrich.

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Die Gewerkschaft drängt auf eine Verlängerung der Transfergesellschaft für die ehemaligen Beschäftigten der MV-Werften in Stralsund, Rostock und Wismar. „Nur so lässt sich ein geordneter Übergang der Beschäftigten ermöglichen. Egal, welche neuen Eigentümer oder Pächter an die Standorte kommen, alle brauchen die gut ausgebildeten Fachkräfte”, betonte Friedrich.

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Für Dienstag hat sich der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Staatsminister Carsten Schneider, zu einem Besuch auf der Werft in Wismar angekündigt. In Begleitung des Bundestagsabgeordneten Frank Junge und dem Landtagsabgeordneten Tilo Gundlack (alle SPD) will er sich mit den Betriebsräten der drei Standorte und Vertretern der IG Metall austauschen.

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