NACH BRANDKATASTROPHE

▶ Großbetriebe wie Alt Tellin soll es nicht mehr in MV geben

Innerhalb weniger Wochen gerieten zwei Schweinezuchtanlagen in Mecklenburg-Vorpommern in Brand, Tausende Tiere verendeten qualvoll. Nun hat auch der Landtag über industrielle Tierhaltung diskutiert – und war sich in einem Punkt einig.
dpa
Bei dem Großbrand in Alt Tellin sind am 30. März rund 55.000 Tiere verendet.
Bei dem Großbrand in Alt Tellin sind am 30. März rund 55.000 Tiere verendet. Stefan Hoeft
Schwerin ·

Nach dem verheerenden Brand in der riesigen Schweinezuchtanlage in Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald) zeichnet sich parteiübergreifend der Wille zur Verhinderung solcher Großbetriebe ab. „Das war eine unsägliche Katastrophe. Anlagen dieser Größenordnung muss man nicht mehr haben“, sagte der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Waldmüller, am Montag in Schwerin. Doch ließ er offen, wie weit die CDU bei erforderlichen Gesetzesänderungen gehen würde.

Auf Veranlassung seiner Partei wird sich das Parlament in der Aktuellen Stunde am Donnerstag mit dem Tierwohl in Zucht- und Mastbetrieben befassen. Statt rückwärtsgewandt darüber zu diskutieren, wer die Verantwortung für die Genehmigung der Anlage trug, solle beraten werden, wie in Zukunft solche Vorfälle wie in Alt Tellin verhindert und eine artgerechte Haltung gefördert werden könnten, sagte Waldmüller.

Die oppositionelle Linksfraktion legte einen eigenen Dringlichkeitsantrag zu dem Thema vor. Sie fordert darin rasche Konsequenzen aus der Brandkatastrophe, bei der Ende März mehr als 55.000 Sauen und Ferkel verendet waren. „Für uns kommt nichts anderes in Frage, als dass die Betriebserlaubnis für Alt Tellin zurückgezogen wird“, betonte die Abgeordnete Jeannine Rösler. Zudem dürften solche industriell betriebene Mast- und Zuchtanlagen künftig nicht mehr genehmigt werden. „Agrarminister Till Backhaus (SPD) muss sich beim Bund dafür einsetzen, dass wir Obergrenzen für solche Anlagen bekommen“, sagte sie.

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Verdacht der fahrlässigen Brandstiftung

Die etwa zehn Jahre alte Anlage in Alt Tellin, die mit ihren 18 Ställen zu Deutschlands größten Ferkelzuchtanlagen gerechnet wurde, war am 30. März zu großen Teilen abgebrannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Den vermutlichen Gesamtschaden gab sie mit etwa 40 Millionen Euro an. Ein Sprecher der LFD Holding als Betreiber der Stallanlage hatte diese Schätzung aber zurückgewiesen. Bei einem Großfeuer in einem Schweinestall in Kobrow bei Sternberg (Kreis Ludwigslust-Parchim) waren Ende Februar bereits 3000 Tiere verendet.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutsche Tierschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern wandten sich unterdessen mit einer öffentlichen Petition an Landtag und Regierung. Auch darin wird die Forderung erhoben, die Genehmigung für die abgebrannte Schweinezuchtanlage Alt Tellin zurückzunehmen und den vollständigen Rückbau der Stallanlagen zu veranlassen. Zudem sollen „ähnliche industrielle Massentierhaltungsanlagen“ grundlegend überprüft und Genehmigungen für Anlagen ohne effektiven Brandschutz in Mecklenburg-Vorpommern gestoppt werden.

Sehen Sie hier einen Videobericht des Nordkurier vom Tag der Katastrophe:

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Kommentare (5)

Auch artgerechte Haltung wird Feuerkatastrophen nicht verhindern. Artgerechte Energieerzeugung wird Tsunamis nicht verhindern, nicht mehr Wind erzeugen und nicht Windenergie effektiv speichern.

Ja gut also Hände in den Schoß legen. Nach der Logik, wieso gehen sie im Krankheitsfall zum Artzt? Sie müssen doch eh sterben.

...die Anzahl der Tiere sind für das Feuer verantwortlich? Vielleicht zündelnde, pubertierende Ferkel?

Wie allzu klar wurde, waren hier zämtlich Stallgebäude dicht an dicht gebaut. Ohne Brandwände, ohne Mindestabstände, die für den Brandschutz gereicht hätten, wohl aber noch lange nicht für eine normale Scheinezucht, wie man sie mit ein bisschen Respekt vor der anderen Kreatur erwarten kann. Und ja, Bauweisen lassen oft auch die Haltung von Eigentümern und Betreibern zu Ihrer Wirtschaftsform und -Ethik erkennen.

...hat das Bauamt/Bauaufsicht die Verantwortung, die das genehmigt hat.