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Große Parteien in MV schrumpfen - Grüne und AfD wachsen

Während Grüne und AfD Zuwächse verzeichnen, stagnieren die Mitgliederzahlen bei der SPD. Die CDU hat im Vergleich zu 2006 zehn Prozent weniger Mitglieder.
Carsten Rehder

Einige etablierte Parteien im Nordosten ziehen mit erneut verminderter Mannstärke in das Wahlkampfjahr 2016. Dabei sind Parteien sehr wichtig, sagt Politikwissenschaftler Martin Koschkar.

Die großen Parteien in Mecklenburg-Vorpommern leiden weiter an Schwindsucht. Die Linke verliert jährlich etwa fünf Prozent ihrer Mitglieder, wie Landesgeschäftsführer Kay Kröger zum Auftakt des Landtagswahljahres 2016 sagte. Im vergangenen Herbst gehörten ihr noch 4131 Frauen und Männer an, fünf Jahre zuvor waren es 5417. Die CDU verlor in den letzten fünf Jahren knapp zehn Prozent ihrer Mitglieder und liegt einem Sprecher zufolge aktuell bei 5420.

Die SPD konnte ihre Stärke mit 2751 knapp halten - vor fünf Jahren hatten nach Worten eines Sprechers 2800 Frauen und Männer ein Parteibuch der Sozialdemokraten. Grüne und AfD wachsen - allerdings haben sie nur jeweils einige hundert Parteigänger. Die FDP hat in den vergangenen fünf Jahren einen Absturz von mehr als 1000 auf aktuell 730 Mitglieder erlebt.

Nach Worten des Rostocker Politikwissenschaftlers Martin Koschkar wird der bundesweite, seit den 1980er Jahren beobachtete Trend zur abnehmenden Bindungskraft der Parteien in Ostdeutschland noch verstärkt durch die Erfahrungen der Menschen in der DDR. Dabei hätten die Parteien in der Demokratie den Menschen eine Menge zu bieten, sagte Koschkar. "Mitgestalten, mit Gleichgesinnten etwas bewegen", nannte er als Beispiele. Unzufriedenen Bürgern empfahl er, die Sprechstunden von Landtagsabgeordneten zu besuchen und mit Lokalpolitikern ins Gespräch zu kommen.

Eine wichtige Funktion der Parteien sei, Interessen und Stimmungen aus der Bevölkerung sowie lokale Aspekte aufzunehmen und sie im politischen System zu artikulieren, sagte der Wissenschaftler. Sie seien auch moderner geworden, böten etwa öffentliche Ortsvereinssitzungen oder Probemitgliedschaften an. Transparenz sei wichtig. So lobte Koschkar die vom SPD-Bundesvorsitzenden Siegmar Gabriel angeschobene Mitgliederbefragung zum Koalitionsvertrag 2013. Voriges Jahr befragte die SPD in Berlin ihre Basis unter anderem über ihre Meinung zur Freigabe von Cannabis, zum Bau einfacher Wohnungen oder zu religiösen Kleidungsstücken und Symbolen bei Lehrern, Richtern und Polizisten.

Bei den Grünen stieg die Mitgliederzahl nach Angaben von Sprecher Manuel Zirm von 440 im Jahr 2011 auf aktuell 580. Auch die islamkritische AfD verzeichnet Zuwächse. Landessprecher Leif-Erik Holm verkündete jüngst das 400. Mitglied. Die Piratenpartei in MV hingegen hat im vergangenen Jahr rund 50 ihrer 200 Mitglieder verloren.