BERICHT

Große Teile von MV auf Liste für Atommüll-Endlager

Eine Nachricht, die viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern beunruhigen dürfte: Es gibt zahlreiche Gebiete in MV in denen ein Endlager für Atommüll gebaut werden könnte.
Das „Zwischenlager Nord” in Lubmin.
Das „Zwischenlager Nord” in Lubmin. Stefan Sauer
Diese Gebiete in Meckleburg-Vorpommern kommen für ein Atommüll-Endlager in Frage.
Diese Gebiete in Meckleburg-Vorpommern kommen für ein Atommüll-Endlager in Frage. Bundesgesellschaft für Endlagerung
Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland ist der Salzstock Gorleben in Niedersachsen offenbar komplett a
Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland ist der Salzstock Gorleben in Niedersachsen offenbar komplett aus dem Rennen (Archivbild). Philipp Schulze
Schwerin.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat am Montag einen Zwischenbericht zur Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland veröffentlicht. Demnach sind insgesamt 90 Gebiete geologisch für ein solches Endlager geeignet.

In ganz Deutschland war man gespannt auf die Ergebnisse des sogenannten Zwischenberichts Teilgebiete, denn ausgehend von einer „weißen Landkarte” kam erst jeder Ort in der Bundesrepublik für ein Endlager infrage. Die Wissenschaftler hatten als Aufgabe eine Liste möglicher Standorte für ein Atommüll-Endlager nach geologischen Kriterien zu erstellen.

+++ Hinweis: Wenn Sie wissen möchten, ob auch Ihre Stadt oder Ihr Dorf als Standort für ein Atommüll-Endlage infrage kommen könnte, klicken Sie hier.+++

Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland nun ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

Gebiete in MV

Auch zahlreiche Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern sind geologisch für ein Endlager geeignet. Die geeigneten Teilgebiete ziehen sich von Westen her über Wismar und Schwerin bis nach Rostock, Waren und Neustrelitz. Neubrandenburg liegt ganz knapp außerhalb eines geeigneten Gebietes, jedoch sind Weitin und der Tollensesee mit drin.

Dafür ist Vorpommern mit Usedom, Greifswald (einschließlich Lubmin) und Anklam fast komplett außen vor. Nur die beiden Gebiete um Hiddensee und West-Rügen sowie um Pasewalk wurden als geologisch geeignet eingestuft.

Mehr lesen: Inseln Rügen und Hiddensee als Endlager für Atommüll geeignet.

Schon vorab war bekannt geworden, dass der Salzstock Gorleben in Niedersachsen komplett aus dem Rennen ist. Die aktuelle Liste ist jedoch keine Vorfestlegung auf einen Standort sie wird nun nach wissenschaftlichen Kriterien weiter nach und nach eingegrenzt. Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen – vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen.

Mehr lesen: Die Mecklenburgische Seenplatte könnte als Endlager in Frage kommen und Entsteht in Vorpommern ein Endlager für Atommüll?

Bevölkerungsdichte wird noch nicht berücksichtigt

Wie gesetzlich vorgeschrieben listet der Bericht Regionen auf, „die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen”. Andere Faktoren, etwa die Bevölkerungsdichte in den Regionen, wurden dabei noch nicht beachtet – das erfolgt in weiteren Schritten. Deswegen dürften es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete sein. Konkreter wird es erst in den kommenden Jahren.

Mehr lesen: Interview - sicheres Lager für die nächste Million Jahre gesucht

Gesucht wird der beste Ort, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

Politik trifft Entscheidung über Endlager

Nach der Eingrenzung möglicher Gebiete durch die Wissenschaft wird die Politik die Entscheidung über den Standort treffen – basierend auf den zuvor gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Über verschiedene Formate können sich Bürger, Gemeinden und Organisationen in den Prozess einbringen, heißt es weiter.

Zoff gab es vor allem um Gorleben – manche forderten schon lange, den Salzstock als „politisch verbrannt” aus der Suche auszunehmen. Aber auch die bayerische Landesregierung hatte vor schon Veröffentlichung des Zwischenberichts Teilgebiete Ärger auf sich gezogen, weil sie den Suchprozess anzweifelte und darauf pochte, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet sei. Beides stellt das Prinzip der „weißen Landkarte” in Frage, die erst nach und nach anhand messbarerer Kriterien eingegrenzt wird.

Mehr lesen: So läuft die Suche nach einem Endlager für Atommüll

Bundesumweltministerin: Atomausstieg ist beschlossene Sache

Auf dieses Prinzip pochen unter anderem die Grünen, deren Wurzeln auch in der Anti-Atomkraftbewegung liegen. „Jetzt ist erst einmal die Wissenschaft am Zuge und die sollte man auch in Ruhe machen lassen”, sagte Bundestags-Fraktionsvize Oliver Krischer. Im Fall Gorleben habe es in erster Linie eine politische Entscheidung gegeben. In den 70er Jahren war beschlossen worden, dort ein Endlager einzurichten. Deswegen habe „ein Landstrich fast komplett rebelliert”.

Die Grünen-Atom-Expertin Sylvia Kotting-Uhl forderte Bayerns Regierung auf, das Verfahren konstruktiv zu unterstützen. „Sich als einer der größten Produzenten von Atommüll bei der Verantwortung aus dem Staub zu machen, zeugt von mangelnder moralischer Kompetenz”, sagte sie.

Mehr lesen: Atommüll in MV – Die AfD und ihr radioaktiver Blance-Akt

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte der „Rheinischen Post”, der Atomausstieg ist und bleibe beschlossene Sache, und die Endlagersuche sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Mit Blick auf die Vorstellung des Zwischenberichts sagte Schulze, die Geologie entscheide, welcher Standort es am Ende werde. „Politische Überlegungen spielen keine Rolle. Ich erwarte von allen Politikerinnen und Politikern, jetzt zur Verantwortung zu stehen – für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe und für das gemeinsam gewollte Verfahren.”

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Kommentare (10)

Ab in den Vorgarten der Leute, die hier immer am lautesten krähen und pro sind und zu anderen Alternativen außer Meckern nichts beisteuern.
Alternativ dann bei den Windparks die es ja vereinzelt hier und da in MV gibt.
Die Grünen sind diesbezüglich auch die kleine Schwester der CDU geworden.
Das Geld was in die Atomkraftwerke versenkt wird sollte man mal nutzen und bekannte Probleme im Bereich der Erneuerbaren Energien nutzen. (Speicherung, Netzausbau).
Es gibt unzählige Dächer - da könnte der Bund mal in Solarenergie investieren und nicht wie bisher wieder nur der, der es sich leisten kann hat die Option sich privat eine Photovoltaik Anlage aufs Dach zusetzen.
Wenn es weniger um das Geld ginge gäbe es mit Sicherheit einige Haushalte, die mit ziehen würden.

Alle die nach wie vor nach Atomkraft lechzen, können sich ja dann auch bitte freiwillig melden, das Giftzeug in die irgendwann Mal fertig gestellte Endlagerstätte zu verbringen.
19000 Tonnen nur in Deutschland. Konservativ gerechnet.
Eine teure Art unseren Planeten zu vergiften.
Ich habe da so eine Ahnung, wer am Ende die Gesamtrechnung zahlt...
Und ich glaube die Energiemultis sind es nicht...
Wie brauchen endlich ein Energiekonzept. Und zwar europäisch, nachhaltig und nicht in der Hand von Konzernen und AG's.
Und zwar pronto.

Sie profitieren seit vielen Jahrzehnten von sicheren und zuverlässigen Atomstrom. Vor 1990 war es in der DDR die exzessiv geförderte Braunkohle, damit Licht am Ende des Tunnels sichtbar blieb (die Netzstabilität war insbesondere in den Wintermonaten ständig in Gefahr). Endlagerstätten in ein Kilometer Tiefe mag heutigen Bürgern die Nackenhaare zu Berge stehen. Das radioaktive Edelgas Radon, welches knapp einem Meter unter der Erdoberfläche wabert und strahlt und Unterkellerungen und Häuser verseucht, lässt niemanden erschauern und zu heroischen Demonstrationen führen. Etwas mehr Nüchternheit täte Igut. Wie die DDR ohne Atomstrom (Greifswald und Rheinsberg waren Tropfen) sich energetisch über Wasser hielt, hat im Jahr 2011 die FAZ unter dem Titel "Wie die DDR gegen den Stromausfall kämpfte" veröffentlicht. Vielleicht hilft das bei der heutigen Anbetung von volatiler Solar- und Windenergie.

und unnatürliche Radioaktivität, sind ein gewaltiger Unterschied. Das müsste eigentlich klar sein.
Und das ein Kettenraucher mehr Radioaktivität zu sich nimmt, als ein Techniker im AKW (ohne GAU) ist auch klar.
Aber nukleare Energieerzeugung, ist auch volkswirtschaftlich gesehen, völliger Schwachsinn.
Betriebswirtschaftlich, aufgrund der massiven Subventionen und der Abwälzungen der "Aufräumarbeiten" auf die Gesellschaft, ergibt es Sinn.
Hier gibt es viele Studien drüber.

Die Energiekonzerne/Atomkraftwerke in staatliche Hände, werden militärisch streng geführt, Reste werden wieder aufbereitet und der Nutzung zugeführt bis es nicht mehr geht, der Klägliche Rest ins All oder auf die Sonne geschossen - aus die Maus,
Wir haben nur die eine Erde und keine andere Nation auch nicht eine Einzige wird Rücksicht auf uns nehmen!

Tragkraft der Ariane ca. 10t
Kosten pro Start (günstig und ohne Entwicklung) ca. 100000000 (Hundert Millionen Dollar)
Zu verklappendes Material ca 19.000t
Macht eine gesamt Summe von 1.900.000.000.000.
Also ca 2 Billionen Euro. Nur für Deutschland.
Das ist meine Bierdeckel Rechnung.
Es wird garantiert teurer sein.
Also völliger Quatsch.

Null umständlich - Energie staatlich, Dächer die in Frage kommen - rauf mit der bezahlten Anlage - so ohne Umstände funktioniert das Müll- All - Prinzip auch nicht

Pasewalk! Schön weit weg von Schwerin und München. Auch kein größeres (InWest)Ferienobjekt betroffen - nur ein paar Pommern im Windradwald. Das passt doch wie die Faust aufs Auge.

ist wahrscheinlich die einzige Stadt, die durch Atommüll eine Wertsteigerung erfahren würde.
Vielleicht noch Strasburg...

Parken wir die hochhaushohen Chargen an Fässern doch beim BfS im Archiv, von wo aus seit den 90ern die Radon-Artikel recycelt werden, wenn es in den Tagesthemen um Zwischen- und Endlager geht.

Herr Doktor, Herr Doktor, ich glaub ich habe mir den Arm gebrochen. Ja? Wussten Sie schon, dass Sie Krebs haben?!