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Grüne und AfD fordern mehr Züge zur Ostsee

Am Bahnhof Züssow ballten sich am Wochenende wieder einmal die Reisenden - unter anderem Claudia Müller (Grüne) und Leif-Erik Holm (AfD) fordern mehr Züge an die Ostsee.
Am Bahnhof Züssow ballten sich am Wochenende wieder einmal die Reisenden – unter anderem Claudia Müller (Grüne) und Leif-Erik Holm (AfD) fordern mehr Züge an die Ostsee.
Archiv (Combo: NK)

Aus allen politischen Richtungen hagelt es Forderungen an die Landesregierung, etwas gegen überfüllte Züge zur Ostsee zu unternehmen.

Für Mecklenburg-Vorpommerns einzige Grünen-Bundestagsabgeordnete, Claudia Müller, sind die aktuellen Probleme im Bahnverkehr einerseits ein alter Hut – sie pendelt selbst regelmäßig per Bahn zwischen Berlin und Stralsund – und andererseits ein brandaktuelles Ärgernis. Die Abgeordnete schimpft: „Wer bei überfüllten Regionalzügen von Berlin nach MV von Einzelfällen spricht, kann lange nicht mehr Zug gefahren sein, oder es interessiert ihn einfach nicht.“

Müllers Analyse: „Die Landesregierung vernachlässigt die notwendigen Bahnverbindungen, um das Urlaubsland MV entsprechend anzubinden.“ Müller verweist darauf, dass die Landesregierung in den vergangenen Jahren mehr als 175 Millionen Euro Bundesgelder, die für den ÖPNV gedacht waren, lieber für schlechte Zeiten zurückgelegt habe, anstatt sie auszugeben. Dass dies mit der Begründung geschehe, die Zuschüsse vom Bund würden in Zukunft sinken, „ist gegenüber den Betroffenen zynisch und zeugt von wenig Zukunftsorientierung.“ Auch die Linke im Landtag hatte darauf bereits hingewiesen.

Müller (Grüne): Züge sind nicht nur im Sommer und am Wochenende überfüllt

Müller sagte, nur ein attraktives Angebot könnte Pendler und Urlauber zum Umsteigen auf die Bahn bewegen. „Den Trend zu verschlafen, dass immer mehr Urlauber auch umweltbewusst reisen und ganz eigennützig Staus auf Autobahnen entgehen wollen, wird es MV künftig erschweren, mit anderen attraktiven Urlaubsregionen mithalten zu können.“

Laut Müller bestehe das Problem nicht nur im Sommer, wie Bahn und Landesregierung jetzt beteuern. Die Züge in Richtung MV seien am Wochenende „praktisch immer übervoll“, wie sie selbst regelmäßig erlebe.

Holm (AfD): Habe bereits im April davor gewarnt

Müllers Bundestags-Kollege Leif-Erik Holm, AfD, der Mitglied des Verkehrsausschusses im Parlament ist, ärgert sich ebenfalls über die aktuellen Probleme. „Bereits im April habe ich die Bundesregierung deswegen gefragt, ob angesichts der Situation in MV nicht mehr Fernzüge bereitgestellt werden sollten. Die lapidare Antwort der Bahn: Die Kapazitäten seien völlig ausreichend.“

Holm weiter: „Überfüllte Züge und zurückgelassene Fahrgäste sind Gift für das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern. Doch anstatt bei der Bahn nun endlich Druck zu machen, legen Landes- und Bundesregierung die Hände in den Schoß.“ Holm fordert die Bahn auf, einfach ohne Rückendeckung der Landesregierung selbst tätig zu werden: „Die Bahn muss jetzt kurzfristig mehr Züge auf den Strecken zwischen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern einsetzen, auch um Schaden vom eigenen Unternehmen abzuwehren.“

Nordkurier-Aktion: Melden Sie uns überfüllte Züge!

Weil weder die Bahn noch das Schweriner Verkehrsministerium eine Statistik darüber führen, wie oft die Züge überfüllt sind, bitten wir Sie um Ihre Mithilfe. Wenn Sie in den kommenden Tagen mit der Bahn zwischen Berlin und MV unterwegs sind, schreiben Sie uns, wie voll Ihr Zug ist! Sie erreichen unsere Redaktion per E-Mail an desk-online@nordkurier.de, auf Facebook, sowie auf Twitter. Sie können auch einfach mit dem Hashtag #zugvollmv twittern. Alle Infos zu der Aktion gibt’s hier.