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Ex-Freundin getötet

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Güstrower muss sich jetzt wegen Mordes verantworten

Der 40-jährige Angeklagte soll im März seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung in Güstrow getötet haben.
Der 40-jährige Angeklagte soll im März seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung in Güstrow getötet haben.
Bernd Wüstneck

Ein Geschäftsmann aus Güstrow soll seine Ex-Freundin mit zwölf Messerstichen getötet haben. Statt Totschlag, wird ihm nun Mord vorgeworfen – dabei hatte er sich zuvor auf Notwehr berufen.

Vor dem Rostocker Landgericht ist am Dienstag der Prozess gegen den Güstrower Geschäftsmann Jens H. fortgesetzt worden. Der 40-Jährige, der seine Ex-Freundin mit zwölf Messerstichen getötet haben soll, erhielt gleich zu Beginn des um eineinhalb Stunden später begonnenen zweiten Prozesstages einen wichtigen rechtlichen Hinweis vom Richter. So muss sich H. fortan nicht wegen Totschlags, wie in der Anklage zunächst ausgeführt, sondern wegen Mordes verantworten.

Die zwölf Messerstiche in Herz und Lunge sowie das Ertränken in der Badewanne seien demnach aus Eifersucht geschehen. „Jens H. sah seine damalige Freundin zudem als Sexobjekt an“, führte der Richter aus. Am zweiten Prozesstag mussten mehrere Zeugen aussagen – unter anderem eine langjährige Freundin von der getöteten Sophie W.

Freundin des Opfers sagt aus

Die 39-jährige Arzthelferin aus Güstrow schilderte die letzten Stunden vor dem Tod ihrer Freundin. So hätten sich Beide am Abend vor der Tat noch zum Tanzen in Güstrow verabredet. Die 39-Jährige und Sophie W. hatten sich noch schick angezogen, um dann gegen 22 Uhr loszuziehen. „Sophie war ganz normal drauf, so wie immer“, schilderte sie.

Allerdings sprachen die Freundinnen auch über das „Beziehungschaos“. Es könne in der Form mit Jens nicht mehr weiter gehen, habe sie gesagt. Sogar von Schikane war die Rede. So habe der 40-Jährige Sophie W. eine gemeinsame Hochzeit in Aussicht gestellt, wenn diese ihr Gewicht unter 70 Kilo bringt. „Obwohl sie es geschafft hat, gab es keine Hochzeit“, sagte die Arzthelferin aus und weiter: „Das hat Sophie alles sehr verletzt.“

Auch kam der Chatverkehr zur Verlesung, bei dem ein gewisser Mike Müller – das Fake-Profil vom eifersüchtigen Freund Jens H. – von ihr Geschlechtsverkehr zu Dritt wünschte. Da sie offenbar davon nicht abgeneigt war, schmiss H. sie aus der gemeinsamen Wohnung, räumte ihr Konto leer, änderte alle Passwörter. Mehrere Tage musste Sophie bei der 39-Jährigen unterkommen. Der Mordprozess wird mit weiteren Zeugen am Mittwoch fortgesetzt.