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Hacker können Wahl-Software manipulieren

Das Kreuz wird noch auf Papier abgegeben, doch früher oder später erfolgt die Übertragung elektronisch. (Symbolbild)
Das Kreuz wird noch auf Papier abgegeben, doch früher oder später erfolgt die Übertragung elektronisch. (Symbolbild)
Julian Stratenschulte

Eine illegale Einflussnahme auf die Ergebnisse der Bundestagswahl galt bisher als unwahrscheinlich. Ein Informatik-Student hat nun offenbar bewiesen, dass das Gegenteil der Fall ist.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl können manipuliert werden. Verschiedenen Medienberichten zufolge ist es einem Informatik-Studenten sowie dem Chaos Computer Club (CCC) gelungen, Einfluss auf ein Programm zur digitalen Übertragung der Wahlergebnisse zu nehmen.

Bisher galt eine Manipulation der Wahlergebnisse hierzulande als unwahrscheinlich. Denn die Kreuze werden in Deutschland analog – mit Stift und Zettel – und nicht an einem Computerbildschirm gesetzt. Die Ergebnisse aus allen Wahllokalen werden allerdings früher oder später mithilfe von Software an die Landeswahlleiter übermittelt.

Dafür kommt vielerorts das nach Hersteller-Angaben „meistgenutzte Wahlorganisationssystem in deutschen Verwaltungen” namens „PC Wahl” zum Einsatz. Einem Informatik-Studenten aus Darmstadt ist es laut Zeit Online gelungen, Einfluss auf dieses Programm zu nehmen. Der CCC – nach eigenen Angaben „die größte europäische Hackervereinigung” – bestätigt die Möglichkeiten der Manipulation. Hier gibt es eine umfangreiche technische Analyse des Clubs(pdf).

Screenshot

Screenshot der Software "PC Wahl"

MV benutzt eigene Software

Aus dem Büro der Landeswahlleiterin in Mecklenburg-Vorpommern heißt es, das betreffende Programm würde „für die Ergebnisübermittlung nicht eingesetzt.” Stattdessen kommt eine Eigenproduktion zum Einsatz: Im Jahr 2002 sei ein Programm vom damaligen Statistischen Landesamt zur Weiterleitung der Ergebnisse an das Wahlrechenzentrum der Landeswahlleiterin entwickelt worden. Diese Software werde ständig angepasst, heißt es. Auch deshalb geht die Behörde davon aus, dass für diese landeseigene Entwicklung „ein Einbruch oder eine Manipulation als äußerst unwahrscheinlich” ist.

Kommentare (1)

Es mag stimmen, dass "PC Wahl" angreifbar und manipulierbar ist; wie ich anderen Medien entnahm, hat das aber "nur" Einfluss auf das vorläufige Wahlergebnis am Wahlsonntagabend. Das amtliche Wahlergebnis (kommt meist erst einige Tage später raus) ist auf dem Weg nicht manipulierbar. Natürlich ist das keine Entwarnung. Man stelle sich nur vor, das amtliche Wahlergebnis unterscheidet sich wesentlich vom vorläufigen. Vermeintliche Wahlsieger stehen plötzlich weit hinten in der Gewinnerliste und umgekehrt. Irgendwie gibt es dann ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem.