LANDGERICHT SCHWERIN

Haftstrafe für 64-Jährigen wegen Kindesmissbrauchs

Ein Mann aus Schwerin soll einen Jungen mehrfach zu sexuellen Handlungen gezwungen haben – unter anderem bei nächtlichen Angelausflügen. Nun fiel ein Urteil.
Marlis Tautz Marlis Tautz
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Vergewaltigung hat das Landgericht Schwerin einen 64 Jahre alten Mann verurteilt.
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Vergewaltigung hat das Landgericht Schwerin einen 64 Jahre alten Mann verurteilt. Jens Büttner
Schwerin.

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Vergewaltigung hat das Landgericht Schwerin einen 64 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monate verurteilt. Bei gemeinsamen Angelausflügen mit Zeltübernachtung hatte er sich zwischen Juli 2013 und Dezember 2017 in acht Fällen an einem Jungen vergangen, der anfangs elf Jahre alt war. 

Der Angeklagte hatte die Taten zunächst bestritten, legte dann aber doch noch ein Geständnis ab, kurz bevor sein Opfer im Zeugenstand hätte aussagen müssen. Dadurch erreichte der Verteidiger eine Verständigung mit Staatsanwaltschaft und Gericht, bei der ein Strafrahmen zwischen sechs und sechseinhalb Jahren festgelegt wurde. Die Richter blieben genau in der Mitte. „Ich bin sehr erleichtert, dass sie in allerletzter Sekunde die Reißleine gezogen haben“, sagte der Vorsitzende Richter, Armin Lessel, in der Urteilsbegründung in Richtung des Verurteilten. So habe er sowohl dem Jungen, aber auch sich selbst einen Gefallen getan und gut und gerne anderthalb bis zwei Jahre Haft erspart.

Aus einer Vorstrafe nichts gelernt 

Strafverschärfend habe sich ausgewirkt, dass der Mann bereits einschlägig vorbestraft war. Er war 1998 vom Landgericht Rostock zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 8 Monaten verurteilt worden, weil er in seiner damaligen Heimatstadt Bützow die Tochter einer befreundeten Familie missbraucht hatte. „Der Angeklagte hat sich das nicht als Warnung dienen lassen“, so der Richter.  Nach der Haftzeit 2002 war der Mann in die Landeshauptstadt Schwerin gezogen. Dort kam er mit einer kinderreichen Familie in Kontakt. Er gewann das Vertrauen der Eltern vor allem über großzügige finanzielle Zuwendungen und wurde schließlich als „Opa Jürgen“ von den insgesamt fünf Töchtern und Söhnen respektiert. 

Sein Opfer war ein Junge, mit dem einer der Söhne schon seit dem Kindergarten befreundet war.  Der mittlerweile 17-Jährige wohnt in der Nachbarschaft und war und ist häufig bei der Familie zu Gast. Von den Übergriffen hatte offenbar niemand etwas bemerkt. Er leidet schwer unter den Taten, zumal er auch schon im spektakulären Missbrauchsfall um den Jugendtreff „Power for kids“ unter den Betroffenen war.  Nach Auskunft seiner Anwältin ist der Junge sowohl in psychologischer als auch psychotherapeutischer Behandlung und steht auf der Warteliste für einen stationären Therapieplatz. Er hat dieser Tage einen erweiterten Hauptschulabschluss erworben und will sobald wie möglich in ein berufsvorbereitendes Jahr starten. Vorerst aber wird er mit seiner Familie eine Woche Ostseeurlaub machen. Die Opferhilfsorganisation Weißer Ring hat die Auszeit ermöglicht.

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