FALSCHER LEICHENSCHMAUS

Haschisch-Kuchen berauscht Trauergemeinde in Rostock

13 Trauergäste einer Beerdigungsfeier in Rostock mussten nach dem Leichenschmaus in ärztliche Behandlung. Schuld war eine 18-jährige Hobbybäckerin.
Stefan Tretropp Stefan Tretropp
Nach dem Leichenschmaus auf dem Köhlerhof klagten immer mehr Gäste über Unwohlsein.
Nach dem Leichenschmaus auf dem Köhlerhof klagten immer mehr Gäste über Unwohlsein. Stefan Tretropp
Rostock-Wiethagen.

Zu der Trauer über den Verlust des Angehörigen kamen Unwohlsein, Berauschtheit und Wahrnehmungsstörung – ausgelöst durch einen Rauschgift-Kuchen. Nach einer Verwechslung beim Servieren der Kuchen beim Leichenschmaus mussten 13 Gäste einer Trauergesellschaft in Wiethagen in ärztliche Behandlung.

Die Polizei hat inzwischen Ermittlungen gegen eine junge Bäckerin aufgenommen, die ehrenamtlich Kuchen zubereitet. Der Vorfall ereignete sich am 12. August auf dem Köhlerhof in Wiethagen, einem Ortsteil von Rostock. Dies bestätigte die Polizei auf Nachfrage. Was war passiert?

Am jenem Montagmorgen traf sich die etwa 30 Personen große Trauergemeinde zunächst auf dem Rostocker Westfriedhof, im Anschluss daran fand die eigentliche Beisetzung im Ruheforst Wiethagen statt. Wie üblich wollten die Trauergäste den Tag mit einem Leichenschmaus ausklingen lassen.

Mutter hatte den falschen Kuchen mitgenommen

Als Veranstaltungsort hatte die Witwe den Köhlerhof gewählt, in direkter Nähe zum Ruheforst. Dessen Chef Michael Groitzsch kann sich noch sehr gut an den Tag erinnern. „Die Gäste hatten die Jagdhütte angemietet, wir haben uns um Kaffee und Kuchen gekümmert“, erklärte der 64-Jährige. Laut Groitzsch seien dann „etwa drei bis vier Kuchensorten“ aufgetischt worden.

„Es ist üblich, dass unsere Angestellten den Kuchen für solche Anlässe privat zu Hause backen und dann mit zum Hof bringen“, erklärt der Chef des Köhlerhofes. Nur bei gastronomischen Angeboten größeren Umfangs greife man auf einen externen Caterer zurück, der dann Herstellung und Lieferung übernimmt. Da in diesem Fall aber nur Kaffee und Kuchen gewünscht waren, kümmerte sich die 18-jährige Tochter der Angestellten um das Backen.

Wie später die polizeilichen Ermittlungen ans Tageslicht brachten, bereitete die junge Frau neben mehreren frischen Kuchen auch einen mit Marihuana zu – für den Eigengebrauch. Am Veranstaltungstag kam es dann laut Polizei zur Verwechslung der Kuchen. „Die Mutter hatte ohne Absprache mit der Tochter den falschen Browniekuchen mitgenommen“, erklärte Polizeipressesprecher Christopher Hahn.

Gäste hatten "schwerwiegende gesundheitliche Probleme"

Nach dem Verzehr auf dem Köhlerhof klagten dann immer mehr Gäste über Unwohlsein. Der Witwe ging es so schlecht, dass sie mit einem Rettungswagen abgeholt und in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Wie es hieß, seien weitere Teilnehmer des Essens anschließend selbstständig zu einem Arzt oder ins Krankenhaus gegangen.

„Ich dachte erst, dass der Witwe nach einem solch anstrengenden Tag alles zu Kopf gestiegen ist und sie sich deshalb so schlecht fühlt“, erzählte Michael Groitzsch. Dass ein Drogen-Kuchen dafür verantwortlich war, erfuhr er erst später: „So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten.“

Laut Christopher Hahn von der Polizei waren insgesamt 13 Gäste betroffen: „Schwerwiegende gesundheitliche Probleme waren die Folge, manche mussten im Krankenhaus übernachten.“ Offenbar gingen die Ärzte bei einigen der Betroffenen von einem Schlaganfall aus, ehe ein Drogentest Klarheit brachte.

Hobbybäckerin hatte den Kuchen für sich gebacken

Noch am selben Abend brachten Gäste der Beerdigung den Fall im Revier Lichtenhagen zur Anzeige. Am nächsten Morgen klopfte dann die Polizei an der Tür von Michael Groitzsch auf dem Köhlerhof. „Das war ein großer Schreck als die Kripo kam, ich wollte es einfach nicht glauben“, sagte der 64-Jährige.

Akribisch suchten die Kriminalisten den Hof ab, durchforsten Essensabfälle und beschlagnahmten Kuchenreste aus Mülleimern. Dann stand die Ursache fest: In Rückständen eines Browniekuchens war Marihuana gefunden worden. Befragungen brachten schließlich ans Licht, dass die Tochter einer Angestellten den berauschenden Kuchen für den eigenen Bedarf gebacken hat und es zur Verwechslung gekommen war.

„Wir haben dann eine Hausdurchsuchung bei der 18-Jährigen, die noch bei ihrer Mutter wohnt, durchgeführt“, sagte Hahn. Die Hobbybäckerin habe zugegeben, den Marihuana-Kuchen gebacken zu haben. Für den Köhlerhof-Chef ist der Fall „sehr peinlich und unangenehm“.

Schadensbegrenzung für die betroffene Familie

„Wir haben Kontakt zur betroffenen Familie aufgenommen, weil wir unseren Hof so nicht dastehen lassen wollen“, ergänzt Michael Groitzsch. Er habe der Familie eine kostenfreie Fackelwanderung angeboten – ohne Kuchenverzehr versteht sich.

Auch, wenn sich Groitzsch nicht schuldig sieht, hat er Konsequenzen gezogen: „Das junge Mädchen backt für uns zukünftig keine Kuchen mehr.” Solch einen Fall von vornherein auszuschließen, wäre laut Groitzsch aber nicht möglich gewesen: „Ich kann ja schlecht jeden Kuchen vorkosten, den wir unseren Gästen servieren.“

18-Jährige muss sich verantworten

Konsequenzen hat der Fall für die 18-Jährige: Die Polizei ermittelt nun in 13 Fällen gegen sie wegen fahrlässiger und gefährlicher Körperverletzung, Störung einer Bestattungsfeier und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

„Man sieht an diesem Fall, welche Folgen vermeintlich harmlose Drogen haben können“, erklärt Christopher Hahn. Einen Imageschaden für sein „Freilichtmuseum Köhlerhof“ sieht Michael Groitzsch nicht. Für die junge Hobbybäckerin, die sich auf Nachfrage nicht äußern wollte, hat der Chef einen Rat: „Der Vorfall sollte für das Mädchen die beste Lehre für das Leben sein.“

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