MORDFALL LÜBCKE

Hasskommentare tagelang auf Facebookseite der AfD

Auf der Facebook-Seite der AfD Nordwestmecklenburg standen üble Kommentare zum Lübcke-Mord. Erst nach Anfrage fühlte sich AfD-Spitzenpolitiker Christoph Grimm bemüßigt, sie zu löschen.
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
Tagelang waren üble Hasskommentare zum Fall Lübcke auf der Facebook-Seite der AfD Nordwestmecklenburg zu sehen.
Tagelang waren üble Hasskommentare zum Fall Lübcke auf der Facebook-Seite der AfD Nordwestmecklenburg zu sehen. AfD NWM(Facebook, dpa
Schwerin.

Nach einer Nordkurier-Anfrage hat der AfD-Kreisverband Nordwestmecklenburg einen Beitrag mit zahlreichen Nutzer-Kommentaren auf seiner Facebook-Seite komplett gelöscht: Dort äußerten sich Nutzer hämisch, abfällig und verletzend zum ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Die Einträge waren seit dem 8. Juni zu sehen.

Unter anderem hieß es dort, versehen mit einem erhobenen Daumen: „Da wurde endlich mal der richtige getroffen.” Andere Einträge ziehen die sexuelle Orientierung Lübckes in den Dreck: „Der war also auch vom anderen Ufer. Na so was, aber auch”, ist noch einer der vergleichsweise harmloseren Einträge.

Verantwortlich für die Facebook-Seite ist Kreisvorsitzender Christoph Grimm, zugleich Vize-Fraktionschef der AfD im Schweriner Landtag. Grimm erklärte den Vorgang mit der ehrenamtlichen Tätigkeit der beiden Mitglieder, die die Seite betreuen. „Es kann sich also nur so verhalten, dass im vorliegenden Fall trotz aller Sorgfalt etwas übersehen wurde.”

Grimm „entsetzt über den Vorgang”

Die beiden Mitglieder seien instruiert, die eingehenden Kommentare zu überprüfen und bei entsprechendem Anlass auch zu löschen. Ein solcher Anlass zur Löschung liege jedenfalls eindeutig vor. „Ich bin entsetzt über den Vorgang und habe umgehend veranlasst, dass die monierten Kommentare gelöscht werden, sagte Grimm.

Zugleich verteidigte Grimm die oben zitierten Kommentare. Mit dem Hinweis, man habe endlich mal „den Richtigen getroffen”, sei gewiss nicht Lübcke, sondern der erste Festgenommene in dem Fall gemeint gewesen. Dieser war wenige Stunden nach seiner Festnahme allerdings wieder aus dem Gewahrsam entlassen worden, weil sich der Tatverdacht nicht erhärtet hatte. Wenig später nahm die Polizei einen Mann aus dem rechtsextremen Spektrum fest, der nun als dringend tatverdächtig gilt.

Kreisverband polarisiert seit Jahren auf Facebook

Der AfD-Kreisverband Nordwestmecklenburg positioniert sich auf Facebook seit Jahren immer wieder mit fragwürdigen Inhalten und war dafür in der Vergangenheit schon verschiedentlich kritisiert worden. Im Jahr 2016 scheiterte die Berufung von CDU-Mann Sascha Ott zum Justizminister unter anderem daran, dass Ott Facebook-Beiträge dieses AfD-Kreisverbands mit „Gefällt mir” markiert hatte.

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