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Hat er sein eigenes Kind misshandelt?

Ein 34-Jähriger soll seine kleine Tochter vor einem halben Jahr schwer misshandelt haben.
Ein 34-Jähriger soll seine kleine Tochter vor einem halben Jahr schwer misshandelt haben.
Patrick Pleul

Auf Rügen wurde ein Baby schwer misshandelt. Nun muss sich der Vater für die Tat verantworten. Zum Tatzeitpunkt war er im "Probewohnen" mit seiner Familie - als Lockerung des Maßregelvollzugs. Sind Behörden ihrer Kontrollpflicht nicht nachgekommen?

Rund sechs Monate nach der mutmaßlichen Misshandlung eines Babys auf der Insel Rügen muss sich der Vater von Freitag an vor dem Stralsunder Landgericht verantworten. Der aus Brandenburg stammende 34-Jährige ist in sechs Fällen angeklagt. Er soll der Anklage zufolge im Oktober 2014 seine damals drei Monate alte Tochter in Dranske schwer misshandelt haben - in einem Fall so stark, dass die Misshandlungen zu lebensgefährlichen Blutungen im Gehirn führten.

Der Vater bestreite im Wesentlichen die Tat. Er habe sich bislang nur in einem Fall auf die Vorwürfe eingelassen und beschuldige die Mutter, sagte ein Gerichtssprecher. Nach dem Krankenhausaufenthalt begann für das Baby eine monatelange Rehabilitation.

Mann befand sich im "Probewohnen" mit seiner Familie

Offen ist bislang, ob durch eine Kontrolle die Misshandlung möglicherweise vermeidbar gewesen wäre. Der Mann befand sich nach Gerichtsangaben zum Tatzeitpunkt als Lockerung des Maßregelvollzuges im "Probewohnen" mit seiner Familie. Er war als Jugendlicher in Brandenburg zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Zudem war damals eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilt worden.

Die Familie mit drei Kindern war nach Angaben des Gerichts erst im Juni von Brandenburg nach Rügen gezogen – rund 400 Straßenkilometer von der Klinik entfernt, in der der Mann psychiatrisch behandelt wurde. Auf Rügen absolvierte die junge Frau eine Ausbildung, während der Mann auf das im Juli geborene Baby und dessen zwei ältere Geschwister aufpasste.

Bisher keine Antwort der Asklepios-Klinik

Wie das Potsdamer Landgericht auf Nachfrage mitteilte, war die Lockerung des Maßregelvollzugs keine Anordnung der Strafvollstreckungskammer. Entschieden habe das Asklepios Fachklinikum Brandenburg/Havel, sagte eine Gerichtssprecherin. Die Asklepios-Klinik hat Fragen zur Entscheidung über die Lockerung des Maßregelvollzugs, den Umzug nach Rügen und mögliche Kontrollmaßnahmen bislang nicht beantwortet.

Dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes im Kreis Vorpommern-Rügen war eigenen Angaben zufolge nicht bekannt, dass der 34-Jährige vorbestraft und zum Tatzeitpunkt im Probewohnen war. Im ASD seien keine Informationen vonseiten der Staatsanwaltschaft, dem Gericht oder der Polizei eingegangen, sagte ein Kreissprecher.

Ärzte schätzten den Zustand als "sehr kritisch" ein

Das kleine Mädchen war im Oktober 2014 mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Universitätsklinikum Greifswald gebracht worden, nachdem der Vater den Notarzt gerufen hatte. Ärzte schätzten den Zustand des Kindes damals als "sehr kritisch" ein.

Der Strafrahmen bei einer schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen liegt laut Gericht bei einer Freiheitsstrafe von 1 bis 10 Jahren. Zudem droht dem Mann bei einer Verurteilung eine erneute Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Die Staatsanwaltschaft hatte damals auch Ermittlungen gegen die Mutter eingeleitet.