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Heimischer Honig wird zur raren Delikatesse

Die Beute der Imker könnte in diesem Jahr magerer ausfallen. Schuld ist nicht nur der kühle Mai.
Die Beute der Imker könnte in diesem Jahr magerer ausfallen. Schuld ist nicht nur der kühle Mai.
Patrick Pleul

Leser schlagen Alarm und vermissen die Bienen in der blühenden Natur. Doch die Insekten sind nicht zu faul geworden – ihr Sammeleifer ist nicht erlahmt. Aber viele Völker sind in Not.

„Unsere Bäume blühen, wir sehen aber kaum Bienen“, diese  besorgten Beobachtungen von Lesern erreichen derzeit unsere Redaktion. „Der Eindruck täuscht nicht. Uns fehlen ein paar Millionen Insekten“, bestätigt Imker Torsten Ellmann. Im Winter seien rund 4000 Völker gestorben und damit etwa ein Viertel aller Bienen in Mecklenburg-Vorpommern, erläutert der erste Vorsitzende des Landesverbandes der Imker.

Wird einheimischer Honig immer mehr zu einer raren und teuren Delikatesse? „Das Jahr wird nicht mit der vollen Leistung beginnen“, vermutet Ellmann. Die liege nicht allein an den fehlenden Bienen: Auch die kühle Witterung im Mai habe die Aktivität der nützlichen Insekten eingeschränkt. „Nicht jeder Tag war bisher auch ein Flugtag“, berichtet er.

Imkerfreund Herbert Sump aus Alt Käbelich bei Woldegk kennt seine Bienen. „Bei schlechtem Wetter wollen die einfach nicht so weit“, weiß er. Bienen fliegen dorthin, wo sich am schnellsten die Nahrung sammeln lasse. „Das sind nun mal die Rapsfelder“, sagt Sump. Zudem gebe es Vorlieben: Kastanien- oder Apfelblüten seien für die Bienen zum Beispiel attraktiver als Kirschen. Das könne eine weitere Ursache dafür sein, dass in bestimmten Bäumen wenige Bienen zu sehen sind.

Völker müssen im Herbst gegen Parasiten behandelt werden

Sump kennt Imker, die über Winter sogar alle ihre Bienen verloren haben. Insbesondere die Varroa-Milbe befalle und schwäche die Tiere. „Wenn die Völker im Herbst nicht gegen den Parasiten behandelt wurden, kann das über den Winter gefährlich werden“, erklärt Sump, der selbst seine Völker gut durch die kalte Jahreszeit bringen konnte.

Beide Imker sehen aber einen weiteren Grund für das Bienensterben. Wenn Raps- und Obstblüte vorbei seien, werde die Nahrungssuche für die Bienen oft zur Tortur. Auf den gegen Unkräuter gespritzten Feldern gebe es nur wenige Pollen für die Tiere. Hinzu komme, dass die eingesetzten Pestizide die Bienen schwächen. Dermaßen angeschlagen könnten die Insekten den Schädlingen nur wenig entgegen setzen.

12 Millionen Blüten für ein Glas

Dass Bienenhonig aus der Region durch ein verringertes Angebot und den höheren Aufwand bei der Pflege der Völker auch weiter im Preis steigen wird, können die Imker nicht ausschließen. „Da ist möglicherweise noch Luft nach oben“, meint Landes-Imkerchef Ellmann. Ein hochwertiges regionales Produkt wie der Honig habe seinen Preis. „Jeder, der Honig kauft, unterstützt die heimischen Imker“, stellt er klar. Hobbygärtner könnten aber auch durch die Wahl der Pflanzen auf ihrem Grundstück viel für die Bienen tun. Kräuter, wie Salbei oder Thymian, Herbstastern oder Gladiolen, deren Blüten ungefüllt sind, sind eine wertvolle Nahrungsquelle für die Bienen.

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes müssen  für ein 500-Gramm-Glas Honig rund zwölf Millionen Blüten bestäubt werden. Nach Schweinen und Rindern gelten die Bienen als drittwichtigstes Nutztier. Zusammengerechnet ernten die deutschen Imker 15 000 bis 25 000 Tonnen Honig pro Jahr – das entspricht etwa 20 Prozent des Verbrauchs in Deutschland. Den Angaben zufolge würde ohne Bienen etwa ein Drittel weniger Raps geerntet. Darüber hinaus würde sich die Zahl der Äpfel mindestens halbieren, wenn die Blüten von diesen Insekten nicht bestäubt würden.