Ostsee

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Heringsfangverbot wäre das Ende der Küstenfischerei

Im kleinen Fischereihafen Fresst landet Fischer Martin Lange ein paar Kisten Flundern an. Der 43-Jährige fischt seit 20 Jahren im Greifswalder Bodden.
Im kleinen Fischereihafen Fresst landet Fischer Martin Lange ein paar Kisten Flundern an. Der 43-Jährige fischt seit 20 Jahren im Greifswalder Bodden.
Ralph Sommer

Viele Fischer wollen aufhören, sollte 2019 die Heringsfischerei in der Ostsee verboten werden. Ihr Schicksal liegt jetzt in den Händen der EU.

Seit 20 Jahren fährt Martin Lange zum Fischfang in den Greifswalder Bodden. Derzeit landet er im Freester Heimathafen Flundern an. Doch für 2019 droht ein vollständiges Heringsfangverbot. „Auf meinen Brotfisch kann ich aber unmöglich verzichten”, sagt der 43-Jährige. „Dann ist Aus-die-Maus!”

Meeresforscher schlagen Aussetzung des Heringsfangs vor

Im Mai hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) angesichts des rückläufigen Bestandes vorgeschlagen, für 2019 den Heringsfang in der westlichen Ostsee auszusetzen. Eine endgültige Entscheidung der EU-Fischereiminister wird für den Herbst erwartet.

Viele Kutterbesatzungen sehen Fortbestand gefährdet

Auf dem Fischereitag am Freitag in Negast will der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer über mögliche Konsequenzen beraten. Viele Küstenfischer seien gezwungen, die Netze an den Nagel zu hängen, sagt Vize-Verbandschef Michael Schütt. Denn der Hering sichere für die meisten Fischer etwa 90 Prozent ihrer Erlöse. Ausgleichszahlungen würden den Familienbetrieben nur einen kleinen Teil der Verluste kompensieren.

Fischer sehen in Baumaßnahmen die Ursachen für den Rückgang der Larven

Wissenschaftlern haben in den vergangenen Jahren in den ostdeutschen Küstengewässern immer wieder einen Rückgang der Heringslarven festgestellt. Nach Meinung der Fischer sind vor allem die vielen Baumaßnahmen von Gaspipelines und Kabelleitungen im Küstenmeer Ursache für das Sterben der Fischlarven. „Da ist einfach zu viel Industrie in unseren Fanggründen”, kritisiert Fischer Lange.