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Heringsfischerei verliert in Teil der Ostsee das MSC-Ökosiegel

Hering in der westlichen Ostsee darf künftig nicht mehr das MSC-Ökosiegel tragen. Für die Fischer ist das nach dem drohenden Fangverbot ein weiterer Schlag.
dpa
Hering in der westlichen Ostsee darf künftig nicht mehr das MSC-Ökosiegel tragen.
Hering in der westlichen Ostsee darf künftig nicht mehr das MSC-Ökosiegel tragen. Christian Charisius
Sassnitz.

Die deutsche Herings-Schleppnetzfischerei in der Ostsee hat das MSC-Ökosiegel verloren. Es sei suspendiert worden, sagte der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann. Vom 1. September an darf damit kein Hering aus der westlichen Ostsee mehr als MSC-zertifiziert verkauft werden.

Der Fischereibiologe Zimmermann ist zugleich Mitglied des Technischen Beratenden Gremiums des MSC. Begründet wird der Schritt mit den bereits im Frühjahr nach oben korrigierten Richtwerten für einen nachhaltigen Biomasse-Bestand an Heringen. Damit galt der tatsächliche Bestand automatisch als gefährdet.

Ohne das Siegel sinken die Preise

Die Suspendierung des Ökosiegels hatte sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) – ein international besetztes Gremium von Fischereibiologen – hatte den Mindestreferenzwert für die notwendige Biomasse an erwachsenen Heringen in der westlichen Ostsee von 90.000 Tonnen auf 120.000 Tonnen heraufgesetzt und ein Fangverbot empfohlen. Der aktuelle Hering-Bestand mit derzeit etwa 105.000 Tonnen lag damit schlagartig unter dem Referenzwert.

Die Fischer befürchten massive Einkommenseinbußen. Weil der Hering nicht mehr das Siegel trage, würden die Preise sinken, sagte der Geschäftsführer der in Cuxhaven ansässigen Kutterfisch-Zentrale, Kai-Arne Schmidt.

Problem liegt bei der Wissenschaft

Er befürchtet, dass der Verkauf von Ostseehering nun deutlich schwerer wird – vor allem in Deutschland, wo kaum noch Hering ohne Ökosiegel abgesetzt werden kann. Alternativ müsse der Fisch zu niedrigeren Preisen nach Dänemark oder Polen verkauft werden.

„Wir machen dem MSC gar keinen Vorwurf. Der hat nach seinen vorgegebenen Standards gearbeitet”, sagte Schmidt. Das Problem liege bei der Wissenschaft, die einfach vom Schreibtisch aus die Referenzwerte verändert habe.

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