SPEKTAKULÄRER STAHLBAU

Holländischer Bahnhof entsteht in Stralsund

Stahlbauteile für Yachten oder Flugzeuge werden an der Ostseeküste gebaut. Um nicht durch die Schiffbau-Krise in den Ruin getrieben zu werden, haben sich zwei Firmen zu neuen Ufern aufgemacht.
dpa
510 Tonnen wiegt die Dachkonstruktion für den neuen Hauptbahnhof in der niederländischen Stadt Arnheim, die in Stralsund gefertigt wird.
510 Tonnen wiegt die Dachkonstruktion für den neuen Hauptbahnhof in der niederländischen Stadt Arnheim, die in Stralsund gefertigt wird. Stefan Sauer
Stück für Stück werden die Teile zusammengeschweißt.
Stück für Stück werden die Teile zusammengeschweißt. Stefan Sauer
Stralsund ·

Wie ein Riese überragt die große Schiffbauhalle der insolventen Stralsunder Volkswerft das Firmengelände der beiden Stahlbaufirmen Ostseestaal und Formstaal. Doch während auf dem Werftgelände die Arbeiten weitgehend ruhen, werden auf dem Nachbargelände tonnenschwere Stahlkomponenten geschweißt, geschnitten und gepresst. Die Unternehmen haben sich aus der Abhängigkeit der Schiffbaubranche lösen können. „Wir haben es geschafft, die Abhängigkeit vom Schiffbau von 100 auf 50 Prozent reduzieren und durch andere Auftragsfelder ausgleichen zu können“, sagt Ostseestaal-Prokurist und Formstaal-Geschäftsführer Thomas Kühmstedt.

Derzeit entsteht auf dem Gelände der beiden Firmen eine 510 Tonnen schwere Dachkonstruktion für den neuen Hauptbahnhof in der niederländischen Stadt Arnheim. Auftraggeber für den ungewöhnlichen Architekturbau ist die Niederländische Bahn. Mit der Brücke der Marina Hotels über der Formel 1-Strecke in Abu Dhabi (2009), dem Porsche Pavillon in Wolfsburg (2012) oder dem National Convention Centre in Doha (Qatar/2009) haben sich die Stralsunder einen Namen gemacht. Aus den kühnen Architekturentwürfen konstruieren die Ingenieure und Planer Bauteile, die herstellbar, zerlegbar und transportierbar sind.

Auch Airbus und Boeing gehören zu den Kunden

Im Jahr 2000 begann Ostseestaal – Tochter der niederländischen Central Industry Group – in Stralsund mit der Produktion von kompliziert gebogenen, kaltgepressten Stahlbaukomponenten für den Schiffbau. Gezielt hatte das Unternehmen damals die Nähe zur Volkswerft gesucht und in ihr über Jahre auch einen verlässlichen Partner gehabt. Allein zehn Prozent des Auftragsvolumens kamen früher von ihr, wie Kühmstedt berichtet. Die Fähigkeiten der Stralsunder waren bereits damals auf anderen Werften in den Niederlanden, Polen, Russland oder auch in Asien gefragt. Durch neuartige Technologien sei das Unternehmen weltweit konkurrenzfähig, sagt Ostseestaal-Manager Michael Schulze. „Wir können dadurch deutsche Qualität zu polnischen Preisen anbieten.“

Doch mit Beginn der Schiffbau-Krise steuerte das Unternehmen um und suchte sich Auftraggeber, die ebenfalls komplexe geformte Stahlbausegmente benötigen. „Ein Hocker kann auf drei Beinen auch besser stehen als auf einem“, sagt Schulze.

Am Standort in Stralsund sind heute rund 150 feste Mitarbeiter beschäftigt, daneben je nach Auftragslage zwischen 20 bis 50 Leiharbeiter. Während Ostseestaal die Stahl- und Alubleche zuschneidet und verformt, werden in dem Nachbarunternehmen Formstaal die Komponenten zusammengeschweißt. Beide Firmen sind inzwischen im Komponentenbau für die Offshore-, Flugzeug- und Windkraft-Industrie aktiv. Zu den Kunden gehören unter anderem Airbus, Boeing oder auch Nordic Yards.

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