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Hotelbetreiber unter Beschuss

 Noroviren sind nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Institutes weltweit verbreitet und für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten ansteckenden Magen-Darm-Entzündungen bei Kindern und Erwachsenen verantwortlich.
 Noroviren sind nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Institutes weltweit verbreitet und für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten ansteckenden Magen-Darm-Entzündungen bei Kindern und Erwachsenen verantwortlich.
Gudrun Holland

Das Hotel ist geräumt, die Desinfektion in vollem Gange. Ob die Leitung des Morada Resort Kühlungsborn angemessen auf den Befall mit Noro-Viren reagiert hat, bleibt allerdings umstritten.

Am Sonntagmorgen um drei Uhr hatte er genug. Mitten in der Nacht stieg Volker Menke in sein Auto, machte sich auf die 250 Kilometer lange Reise nach Kühlungsborn. Dorthin war seine Mutter eine Woche zuvor aufgebrochen, ursprünglich um sich zu erholen. Daraus wurde nichts. Aus einem der 413 Hotelzimmer des Morada Resort Kühlungsborn brachte sie ihr Sohn direkt auf die Infektionsstation des Krankenhauses in Soltau (Niedersachsen). Dort blieb die mit dem Noro-Virus infizierte Rentnerin bis zum Donnerstag zur stationären Beobachtung. Ebenfalls am Donnerstag schloss das Morada Resort Kühlungsborn vorläufig seine Pforten. Nachdem sich etliche Gäste mit dem Noro-Virus infiziert hatten, wird das Gebäude nun von Grund auf desinfiziert.

Gerüchte liefen schon tagelang

Eine Maßnahme, die laut Volker Menke längst überfällig war. „Gerüchteweise war schon letzte Woche die Rede von Noro-Viren. Wirklich informiert wurde meine Mutter aber nicht“, erklärt Menke. Die zentrale Frage für ihn: „Hat das Hotel schnell und angemessen reagiert oder hat man die Menschen wissentlich einer gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt?“ Gründe für diesen Verdacht sieht Volker Menke genug. „Als ich im Hotel anrief, wollte man mich nicht mit der Geschäftsleitung verbinden. Auf meine Frage nach dem Noro-Virus kam nur ein patziges ‚Woher wissen Sie das?‘“, berichtet Menke. Darüber hinaus hatte sich die Ärztin nicht einmal mehr an seine schwer erkrankte Mutter erinnern können, „so viele Patienten hatte sie behandelt“.

Sabine Bitter, die am vergangenen Samstag den Ärztlichen Notdienst in Kühlungsborn besetzt hatte, bestätigte diese Aussage auf Nachfrage. „Ich habe eine ganze Reihe infizierter Hotelgäste behandelt, 15 werden es wohl gewesen sein“, erklärt Bitter. Mit direkten Anschuldigungen gegen das Hotel hielt sie sich jedoch zurück. „Oftmals werden diese Viren auch von außen eingeschleppt oder die Gäste halten sich nicht an geltende Hygienevorschriften“, so die Medizinerin. Gerade bei vielen älteren und damit immungeschwächten Gästen reiche ein einziger „Zündfunke“, und der Virus breitet sich rasch aus. „Der Schwarze Peter liegt letzten Endes aber immer beim Hotel“, so Bitter.

Hotelsprecher weist Kritik zurück

Andreas Gabriel, Sprecher des Morada Resort Kühlungsborn, wollte die Vorwürfe Menkes nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen. „Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, sind sehr offensiv zu Werke gegangen“, erklärt Gabriel. So wären die anreisenden Gäste schon bei der Buchung und erneut bei der Begrüßung im Haus auf die Risiken durch nicht befolgte Hygienevorschriften hingewiesen worden. „Es gibt Desinfektionsspender vor den Eingängen zum Speisesaal, erkrankte Menschen bitten wir, auf den Zimmern zu bleiben“, so Gabriel weiter. „Zwingen können wir aber niemanden“, bittet er um Verständnis. Hotelchef Frank Langguth fügte hinzu, die Schließung wäre Entscheidung der Hotelleitung gewesen. Eine Aufforderung durch den Landkreis habe es weder gegeben, noch wäre diese nötig gewesen.   

Kreissprecherin Petra Zühlsdorf räumte ein, dass der Viren-Befall im Morada Resort für große Aufregung gesorgt hat. „Wir haben Anrufer sogar aus Bayern gehabt, die Bedenken geäußert haben.“ Sie könne jedoch versichern, dass es sich um ein begrenztes Problem handelte.

Von Viren befallenes Hotel wird komplett desinfiziert

Kommentare (1)

Wie offensiv die Betreiber mit der ganzen Sache umgehen, kann man in diesem Blogbeitrag hier ganz gut nachlesen: http://www.pronline.de/praxistipps/meerblick-mit-durchfall-wie-krisenkommunikation-nicht-sein-sollte/ - Kein Hinweis auf der Webseite und sehr zurückhaltend im Kontakt mit der Presse. Offensiv geht für mich anders.