TOURISMUS

Hoteliers sauer wegen Corona-Chaos in MV

Die Hotelbranche in der Seenplatte und Vorpommern erlebt durch die zweite Corona-Welle und die chaotischen Verordnungen aus Schwerin eine massive Absagewelle.
Die Inselstadt Malchow ist Urlaubsregion pur in MV. Aber auch dortige Hotels verzeichneten jede Menge Stornierungen.
Die Inselstadt Malchow ist Urlaubsregion pur in MV. Aber auch dortige Hotels verzeichneten jede Menge Stornierungen. Steindorf Sabath
Müritzregion.

Die Hoteliers in Vorpommern und der Seenplatte stehen unter Corona-Hochdruck. Nachdem sich in Deutschland immer mehr Regionen und Städte zu Risikogebieten entwickelt haben, gelten für zahlreiche potenzielle MV-Urlauber strenge Regeln, die mit einem Urlaub nahezu unvereinbar sind. Marco Messner, Inhaber des Neubrandenburger Hotels St. Georg bringt auf den Punkt, was derzeit wohl viele seiner Kollegen empfinden: „Das ist die totale Katastrophe. Mir fehlen die Worte. Die haben sich ein bisschen verrannt in Schwerin.”

Gesundheitsamt übers Wochenende nicht zu erreichen

Dabei ist Messner noch einer von denen, die bisher keinen Gast wegschicken mussten, wie er dem Nordkurier am Sonntag sagte. Dafür erreichen das St. Georg aber zahlreiche Fragen, vorrangig per E-Mail. Die Gäste fragen, ob sie denn noch kommen könnten oder was zu tun sei. Viele wissen offenbar nicht, wo sie in der Kürze der Zeit einen Corona-Test machen könnten. Wer aus einem Risikogebiet nach M-V einreisen will, muss unter anderem einen negativen Coronatest nachweisen.

Hilfe vom Gesundheitsamt? Laut Messner zumindest nicht am Wochenende. Da ist keiner im Amt zu erreichen, sagt er. Und das gerade an diesem Wochenende, an dem für einige Bundesländer die Herbstferien beginnen. „Ist das noch zu begründen, in der Kürze der Zeit diese Auflagen umzusetzen? Ein unwahrscheinlicher Aufwand. Ich muss sagen, wir sind nicht die Polizei. Politisch ist vieles sehr widersprüchlich.”

Mitarbeiter haben Angst

Er glaubt nicht, dass man die Leute in Berlin „einsperren” kann, und natürlich guckt auch er stichprobenartig nach Berliner Kennzeichen. Aber ob das hilft? Messner hat vielmehr Befürchtungen, dass es jetzt wieder losgeht „mit dem Anschwärzen”.

Und damit setzt auch die Angst unter den Mitarbeitern wieder ein. „Wir sind ja hier auch ein größeres Team”, sagt Messner. Viele verdienten seit März kaum einen Euro. „Und jedes Jahr stellt sich Schwerin hin und sagt, 'wir sind Tourismusland Nummer eins'. Dahinter stecken aber Familien; Leute, die erst kürzlich wieder aus der Kurzarbeit raus sind.” Messner und seine Kollegen seien am Ende, sagt er.

Mehr lesen: Kommentar: MV-Regierung blamiert sich in Berliner Corona-Krise

Düstere Eindrücke in der Kreisstadt der Seenplatte. Doch auch in der Mürritzregion und rund um Neustrelitz stehen die Zeichen auf Chaos. Die Müritzregion erlebte übers Wochenende bereits die erste Stornierungswelle. Neben Warener Hotels mussten auch im Malchower Rosendomizil Buchungen gestrichen werden. „Wir haben vom ersten Moment an Stornierungen”, sagte eine Mitarbeiterin gegenüber dem Nordkurier. Wie groß der Einschnitt ausfallen wird, sei noch unklar. Zwar käme der Großteil der Gäste nicht aus Berlin, aber natürlich brechen dem Rosendomizil genau wie der ganzen Hotelregion die Buchungen der Berliner weg, die die zweiwöchigen Herbstferien an der Müritz verbringen wollten.

Mitarbeiter kontrollieren genau

Noch keinen einzigen Gast musste das Seehotel Schloss Klink, das seit Oktober zur Gruppe Privathotels Dr. Lohbeck gehört, wegschicken. Es gebe allerdings geringfügige Stornierungen. Von 30 gebuchten Zimmern seien durch aufgetretene Corona-Hotspots wie etwa in Berlin ein bis zwei Zehntel der Buchungen weggefallen und auch eine angemeldete Busgruppe musste ihre Reise ans Müritzufer absagen, hieß es Sonntagabend von Rezeptionist André Maschlanka. Die Einnahmeausfälle hielten sich dagegen im Rahmen.

Damit auch künftig Corona-Fälle im Hotel vermieden werden, kontrollieren die Mitarbeiter ihre Gäste haargenau. Jene, die aus dem Umland eines Corona-Hotspots kommen, müssen nun einen aktuellen, negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ausnahmen gelten in Klink bei „Hotel-Hoppern”, also Besuchern, die die Hotels binnen kurzer Zeit wechseln. Dann müsse der Gast einen aktuellen Negativ-Test nachweisen, wenn er nach dem Besuch des letzten Hotels im Seehotel Schloss Klink einchecken möchte.

Bei Hotelier Katja Jedwillat halten sich nach eigenen Aussagen die Stornierungen hingegen in Grenzen. Sie führt in Waren das Altstadthotel „Zur Goldenen Kugel” mit 14 Zimmern, in denen sie 26 Gäste unterbringen kann. Obwohl das Landesamt für Gesundheit und Soziales inzwischen auf 14 Seiten insgesamt 24 Regionen als Corona-Hotspots kennzeichnete, für deren Bewohner ein Beherbergungsverbot gilt, sei die Situation noch nicht so schlimm wie beim kompletten Shutdown Mitte März. „Ich weiß aber auch von Hotels aus Waren, die aktuell beinahe komplett leer sind durch die Situation und vorher ausgebucht waren”, so Jedwillat, die gleichzeitig im Vorstand der Warener Hotelgemeinschaft mitarbeitet.

Seit Pfingsten fluteten Urlauber geradezu die Seenplatte. Geplante Auslandsaufenthalte wurden auf unbestimmte Zeit verschoben und Reisen innerhalb Deutschlands vorgezogen. Ja, die Hoteliers konnten dadurch an Boden gutmachen, sagte Jedwillat. Auf ihr Unternehmen bezogen konnte sie nach eigenen Aussagen gut die Hälfte des Corona bedingten Einnahmeausfalls wieder reinholen.

Mach einer freut sich über etwas mehr Ruhe

Berliner Gäste gesehen haben aber offenbar keine Hoteliers. Auch das Strandhotel Mirow musste viele Stornierungen von Hauptstädtern verkraften.„Wir hatten einen erheblichen Teil an Buchungen aus Berlin, weil dort eben die Herbstferien beginnen”, sagte ein Mitarbeiterin am Sonntag. In der Regel werde auch Verständnis für die Lage des Hotels gezeigt.

Mehr lesen: MV bleibt hart – Familienbesuch nur unter Quarantäne

Beim Feldberger Zeltplatzbetreiber Max Greiling vom Camping „Am Bauernberg” seien es zum Glück nur Einzelfälle. Zudem würden die Stornierungen bei ihm eher Anreisende aus Risikogebieten in Nordrhein-Westfalen betreffen. Camping-Urlaub sei in diesem Jahr wohl gefragter denn je gewesen. „Insofern genieße ich das jetzt, wenn es ein bisschen ruhiger zugeht”, kann Greiling den neuerlichen Beschränkungen sogar was Positives abgewinnen. Nicht nur Beherberger sind vom Anreiseverbot für Berliner betroffen, auch Veranstalter mussten plötzlich reagieren. So musste Gitta Köstler, Rangerin im Müritz-Nationalpark, noch am Freitag mehreren Teilnehmern einer Pilzwanderung absagen, weil diese aus Berlin kommen.

Einige Gäste durften schon im Frühjahr nicht kommen

Die Mitarbeiter von Hotels in der Haffregion versuchen, ihren Gästen so freundlich wie möglich die Buchungen zu stornieren. Und das sind nicht wenige, sagte eine Hotelmitarbeiterin im „Haffhus” Bellin. Das Hotel an der Haffküste lässt die Urlauber natürlich nicht erst anreisen, um sie dann wieder nach Hause zu schicken. „Wir nehmen selbst den Kontakt zu unseren Gästen auf, und die reagieren zum Glück sehr verständnisvoll”, berichtet die Hotelmitarbeiterin. Besonders ärgerlich sei es, weil wieder Gäste nicht anreisen dürfen, die schon im Frühjahr kommen wollten und damals auf den Herbst vertröstet werden mussten.

Auch im familiengeführten Hotel Pommernyacht im Ueckermünder Stadthafen wird wegen der neuen Beschränkungen am Wochenende intensiv telefoniert. „Wir sind ja praktisch wie ein Vorort von Berlin und somit von den Reisebeschränkungen unmittelbar betroffen”, sagte ein Mitarbeiter.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Müritzregion

Kommende Events in Müritzregion (Anzeige)

zur Homepage