Die Heizkosten für 2022 werden erst im kommenden Jahr abgerechnet. Um einen Schock bei der Nachzahlung zu vermeiden, empf
Die Heizkosten für 2022 werden erst im kommenden Jahr abgerechnet. Um einen Schock bei der Nachzahlung zu vermeiden, empfehlen Vermieter schon jetzt, die Abschläge zu erhöhen. Was sagen Verbraucherschützer? Patrick Pleul
Mieter-Schreiben

Hunderte Euro zusätzlich fürs Heizen und Warmwasser?

Bei Mietern wird der Verbrauch für Heizung und Warmwasser noch nach alten Preisen kalkuliert. Nächstes Jahr droht ein Nebenkosten-Schock. Wie also vorbeugen?
Neubrandenburg

Das „Informationsschreiben steigende Energiekosten“ hat es in sich. Der Berliner Großvermieter GCP, der Tausende Wohnungen auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im Bestand hat, gibt seiner Kundschaft einen Rat. Um Nachzahlungen im kommenden Jahr zu vermeiden, bestehe die Möglichkeit, die monatliche Vorauszahlung bereits jetzt entsprechend anzupassen.

Vorauszahlung um 50 Prozent erhöhen?

„Kältere und längere Heizperioden, höherer Verbrauch, dazu steigende Energiepreise“: Die von GCP in dem Schreiben so geknüpfte Kette zu drastisch verteuertem Wohnen kennt inzwischen jeder. Der Vorschlag an die Mieter: Die Vorauszahlung der Verbrauchskosten freiwillig um 50 Prozent zu erhöhen. Das entsprechende Formular liege bei – eine Unterschrift genüge. Macht im konkreten Fall für eine Beispiel-3-Zimmerwohnung einen Zusatzbetrag von 400 Euro noch in diesem Jahr.

Vor der Frage, vorausschauend die Heizkosten freiwillig zu erhöhen, stehen viele Mieter. Die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba) etwa schlug im März einen Aufschlag von einem Viertel bei den Heizkosten vor. Ebenso sei es möglich gewesen, drei Prozent bei den Betriebskosten zuzulegen – ebenso wie einen frei wählbaren Betrag, sagt Vorstandschef René Gansewig. „Ob das am Ende reichen wird, bin ich mir nicht sicher“, räumt er ein.

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Mieterbund sieht keine rechtliche Grundlage – schlägt eigenes Schreiben vor

„Es gibt keine rechtliche Grundlage für Vermieter, im laufenden Jahr die Betriebskosten zu erhöhen“, sagt Franziska Lipka, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes in Neubrandenburg. Für die Mieter sei es aber eine Gewissensentscheidung. „Wer auf Nummer sicher gehen will und nicht von einer großen Nachzahlung überrascht werden möchte, sollte darüber ernsthaft nachdenken“, rät sie.

Vieles hänge von der finanziellen Lage des Haushalts ab. Und davon, ob bei zurückliegenden Abrechnungen immer ein hohes Guthaben vorhanden gewesen sei. „Dann könnten ja 2023 die höheren Preise ohne Anpassung der Vorauszahlung ausgeglichen werden“, so die Mietrechtsexpertin. Insbesondere, wenn damit vielleicht noch eigene Energieeinsparungen verbunden sind. Für den Fall, dass Mieter zum Beispiel weniger hohe Beträge als Vorauszahlung leisten wollen oder können, hat sie einen Vorschlag. „Am besten ein eigenes Schreiben aufsetzen und mit einem selbstgewählten Betrag sein Einverständnis erklären.“

Auch Energieexperte Arian Freytag von der MV-Verbraucherzentrale läutet nicht gleich die Alarmglocken, wenn Vermieter schon jetzt das Angebot für einen höheren Abschlag unterbreiten. „Das ist nicht unbedingt eine schlechte Idee“, findet er. Schließlich gingen die Vermieter in Vorleistung, wenn sie die Versorger bezahlen müssen. „So unwahrscheinlich ist es nicht, dass ohne einen höheren Abschlag eine kräftige Nachzahlung im kommenden Jahr fällig wird“, meint er. Niemand wisse, wie es mit den Preisen weitergehe.

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Vermieter GCP beruft sich auf Mieteranfragen

Der Vermieter GCP betont auf Nordkurier-Anfrage, dass es bei seinem Angebot höherer Vorauszahlungen um die individuellen und verbrauchsabhängigen Kosten für Heizung und Warmwasser geht. Hintergrund des Schreibens an die Mieter sei die Tatsache, dass in den vergangenen Wochen zahlreiche Experten Verbrauchern erneut eindringlich geraten hätten, finanzielle Rücklagen für anstehende Verbrauchskostennachzahlungen zu bilden. „Es leiten sich daraus keinerlei direkte Folgen auf das mietvertragliche Verhältnis ab“, versicherte die GCP-Sprecherin.

Viele Mieter seien schon vor dem Schreiben an das Unternehmen von sich aus mit dem Wunsch nach einer Erhöhung herangetreten. Die vorgeschlagene freiwillige Erhöhung in Höhe von 50 Prozent begründete die GCP-Sprecherin mit unterschiedlichen Angaben der Energieversorger. Manche Anbieter rechnen ihren Angaben zufolge mit Erhöhungen von mehreren hundert Prozent bei Heizöl, Gas oder Strom, andere wiederum mit einem eher geringen Anstieg zum Beispiel bei der Müllverbrennung.

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