JETZT SPRICHT DIANA FERCHS MUTTER

„Ich habe das Gefühl, dass meine Tochter tot ist“

Vor fast drei Jahren verabschiedete sich Diana Ferch am Telefon von ihrer Mutter Regina. Seitdem gilt die Frau als vermisst. Die Aussichten, die 29-Jährige jemals wieder lebend aufzufinden, scheinen inzwischen gering. Die Geschichte einer verzweifelten Mutter.
Mutter Regina Ferch hofft noch immer, dass ihre Tochter wieder auftaucht.
Mutter Regina Ferch hofft noch immer, dass ihre Tochter wieder auftaucht. Ralph Sommer
Die Vermisste Diana Ferch zusammen mit ihrem Sohn.
Die Vermisste Diana Ferch zusammen mit ihrem Sohn. Archiv
Rügen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt. Wenn sie ganz tief in sich hineinhorche, sagt Mutter Regina Ferch, dann spüre sie, wie die Zuversicht allmählich schwinde. „Es passt vieles nicht mehr“, sagt sie. „Zwei Jahre Aussteigen – ja, das hätte ich Diana noch zugetraut, so psychisch kaputt, wie sie zuletzt war. Aber jetzt sind es schon drei. Ich glaube nicht, dass sie ihren kleinen Sohn absichtlich so lange allein gelassen hätte.“ Diana habe gern geschrieben. Sie hätte doch einen Brief an den kleinen Damien geschickt. „Ich habe immer mehr das Gefühl, dass Diana tot ist.“

Traurig und schon wieder den Tränen nah, sitzt die 56-Jährige in der kleinen Küche ihres Wohnhauses im Süden der Insel Rügen. Seit Juni 2011 wartet die Frau auf ein Lebenszeichen ihrer Tochter Diana. Sie hat die Polizei eingeschaltet, die Medien eingeweiht, Talkshows besucht, ein von Diana geschriebenes Buch veröffentlicht, Lesungen gehalten, Weggefährten gesucht, einen Privatdetektiv engagiert und sogar eine Schamanin befragt. Bislang alles vergebens.

Hoffen auf Aktenzeichen XY

Kommenden Mittwoch will sich die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ des Falls annehmen. Vielleicht die letzte Hoffnung für Regina Ferch. Es sei ja schon so viel auf den Fernsehkanälen gelaufen, sagt sie. Aber jetzt beschäftige sich zum ersten Mal eine richtig professionelle Sendung zur besten Tageszeit ernsthaft mit dem Schicksal ihrer Tochter. Und da flammt sie wieder auf, die Hoffnung: Diana könne sich ja nicht in Luft aufgelöst haben. „Liebe Nordkurier-Leser, bitte schaut Euch die Sendung an! Der kleinste Hinweis könne entscheidend sein“, bittet die Mutter um Hilfe. Die Ungewissheit sei das Schlimmste, sagt Ferch. Die Unmöglichkeit, abschließen zu können.

Öffentlicher Brief der Mutter an ihre Tochter

In ihrer Verzweiflung hat sich Regina Ferch sogar einen Laptop zugelegt und bei Facebook angemeldet. Die Anteilnahme von Tausenden Menschen tut ihr gut. Zu Dianas 29. Geburtstag im März schrieb sie einen öffentlichen Brief an die Verschollene, erinnerte sich an jene Tage, als Diana viel zu früh zur Welt kam und ihr Zwillingsbruder kurz darauf starb. Erinnerte sich auch daran, wie sie sich mit ihrer Tochter immer wieder stritt und sich beide voneinander entfernten. „Ich möchte Dich so gerne noch mal an mich drücken und Dir sagen, dass es mir unendlich leid tut, aus Unwissenheit so viel falsch gemacht zu haben. Deine Mutti“.

Anfangs glaubte Regina Ferch, mit der Veröffentlichung eines Roman-Manuskripts ihrer Tochter, sie zur Rückkehr bewegen zu können. Das Buch „Jaden Page und das Geheimnis der Traumreisen“ hat sich inzwischen mehr als 700 Mal verkauft. Darin erzählt die Autorin das Schicksal eines Jungen, der in eine fremde Welt gelangt, in der Menschen und Tiere ganz anders miteinander umgehen, als in der von Diana oft kritisierten Realität.

Private Fahndungsplakate in Güstrow

Das letzte bestätigte Lebenszeichen von Diana stammt vom 27. Juni 2011, wo sie in Güstrow das Handy eines Rentners für einen Anruf nach Hause benutzt hatte. Der Mann hatte sich später bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass sich Diana mehrere Stunden mit ihm unterhalten hatte und wissen wollte, wie man nach Mirow komme. Seit vier Wochen hängen in Güstrow private Fahndungsplakate aus, die auch den Rucksack der Vermissten zeigen.

Daheim auf Rügen hofft Regina Ferch jetzt, dass sich XY-Zuschauer vielleicht doch noch an ihre Tochter erinnern können oder deren Kleidung und Ausrüstung wiedererkennen.

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