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Im Videowagen den Rasern hinterher

So sieht es im Videowagen der Polizei aus. Mit modernster Technik wird die Geschwindigkeit der Autofahrer gemessen.
So sieht es im Videowagen der Polizei aus. Mit modernster Technik wird die Geschwindigkeit der Autofahrer gemessen.
Christine Klose

Autofahrer, Fuß vom Gas! Am Donnerstag war „Blitzmarathon“. So nannte die Polizei ihren Großeinsatz, bei dem sie sich durch die ganze Republik blitzte. Auch Videowagen verfolgten die Temposünder – der Nordkurier fuhr in Vorpommern mit.

7 Uhr morgens, es ist noch dunkel draußen. Jörg Pohl und Uwe Schwerin von der „Besonderen Verkehrsüberwachung“ der Polizeiinspektion Anklam sind aber schon putzmunter. Das müssen sie auch, denn jetzt geht es los – mit dem Videowagen der Polizei. Der „Blitzmarathon“ soll auch in Vorpommern den Rasern den Spaß verderben. Dafür kommen nicht nur mobile Blitzer zum Einsatz, sondern auch der spezielle BMW.

Bald gerät der erste Bleifuß ins Visier der Polizisten. Ein Autofahrer überholt den schwarzen BMW der Ordnungshüter noch in der Ortschaft und schert ganz knapp wieder vor einem Laster in die rechte Fahrspur ein. Uwe Schwerin, der den Videowagen lenkt, gibt sofort Gas und will den Raser verfolgen. Doch kurz darauf legt der Polizist eine Vollbremsung hin und schert wieder rechts ein, da auf der anderen Seite ein Pkw auftaucht. „Das war knapp“, sagt Jörg Pohl und atmet erst einmal tief durch.

Fahrer drohen Bußgeld, Punkte und Fahrverbot

Dann gibt Uwe Schwerin wieder Gas und nach ein paar Sekunden ist der Videowagen dicht hinter dem Temposünder. Die Polizisten überholen – Jörg Pohl sagt: „Jetzt geben wir ihm Zeichen, dass er uns folgen soll.“ Mit blauen Warnleuchten und dem Hinweis „Stopp, Polizei“ lotsen die Ordnungshüter den Mann in eine Einfahrt. Der Temposünder zeigt sich einsichtig, will auch die Videoaufnahme seiner rasanten Überholmanövers nicht sehen.

Jörg Pohl versucht ihn dennoch zu überzeugen, denn der Videobeweis soll die Autofahrer zum Nachdenken bewegen, aber der Mann möchte absolut nicht. Ihm drohen jetzt ein Bußgeldverfahren, Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Der Raser nimmt das hin.

Der zweite Temposünder fällt auf, weil er bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern genau 100 fährt. Auch hier überholt der Videowagen das Auto und macht dem Fahrer deutlich, dass er folgen soll. Der Mann ist sichtlich überrascht und sich keiner Schuld bewusst, als die Polizisten ihm erklären, was er falsch gemacht hat. Denn er fahre die Strecke schon seit fast zwei Jahren jeden Tag. „Da ist doch 100 erlaubt“, sagt er.

Aufgepasst, wenn sich Routine einschleicht

Die Polizisten klären ihn auf und sagen dem Mann, was ihm demnächst mit der Post ins Haus flattert: 70 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg! Der Fahrer trägt es mit Fassung – auch er sieht schließlich seinen Fehler ein. Auf dem Heimweg möchte er sich aber eine Sache genauer angucken: das Tempo-70-Schild. Das hat er nämlich nicht bemerkt. „Das ist ein typischer Fall von Routine“, sagen die beiden Polizisten.

Jörg Pohl und Uwe Schwerin kennen sich schon seit über 20 Jahren und sind ein eingespieltes Team. „Wir verstehen uns ohne große Worte“, erklärt Schwerin. Das sei auch gut so, denn bei einer Verfolgungsjagd kann es auch mal brenzlig werden. Und da muss jeder wissen, was zu tun ist. „Wenn wir da noch viel erzählen müssten, wäre das tödlich“, so Jörg Pohl.

Zwar entscheide der Fahrer, wann Schluss ist, aber man müsse sich vollkommen aufeinander verlassen können. „Wir verfolgen die Motorrad- oder Autofahrer nicht auf Teufel komm raus“, erklärt Jörg Pohl. Denn das eigene Leben sei immer noch das Wichtigste und das setze man nicht einfach so aufs Spiel. „Wenn es zu gefährlich wird, dann brechen wir ab.“

Der „Blitzmarathon“ dauerte zwar nur einen Tag, aber Schwerin und Pohl werden auch in Zukunft wieder mit dem Videowagen unterwegs sein, um Rasern das Handwerk zu legen.

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