Anfang nächster Woche könnten auch in der Region Temperaturen über 30 Grad Celsius erreicht werden.
Anfang nächster Woche könnten auch in der Region Temperaturen über 30 Grad Celsius erreicht werden. Frank Rumpenhorst
Gesundheit

▶ Immer mehr Hitzetage in MV – Schutz für Ältere wichtig

Die kommende Hitze könnte ein gesundheitliches Problem für manche Menschen werden. Die Statistik zeigt: Sie kommen immer häufiger vor – auch im Nordosten.
Neubrandenburg

Es wird heiß in den kommenden Tagen. Vor allem wohl im Westen und Süden Deutschlands könnten Anfang nächster Woche wohl 40 Grad Celsius und mehr erreicht werden. Aber auch im Nordosten Deutschlands sind sogenannte Hitzetage prognostiziert, an denen 30 Grad und mehr erreicht werden.

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Gefahr für ältere Menschen

Schon an diesen Hitzetagen ist der Schutz vor hohen Temperaturen sehr wichtig für die Gesundheit vor allem älterer Menschen. Zumal diese Hitzetage immer häufiger gezählt werden. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt 43 Tage gezählt worden, an denen es wärmer als 30 Grad Celsius war. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald waren es im gleichen Zeitraum 30 Hitzetage. Die Daten wurden in einer Kooperation von Correctiv.Lokal, Zeit Online und dem Nordkurier ausgewertet.

Demnach wurden im Zeitraum von 1991 bis 2020 im Bereich der Seenplatte durchschnittlich rund 7 Hitzetage im Jahr. In den 30 Jahren zuvor wurden dort hingegen nur rund 3 Hitzetage registriert. In der Region Vorpommern-Greifswald stieg die Zahl der Hitzetage von durchschnittlich 2 auf 5 pro Jahr. Ähnlich wie in der Seenplatte ist es auch im zweiten Binnen-Landkreis Ludwigslust-Parchim derart warm, hier wurden im Schnitt 8 Hitzetage im Jahr gemessen.

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Initiative warnt: Das Problem wird unterschützt

Das ist die Statistik. Doch was bedeutet das für die Menschen im Nordosten? Ist es nicht egal, ob es nun 31 oder 29 Grad sind? Besonders problematisch sind heiße Tage generell für Risikogruppen wie Kinder, Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen. Und ja: „Ein, zwei, drei Grad Celsius können für sie den entscheidenden Unterschied machen”, sagt Martin Herrmann von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Die Initiative will deutlich zu machen, welche weitreichende Folgen der Klimawandel auf die Gesundheit hat.

Herrmann warnt davor, dass viele Kommunen und Akteure im Gesundheitswesen die zunehmende Anzahl von Hitzetagen in Deutschland auf die leichte Schulter nehmen. Immerhin seien laut einer aktuellen Studie in den heißen Sommern 2018 bis 2020 in Deutschland knapp 20.000 Menschen an der Hitze gestorben. „Ein wirksamer Hitzeschutz muss die Leute auch vor Ort erreichen! Jede Kommune sollte den DWD-Hitzenewsletter abonnieren, es sollten ,kühle Orte' wie Kaufhäuser oder Kirchen ausgewiesen werden und Trinkwasserspenden installiert werden”, fordert Martin Herrmann.

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Am wichtigsten sei aber, dass sich die Verantwortlichen vernetzen und die Maßnahmen koordinieren. Es müssten bei einer Hitzewelle Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime und -dienste sowie Schulen und Kitas alarmiert werden, um besonders Gefährdete zu schützen. Besonders wichtig in MV: Die Hitze treffe oft alleinlebende ältere Menschen. „Sie haben oft Vorerkrankungen, sie trinken zu wenig, haben oft ein schlechteres Durstgefühl”, sagt Martin Herrmann. Und oftmals werde ein Hitzetod gar nicht als solcher erkannt. Da helfe nur, die Gefahr dauerhaft hoher Temperaturen als solche klar zu benennen und sich an heißen Tagen gut um besonders gefährdete Menschen zu kümmern.

„Diese Recherche ist Teil einer Kooperation von ZEIT ONLINE, [Dein Lokalmedium] und CORRECTIV.Lokal. Das Netzwerk recherchiert zu verschiedenen Themen und berichtet unter correctiv.org/klima langfristig über die Klimakrise. Weitere Infos zu Hitze in Deutschland: zeit.de/hitzetote

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