VERMISST IN MV

Immer wieder verschwinden Menschen scheinbar spurlos

In mehr als 10.000 Fällen wurde die Polizei in MV seit 2019 wegen vermisster Personen aktiv. Einzelne Schicksale erschüttern die Beamten. Sie erklären, wie sie arbeiten.
Nicht immer steckt hinter einer Vermisstenmeldung ein tragisches Schicksal. In MV tauchen die meisten Personen von alleine wie
Nicht immer steckt hinter einer Vermisstenmeldung ein tragisches Schicksal. In MV tauchen die meisten Personen von alleine wieder auf. Viele Vermisste sind jugendliche Ausreißer. Jens Büttner
Rostock ·

Wochenlang suchten sie nach ihm. Polizeihubschrauber, Hundeführer und dutzende Beamten durchkämmten die Wälder um Pasewalk, doch alles nutzte nichts. Am Ende konnten die Beamten den 73-Jährigen nur noch tot in der Nähe der Autobahn 20 bei Papendorf finden. Solche Fälle zeigen, wie schwierig die Suche nach einer vermissten Person sein kann.

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Wenn eine Vermisstenanzeige bei der Polizei eingeht, gehen die Beamten methodisch vor. Das Umfeld der Person wird befragt, persönliche Sachen werden durchsucht nach Hinweisen auf den Aufenthaltsort. Auch Handys kann die Polizei orten. „Wenn es Sinn macht, werden auch Diensthundeführer mit einem Fährtenhund oder ein Polizeihubschrauber zur Suche nach einer vermissten Person eingesetzt”, heißt es aus dem Neubrandenburger Polizeipräsidium.

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Doch die Polizei in MV kann etwas aufatmen, denn die Zahl der Einsätze wegen vermisster Personen ist leicht rückläufig. Dennoch haben die Polizisten in den Polizeirevieren alle Hände voll damit zu. Seit 2019 haben die Polizeipräsidien in Rostock und Neubrandenburg mehr als 10.000 Vermisstenvorgänge bearbeitet.

Niemand weiß, wie viele Menschen tatsächlich vermisst wurden

Wobei diese Zahl nichts über die tatsächliche Anzahl vermisster Personen aussagt. „In einem Monat kann es zehn Vermissteneinsätze geben, die aber alle die gleiche vermisste Person betreffen”, erklärt Claudia Tupeit, die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg. Wie viele Einzelpersonen in dem Zeitraum tatsächlich vermisst gemeldet wurden, darüber führt die Polizei kein Buch.

Im Polizeipräsidium Rostock blickt man vorsichtig optimistisch in die Zukunft, was die Zahl der Vermisstenvorgänge angeht. Im Jahr 2019 wurden rund 3500 Vorgänge bearbeitet, 2020 waren es nur noch 2500. Im Jahr 2021 gab es bisher 1400 Vorgänge im Zusammenhang mit vermissten Personen, alle sind abgeschlossen, teilte Katja Marschall vom Polizeipräsidium Rostock mit.

Bei 48 der mehr als 7000 Sachverhalte im Präsidium bestand der Verdacht einer Straftat. Davon entfallen zehn in das Jahr 2021. Bei den meisten Fällen handelt es sich aber um jugendliche Ausreißer oder ältere, teilweise demente Senioren, die sich verlaufen haben. Das ist im Polizeipräsidium Neubrandenburg nicht anders. Zwar gibt es hier keine genauen Statistiken über die vermissten Personen, aber auch hier sind die meisten vermissten Personen Ausreißer.

Manche Vermisste werden tot aufgefunden

„Etwa dreiviertel aller Vermisstenfälle machen im Nordosten die Dauerausreißer aus – also Kinder und Jugendliche, die immer wieder von zu Hause oder aus Betreuungseinrichtungen weglaufen. Daneben gibt es auch einige Personen, die immer mal wieder aus Kliniken oder Pflegeheimen kurzzeitig vermisst werden”, sagt Claudia Tupeit.

Doch hin und wieder endet die Suche nach einer vermissten Person auch tragisch, wie bei dem Senior in Pasewalk. Auch die Suche nach einer 85-Jährigen bei Greifswald blieb ohne Erfolg. Sie wurde ebenfalls leblos in einem Waldstück gefunden. Sie hatte sich verlaufen und starb an Unterkühlung.

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„In der Regel werden Vermisste relativ zügig wiedergefunden oder melden sich von sich aus wieder zurück. Natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, in denen vermisst gemeldete Personen tot gefunden werden – sei es durch Suizid oder weil sie ertrunken sind oder zum Beispiel durch Unterkühlung verstorben sind”, erklärt Polizeisprecherin Claudia Tupeit.

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