FRAUENHÄUSER

In der Coronakrise grassiert die Gewalt in den Familien

Plötzlich hocken alle zusammen: Vater, Mutter und Kinder. Jeden Tag, 24  Stunden. Und das vielleicht über Monate. Die Corona-Krise gefährdet den Familienfrieden.
In der Corona-Krise befürchten Experten, dass die Gewalt in den Familien stark zunehmen könnte.
In der Corona-Krise befürchten Experten, dass die Gewalt in den Familien stark zunehmen könnte. Jan-Philipp Strobel
Neubrandenburg.

In China ist die Zahl der Beschwerden von Opfern häuslicher Gewalt während der Corona-Krise staatlichen Medien zufolge um das Dreifache gestiegen. Auch in Deutschland ist eine ähnliche Entwicklung zu befürchten, meinen Experten.

„Das merken wir auch in der Praxis schon“, sagt Sylvia Haller von der Zentralen Informationsstelle autonomer Frauenhäuser in Mannheim. „Die Probleme in den Familien werden natürlich größer momentan, die Ängste werden größer, finanzielle Existenzängste. Dadurch steigt natürlich auch das Potenzial zur Gewaltausübung – und dann steigen die Anfragen bei uns in den Frauenhäusern.“

Schutzschirm für die Frauenhäuser

„Wir arbeiten generell an der Kapazitätsgrenze“, sagt Haller. „Auch außerhalb der Corona-Zeiten sind wir am Limit, müssen Frauen abweisen, haben zu wenig Betten, zu wenig Personal. Von daher sind wir ein System, das nicht gut aufgestellt ist und die Krise momentan nicht abfedern kann.“

Wahrgenommen wird die verschärfte Problematik Haller zufolge nun aber durchaus. So hätten sich Bund und Länder auf einen sozialen Schutzschirm für Frauenhäuser und Beratungsstellen verständigt. Damit könnten die Einrichtungen kurzfristig Hotels oder Ferienwohnungen anmieten. Diese würden derzeit aufgrund fehlender Gäste leer stehen. „Da kriegen wir gerade gute Zeichen von Politik und Verwaltung“, sagt Haller und betont, wie herausfordernd der Umgang mit Corona und häuslicher Gewalt sei.

Auch in MV rechnen Experten mit Problemen

Die Frauenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern erwarten ebenfalls infolge der Corona-Krise eine steigende Nachfrage von Opfern häuslicher Gewalt und organisieren deshalb zusätzliche Quartiere. „Es wird alles soweit vorbereitet, dass man schnell handeln kann“, sagte Alexander Kujat, Pressesprecher des Sozialministeriums in Schwerin. Dabei sind die Grundbedingungen im Land schwierig. Seit Jahren klagen die Einrichtungen und verschiedene Hilfsorganisationen über eine nicht ausreichende Finanzierung von Frauenhäusern im Land.

Bisher aber, das betont das Ministerium von Stefanie Drese (SPD) habe es in Mecklenburg-Vorpommern noch keine signifikante Zunahme an Gewalt gegeben. Die Befürchtung sei aber, dass es in den nächsten Wochen so kommen werde. Ein größerer Platzbedarf in den Frauenhäusern könne sich auch ergeben, wenn Infektionen mit dem Coronavirus bei Betroffenen festgestellt werden sollten und sie isoliert werden müssten, hieß es am Freitag aus dem Ministerium. Dann dürfte sich wahrscheinlich eine ähnliche Problematik wie in den Asylbewerberheimen auftun. Auch dort sind viele Menschen dicht gedrängt mit relativ wenig Platz untergebracht.

Hilfe rund um die Uhr

Nach Worten von Alexander Kujat gibt es landesweit in MV rund 200 Plätze in neun Einrichtungen, in denen Frauen und ihre Kinder vor häuslicher Gewalt Schutz finden können. Das Sozialministerium weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass auch die Beratungsstellen bei häuslicher und sexualisierter Gewalt telefonisch und per Mail zur Verfügung stehen. Zudem wird bundesweit das Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen unter 08000 116 016 rund um die Uhr in 18 Sprachen aufrecht erhalten sowie das Hilfetelefon „Schwangere in Not“ unter 0800 40 40 020.

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