Die SPD geht mit dem „Manu”-Magazin in den Wahlkampf. Darin geht es vor allem um die Spitzenkandidatin Manuela Sch
Die SPD geht mit dem „Manu”-Magazin in den Wahlkampf. Darin geht es vor allem um die Spitzenkandidatin Manuela Schwesig. SPD MV
Landtagswahl MV

In diesem Magazin ist „Manu” fast schon Kaiserin

Die SPD bringt zum Landtagswahlkampf ein eigenes Magazin heraus und lässt es sich 190.000 Euro kosten. Damit erreicht der Personenkult um Manuela Schwesig eine ganz neue Stufe. Eine Magazin-Rezension.
Neubrandenburg

Wie viel Manuela Schwesig passt eigentlich in einen Wahlkampf? Die Antwort der SPD ist darauf ein eindeutiges: Ja!

Die Partei will ab der kommenden Woche überall in Mecklenburg-Vorpommern das Magazin „Manu“ in den Briefkästen verteilen. Ein Wahlkampf-Heft, das einzig auf die Spitzenkandidatin und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zugeschnitten ist. Auf 16 Seiten erfahren die Leser darin allerlei Anekdoten aus dem Leben der Politikerin, das im brandenburgischen Seelow begann: „Die junge Manu ist vielseitig: Sie tanzt und wirbelt über Bühnen.”

Aber was ist schon Brandenburg? „MV ist ihre große Liebe“, verspricht das Heft, wobei die Kandidatin im selben Text konkreter wird: „Ich habe mich in meinen Mann Stefan und in seine Heimat Mecklenburg-Vorpommern verliebt.“ Ministerpräsidentin zu sein, das sei ihre Berufung, meint Manu: „Ich mache sicher nicht alles perfekt, aber ich gebe immer mein Bestes für unser Land. Darauf können sich die Menschen weiter verlassen.”

Hinweis: Alle Nordkurier-Artikel zur Landtagswahl finden Sie hier.

Lieber Pathos als Programm

Sicher nicht alles perfekt? Für so viel Selbstkritik wurde dieses Heft natürlich nicht gedruckt! Mit einer ordentlichen Portion Pathos wird da lieber diese Lobeshymne angestimmt: „Als Erwin Sellering schwer erkrankt und MV sie braucht, ist sie zur Stelle. Und setzt bald Akzente. Sie fördert Branchen, die gute Arbeitsplätze bieten. Sie schafft die Elternbeiträge für Kita und Hort ab, legt Programme für mehr Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas und mehr Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen auf. Sie fördert das Ehrenamt.“

Nebenbei hat sie im Bund dann noch für die Grundrente gekämpft und sich für die Anliegen berufstätiger Frauen eingesetzt. Das steht da alles. Ganz schön super, diese Manu! Da stellt sich irgendwann nur die Frage, ob dieser Schwesig-Wahlverein noch andere Mitglieder hat.

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Und die gibt es tatsächlich, sie haben nur leider kein Gesicht. Immerhin schon auf Seite zwei des Manuzins dürfen Christian Pegel, Patrick Dahlemann, Bettina Martin, Thomas Krüger und die anderen Direktkandidaten ihre Lieblingsplätze im Land vorstellen. Ob das auch etwas mit Politik zu tun hat? Das erfahren die Leserinnen leider nicht. Erst im Mittelteil wird enthüllt, wer diese Menschen überhaupt sind, dass sie doch ein Gesicht haben und wo sie antreten. An dieser Stelle taucht dann übrigens auch das erste Mal ein SPD-Logo auf, vorher wurde die Partei nur an einer Stelle erwähnt. Der Leser hat bis dahin schon neun mal das Gesicht von Manuela Schwesig gesehen, weitere drei Fotos werden noch folgen.

Auffällig, was „Manu” nicht sagt

Dann wird es ein klein wenig konkreter und das Manuzin stellt doch noch SPD-Ziele vor: die Wirtschaft stärken, 12 Euro Mindestlohn, schnelles Internet an jeder Milchkanne, die Nutzung von Wasserstoff, die Natur erhalten und den sozialen Zusammenhalt stärken, etwa mit Seniorentickets für den Bus.

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Auffällig ist, was bei dieser Gelegenheit, bei der sich die SPD mit großem Aufwand selbst inszeniert, nicht gesagt wird: das Thema Corona und die Folgen wird allerhöchstens erwähnt. Rechtsextremismus und die Ungleichheiten zwischen Stadt und Land, dem Landesosten und dem Landeswesten, spielen keine Rolle. Auch zum Thema Nord Stream 2 fällt kein Wort, obwohl bundesweit vermutlich kein Thema so sehr mit Manu verbunden wird und ihre russlandfreundliche Politik dabei. Auch zum Thema Klimawandel hat Manu erstaunlich wenig zu sagen.

Kaiser war noch nie Minister

Dafür darf zum Schluss dann noch einmal Roland Kaiser unsere Manu in einem Interview loben. Der Schlagersänger, selbst SPD-Mitglied, sagt dann, dass ihm Mecklenburg-Vorpommern liege und er dem Land offenbar auch. Begründung: 1989 gab er ein Konzert in Rostock und die Stimmung sei gut gewesen.

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Vom Namen Kaiser wird offenbar eine gewisse Expertise erwartet, jedenfalls erklärt er dann auch, dass es eindeutig schwieriger sei, ein Bundesland zu führen, als eine Band zu führen. Und Manu mache ihren Job natürlich super: „Manuela, du schaffst es, Menschen zu begeistern. Die Leute wählen nicht in erster Linie eine Partei. Sie wählen einen Menschen. Und zwar dich, Ihre Ministerpräsidentin.“

Personenkult für 190.000 Euro

Mit diesem Satz dürfte dann auch klar sein, auf welche Strategie die SPD in diesem Wahlkampf setzt: Bloß nicht konkret werden, am besten gar nicht über Themen reden, aber dafür ganz viel Manu! Bei einem Kreuzworträtsel können die Teilnehmer sogar ein Treffen mit Manu gewinnen. Damit ist schon so viel Personenkult erreicht, dass die SPD hier fast den Eindruck macht, sie hätte eigentlich gar keine Lust auf das politische Tagesgeschäft.

Manche Leute waren schon irritiert, als die SPD ihre Wahlplakate vorstellte, auf denen nichts als Schwesigs Gesicht sehen ist. „Die Frau für MV“ Kein Parteilogo, nur der Slogan „#gemeinsaMVran“. Mit diesem Heft wird der Personenkult noch auf eine ganz neue Stufe gehoben. Ob man sowas auch von Russland lernen kann?

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Die SPD hatte für Druck und die Gestaltung des Magazins nach eigenen Angaben rund 45.000 Euro auf den Tisch gelegt. Das Geld bekam eine Agentur in Berlin, die für die SPD schon ähnliche Hefte für andere Wahlkämpfe gestaltet hat. So grüßte im letzten Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz bereits „Malu“ aus dem Briefkasten.

Damit nun „Manu“ ebenfalls die Menschen erreicht, bezahlt die SPD weitere 145.000 Euro für die Verteilung per Post. Macht also 190.000 Euro, um Manu einmal mehr hochleben lassen. Mehr aber auch nicht.

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