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In Mecklenburg-Vorpommern kommen mehr Babys zur Welt

Die Zahl der Neugeborenen ist in MV in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Experten gingen von einem Rückgang aus.
dpa
Der Bedarf an Schnullern steigt im Nordosten weiter an. (Symbolbild)
Der Bedarf an Schnullern steigt im Nordosten weiter an. (Symbolbild) Patrick Pleul
Schwerin.

Der Babyboom in Mecklenburg-Vorpommern hält an. Im vergangenen Jahr wurden im Nordosten 1,7 Prozent mehr Kinder als 2015 geboren, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Die Zahl der Sterbefälle stieg um 0,9 Prozent auf rund 20.000. Damit starben, wie schon in den Jahren zuvor, in Mecklenburg-Vorpommern mehr Menschen als geboren wurden. Der sogenannte Sterbeüberschuss verringerte sich aber um 0,7 Prozent auf rund 7000. Auch bundesweit starben mehr Menschen als geboren wurden.

In Mecklenburg-Vorpommern steigt die Zahl der Geburten seit Jahren. 2014 erblickten 12.830 Babys das Licht der Welt, im Jahr darauf waren es 13 298 und 2016 ging es weiter aufwärts in Richtung 14.000. Auch Heiraten liegt im Trend: Die Zahl der Eheschließungen nahm 2016 um 5,1 Prozent auf rund 12.000 zu, wie die Statistiker berichteten.

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Die Landespolitik hat ihre Entscheidungen jahrelang auf der Grundlage gegenteiliger Annahmen gefällt. Die 4. Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2008 ging von einem nahezu stetigen Rückgang der Geburten ab dem Basisjahr 2006 aus, als 12.638 Babys das Licht der Welt in MV erblickten.

Experten gingen von Rückgang aus

Schon vom ersten Jahr an stimmten die Annahmen nicht mit der Wirklichkeit überein: 2007 registrierten die Behörden 12.786 Geburten, prognostiziert waren 12.569. Im Jahr darauf wurde die Marke von 13.000 geknackt, während die Experten einen weiteren Rückgang angenommen hatten. Für 2015 waren nur noch 10.870 Geburten vorhergesagt worden, für 2016 mit 10.622 noch weniger. Im weiteren Verlauf bis 2030 sollten jährlich nur noch um die 8000 Babys im Nordosten geboren werden. Ein sterbendes Land.

"Es hat sich ganz anders entwickelt", sagte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetags Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Wellmann, der Deutschen Presse-Agentur. Der viel positivere Verlauf sei durch den Flüchtlingszuzug nur noch verstärkt worden. Das Problem der falschen Prognose: Die Politiker in Land und Kommunen treffen auf ihrer Basis Entscheidungen, wie Schließung, Erhalt oder Neubau von Schulen und Kitas oder auch Verwaltungsreformen. In Schwerin etwa gibt es einen Schul- und vor allem Hortplatzmangel – plötzlich sind viel mehr Kinder da als geplant.

Neue Prognose in Arbeit

Wellmann wünscht sich Bevölkerungsprognosen, die mehr mögliche Szenarien betrachten und häufiger aktualisiert werden. "Wenn ich merke, meine Annahmen stimmen nicht und es entwickelt sich anders, dann muss ich ran, weil davon Planungsprozesse abhängen", sagte er. Die vorerst letzte Überarbeitung erfuhr die 4. Bevölkerungsprognose im Jahr 2012. Sie geht zum Beispiel für die Landeshauptstadt Schwerin von einer Abnahme der Bevölkerung von 95.220 im Jahr 2010 auf 92.341 im Jahr 2030 aus. In Wirklichkeit erfreut sich Schwerin eines Bevölkerungswachstums. Im Juni 2017 lebten dort nach Angaben der Stadtverwaltung 98.548 Einwohner. Die 5. Bevölkerungsprognose ist laut Infrastrukturministerium in Arbeit.

Der Artikel wurde um 14 Uhr umfassend aktualisiert.

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Kommentare (2)

Der hier beschriebene Babyboom ist in Wirklichkeit ein erheblicher Sterbeüberschuss. Die "mehr Babys" sind immer noch 7000 im Jahr zu wenig, um die Bevölkerungszahl in MV zu halten. Von Abwanderung und Überalterung ganz zu schweigen. In Afrika bekommt jede Frau im Durchschnitt 4 bis 5 Kinder! In Nigeria sind es sogar 7. Afrika ist dabei sich zu verdoppeln, während Europa weit von den erforderlichen 2,2 Kindern erntfernt ist, die nötig sind, damit die Bevölkerungen nicht überaltern und schrumpfen.

... grossziehen ist teuer. Zudem ist die Zukunft von heutigen Kindern düster: mit 70 in Rente, Rente selbst über jahrzehntelange ungewisse Spekulationen finanzieren, Arbeitszeitaufweichungen. Man muss gut überlegen, Kindern solche Zukunft ungefragt anzutun. In den armen Regionen der Welt sind Kinder eine Option, die Eltern früh und später (keine Rente) durch Kinderarbeit, Betteln, Stehlen zu ernähren.