RASANTE REITKÜNSTE

Indianer-Show am Damerower See startet am Wochenende

Derzeit proben waghalsige Reiter und Laien-Schauspieler für die Apachen-Pferdeshow am Damerower See. Das Stück, das am Samstag Premiere feiert, spielt in der Zeit des beginnenden Bürgerkriegs in den USA.
dpa
Auf der Naturbühne in der Mecklenburgischen Seenplatte feiert am 20.07.2019 das aktuelle Stück mit dem Titel "Gnadenlos" seine Premiere.
Auf der Naturbühne in der Mecklenburgischen Seenplatte feiert am 20.07.2019 das aktuelle Stück mit dem Titel "Gnadenlos" seine Premiere. Jens Büttner
Berufsindianer Wolfgang Kring springt mit seiner sechzehnjährigen Fuchsstute „Chahee” beim Training für die Apache
Berufsindianer Wolfgang Kring springt mit seiner sechzehnjährigen Fuchsstute „Chahee” beim Training für die Apachen-Live-Show über ein brennendes Hindernis, unter dem Partnerin Ilona Hein liegt. Jens Büttner
Auf der Naturbühne in der Mecklenburgischen Seenplatte feiert am 20. Juli 2019 das aktuelle Stück mit dem Titel "Gnadenlos" seine Premiere.
Auf der Naturbühne in der Mecklenburgischen Seenplatte feiert am 20. Juli 2019 das aktuelle Stück mit dem Titel "Gnadenlos" seine Premiere. Jens Büttner
 Insgesamt sechs Vorstellungen mit rund 30 Laien-Darstellern sind an den kommenden Wochenenden geplant.
Insgesamt sechs Vorstellungen mit rund 30 Laien-Darstellern sind an den kommenden Wochenenden geplant. Jens Büttner
Die fiktive Geschichte spielt in der Zeit des beginnenden Bürgerkriegs in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die fiktive Geschichte spielt in der Zeit des beginnenden Bürgerkriegs in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts. Jens Büttner
Neu Damerow.

Spektakuläre Stunts, rassige Pferde, eine packende Geschichte: Für die mittlerweile 27. Apachen-Live-Show auf einem Hügel am Damerower See laufen die Proben auf Hochtouren. Auf der Naturbühne zwischen Goldberg und Karow an der Mecklenburgischen Seenplatte feiert am Samstag (20. Juli) das Stück mit dem Titel «Gnadenlos» seine Premiere. Sechs Vorstellungen mit rund 30 Laien-Darstellern sind an den kommenden Wochenenden geplant. Die Geschichte spielt in der Zeit des beginnenden Bürgerkriegs in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts. In den vergangenen Jahren kamen jeweils mehr als 3.000 Zuschauer zu den rasanten Pferdeshows, die an drei Wochenenden stattfinden.

Geschrieben hat das Stück Wolfgang Kring. Der heute 68-Jährige Hobby-Indianer spielt als Stuntman nicht nur mehrere Rollen in der actionreichen Inszenierung, er kümmert sich auch um den Kulissenbau, das Marketing und die Betreuung der Schauspieler und ihrer Pferde. Auch in diesem Jahr hat die Geschichte einen historischem Hintergrund. Es geht um den geplanten Kupferabbau weißer Siedler im Indianergebiet und dem damit verbundenen Kampf der Rothäute für den Erhalt ihrer Traditionen und ihrer Sprache.

Sie nannten ihn den "Apachen"

Schon als Kind verschrieb sich Kring der Kultur amerikanischer Ureinwohner, wie er erzählt. Die Bücher von Karl May kennt er fast auswendig, die Indianer-Filme der DEFA lockten Kring immer wieder ins Kino. Er gehörte zur Indianer-Szene von Amateurkünstlern in der DDR. Mit seiner Frisur und den ausgefransten Klamotten eckte er bei Eltern und Lehrern an, unter seinen Kumpels war er nur als «Apache» bekannt.

Seit 1990 gehören Lederhose und Kriegsbemalung zum Berufsalltag, da machte sich Kring mit Ranch und Stunt-Shows in Nordostdeutschland selbstständig. «Das Indianersein, das hab ich im Blut», sagt der braun gebrannte, asketische Mann. Die Frage nach der Indianer-Rente beantwortet er seit Jahren immer gleich: «Aufhören werde ich erst, wenn ich 'ne Leiter brauche, um aufs Pferd zu kommen.» Aber natürlich fällt ihm nicht mehr alles so leicht wie vor dreißig Jahren und so muss er sich mit mehr Kraftsport und regelmäßigem Lauftraining fit halten. «Sonst spielen die alten Knochen nicht mehr so mit.»

Langmesser und Feuersprung

Nach dem überraschenden Tod des langjährigen zweiten Hauptdarstellers sowie dem altersbedingten Einschläfern der beiden Lieblingspferde, des Schimmels «Marmor» und des Rappen «Askan», sah es im letzten Jahr fast nach dem Ende der Indianershow aus. Krings selbst litt an den Folgen einer verschleppten Lungenentzündung. 2018 gab es keine Vorstellungen auf der Naturbühne. Nach zahlreichen Nachfragen von Stammgästen entschlossen sich Kring und seine Mitstreiter schließlich für die Fortsetzung der Wild-West-Geschichte an der Mecklenburgischen Seenplatte. «Diese Show ist mein Leben seit 1985, da kann man einfach nicht aufhören», erklärt er.

Dabei brachte Kring sich alles selbst bei, wie seine Partnerin Ilona Hein sagt. Sie trägt den Künstlernamen «Tibi Wors» und hält in jeder Show im wahrsten Wortsinn den Kopf hin. Wenn Kring als «Schwarzer Falke» an ihr vorbei reitet und mit einem Langmesser knapp über ihrem Gesicht eine Banane zerteilt oder sie beim Feuersprung unter dem brennenden Hindernis liegt. Zwei Stunden dauert die rasante Vorstellung, die voll gepackt ist mit Action, Tricks und Sprüngen, Knallerei und wilder Akrobatik.

Indianer betreibt sonst Ferienwohnungen

Die Indianershow in Neu Damerow bereichert jeden Sommer das Kulturangebot in der Region, so die Einschätzung von Michael Wufka, Geschäftsführer der Touristeninformation in Plau am See. «Wir sind sehr froh, dass es in diesem Jahr wieder Aufführungen gibt», sagt der Tourismusexperte. Bereit im Frühjahr habe es erste Anfragen von Urlaubsgästen nach den diesjährigen Terminen der Indianer-Bühne gegeben.

Übers Jahr ist Kring mit seiner Apachen-Live-Show bundesweit auf Achse, tritt bei Country-Festen und anderen Veranstaltungen auf. In Neu Damerow bewirtschaftet er ein 19 Hektar großes Grundstück, erntet Pferdefutter für seine Tiere und betreibt Ferienwohnungen.

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