Unter anderem  werden 17 Beamte aus Mecklenburg-Vorpommern verdächtigt, rechtsextreme Inhalte in einem Chat ausgetauscht
Unter anderem werden 17 Beamte aus Mecklenburg-Vorpommern verdächtigt, rechtsextreme Inhalte in einem Chat ausgetauscht zu haben. Stefan Sauer
Auf ihrer gestern freigeschalteten Internetseite hat „Copservation“ die Vorfälle auch nach Regionen sortiert.
Auf ihrer gestern freigeschalteten Internetseite hat „Copservation“ die Vorfälle auch nach Regionen sortiert. Screenshot: Nordkurier
Polizei-Skandale

Initiative hat ein Auge auf rechtsextreme Polizisten

Ob rechtsextreme Chats, prügelnde Beamte oder die Nordkreuz-Gruppe: Polizei-Skandale nehmen kein Ende. Eine Initiative mit Mitgliedern aus MV hat diese nun visuell aufbereitet.
Neubrandenburg

Auf den ersten Blick sind es Einzelfälle: Ein offenbar rechter Beamter aus Greifswald soll unberechtigt personenbezogenene Daten von Polizeicomputern abgerufen haben. Bei einer Fahrzeugkontrolle soll ein Polizist eine Person bei Waldeck bewusstlos geschlagen haben. 17 Beamte aus Mecklenburg-Vorpommern werden verdächtigt, rechtsextreme Inhalte in einem Chat ausgetauscht zu haben. Dies sind nur einige der Meldungen im vergangenen Jahr zu Fehlverhalten von Beamten im Nordosten.

Mehr zum Thema:Rechtsextreme „Nordkreuz”-Gruppe besteht weiterhin

Gesammelt wurden sie von der Initiative „Copservation“ – ein englisches Wortspiel aus „Polizist“ und „Beobachtung“. Mehr als 700 Fälle aus ganz Deutschland hat die Gruppe, die sich Ende 2019 zusammengefunden hat, inzwischen zusammengetragen, aus dem Jahr 1990 bis heute. Diese sind visuell in einer Deutschlandkarte auf der Webseite aufbereitet worden.

Alle Vorfälle seien bereits öffentlich bekannt

Die Köpfe dahinter wollen anonym bleiben. „Wir arbeiten ehrenamtlich und parteiunabhängig, das Projekt entstand in unserer Freizeit“, versichert „Copservation“-Mitglied Matti dem Nordkurier. „Wir“, das sind nach seinen Angaben junge Erwachsene aus ganz Deutschland, darunter einige aus Mecklenburg-Vorpommern – „alle mit Gerechtigkeitssinn“.

Auch interessant: Sollte im Prepper-Bericht gar nichts aufgedeckt werden?

Wenig verwunderlich ist somit der Anlass für die Initiative: „Unter anderem der Fall um die rechtsextreme Prepper-Gruppe ‚Nordkreuz‘ hat uns zu dem Projekt bewegt“, erklärt Matti. Als ‚Nordkreuz‘-Kopf gilt ein ehemaliger SEK-Beamter aus Banzkow bei Schwerin, die Gruppe soll laut Bundesregierung immer noch aktiv sein.

Die erfassten Vorfälle seien bereits in öffentlich zugänglichen Medien publiziert worden, die Mitglieder würden sie sammeln und archivieren. Berichte über Fehlverhalten von Polizisten würden nach suchbaren Kriterien wie Jahr, Ort und Kontext sortiert und auf der Karte mit der jeweiligen Quelle angezeigt.

Beiträge über Lorenz Caffier für soziale Netzwerke geplant

Und es ist noch mehr geplant: „Auf Social Media planen wir für die nächsten Tage noch Posts mit Zitaten von Betroffenen von Polizeigewalt oder dazu, was unter so manchem Innenminister passiert ist – unter anderem Lorenz Caffier“, verrät Matti.

Aber was treibt die „Copservation“-Leute bei ihrer Sammlung an? „Wir wollen dem ‚Einzelfall‘-Narrativ rund um polizeiliches Fehlverhalten etwas entgegensetzen“, so Matti, „und die Mitte der Gesellschaft erreichen.“ Auf einen Blick könnte so die Vielzahl der Ereignisse gezeigt werden. Und somit zeige sich auch „dass es keine Einzelfälle sind, sondern ein Dauerzustand ist“.

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