NORDKURIER-TALK

Ist der Wolf für den Menschen eine Gefahr?

Die Rückkehr der Wölfe wird hitzig diskutiert. Sie reißen Schafe und andere Nutztiere. Sollten sich auch Menschen fürchten? Darüber können Sie bei unserem zweiten Nordkurier-Talk mitdiskutieren.
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Die Rückkehr der Wölfe wird hitzig diskutiert.
Die Rückkehr der Wölfe wird hitzig diskutiert. Julian Stratenschulte
Neubrandenburg.

Der Wolf spaltet die Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen die Landwirte, in deren Beständen das Raubtier Jahr um Jahr mehr Schaden anrichtet. Auf der anderen Seite die Naturschützer, die sich darauf berufen, dass der Wolf seine angestammten Reviere früher auch in Westeuropa hatte und deshalb absoluten Schutz genießen muss.

Wie soll es mit dem Wolf weitergehen? Darüber können Sie bei unserem zweiten Nordkurier-Talk mitdiskutieren. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 8. Mai, um 18.30 Uhr im Medienhaus des Nordkurier in Neubrandenburg (Engelsring 29) statt. Neben Till Backhaus (SPD), dem Minister für Umwelt und Landwirtschaft in MV, haben Manfred Leberecht, Landwirt und Vizepräsident des Bauernverbandes MV, sowie Stefan Schwill, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes MV, als Diskussionsteilnehmer zugesagt. Die Moderation wird Jürgen Mladek, Chefredakteur des Nordkurier, übernehmen. Der Eintritt kostet 12,50 Euro. Aufgrund der begrenzten Platzzahl bitten wir um eine telefonische Anmeldung unter 0800 4575033.

Gefahr für den Menschen?

Doch wie steht es um die Gefahr für den Menschen? Erst im November des vergangenen Jahres wurde in Niedersachsen ein Mann in die Hand gebissen. Es sei ein Wolf gewesen, sagt er. Eine DNA-Analyse erbrachte dafür jedoch keinen Nachweis. „Wir können aber nicht ausschließen, dass ein Wolf in Betracht kommt”, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Experten sind weitgehend der Meinung, dass Angriffe auf Menschen sehr unwahrscheinlich sind, wenngleich sie nicht komplett ausgeschlossen werden können. „Wenn wir in die Länder schauen, wo der Wolf schon immer war, können wir beruhigt sein”, sagt Experte und Buchautor Frank Faß. "Übergriffe von Wölfen auf Menschen waren dort bisher extrem selten.” Faß leitet das Wolfcenter im niedersächsischen Dörverden. „Seit der Rückkehr der Tiere ist uns aus Deutschland keine einzige gefährliche Situation bekannt”, betont Nabu-Expertin Marie Neuwald.

 Wolfsattacken auf Menschen ausgewertet

Eine Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) aus dem Jahr 2002 hat dokumentierte Wolfsattacken auf Menschen ausgewertet. Zwischen 1950 und 2000 wurde demzufolge neun Menschen getötet. „Fünf der Wölfe waren tollwütig, bei den anderen Fällen wurden Kinder in Spanien zum Opfer”, erklärt Faß.

Insgesamt haben NINA-Forscher 59 Attacken in dem Zeitraum gefunden, 38 davon in Zusammenhang mit Tollwut. In Deutschland sind tollwütige Wölfen, die als besonders aggressiv gelten, nicht bekannt.

Die Buchautorin und Fachjournalistin Elli H. Radinger warnt vor Panikmache. Wolfseltern brächten ihrem Nachwuchs bei, was sichere Nahrung sei. „Wir bewegen uns anders, als ihre 'normale' Beute: Wir laufen selbstbewusst und vor allem aufrecht”, erklärt sie. „Auch Bären richten sich manchmal auf, und Wölfe meiden Bären.” Durch Tollwut seien Menschen früher angegriffen worden, bestätigt sie. „Allerdings ist diese Krankheit in Mitteleuropa längst ausgerottet.”

Skepsis beim Deutschen Jagdverband

Ein wenig skeptischer ist Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbands. „Der Wolf hat keine natürliche Scheu vor dem Menschen, er ist ein anpassungsfähiger Allesfresser”, betont er. Der Wolf müsse sich vom Menschen und den Nutztieren fernhalten, sonst klappe es nicht mit dem Zusammenleben.

„Erfahrungen aus Norwegen, Schweden oder Nordamerika helfen uns nur bedingt”, meint Reinwald. „Kein Land mit Wölfen ist so dicht besiedelt wie Deutschland”, betont er. „In drei Jahren wird sich der Wolfsbestand verdoppelt haben – wie es weitergeht mit Mensch und Wolf bleibt offen.”

 
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