Atomkraft

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Ist die Schmerzgrenze bei Strompreisen erreicht?

Derzeit kostet die Kilowattstunde (kWh) bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh 29,42 Cent.
Derzeit kostet die Kilowattstunde (kWh) bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh 29,42 Cent.
Ralf Hirschberger

Atomkraft hat in Deutschland traditionell einen schlechten Ruf. Doch laut einer Umfrage scheinen angesichts steigender Strompreise viele Menschen ihre Vorbehalte abzulegen.

Jahrzehntelang setzten sich in Deutschland Menschen vehement gegen Atomenergie ein. Die in den 70er Jahren entstandene Anti-Atomkraftbewegung verhinderte unter anderem den Bau oder die Inbetriebnahme von Kernkraftwerken, zuletzt hatte die Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 den Gegnern der Kernkraft Aufwind gegeben.

Doch der Widerstand scheint angesichts steigender Strompreise zu bröckeln. Derzeit kostet die Kilowattstunde (kWh) bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh 29,42 Cent (Stand Januar 2018). Damit ist offenbar die Schmerzgrenze vieler Verbraucher erreicht: Jeder Fünfte (20 Prozent) befürwortet laut einer bundesweiten Umfrage im Auftrag des Verbraucherportals Verivox das Festhalten an der Atomkraft, wenn dadurch der Strompreis sinkt.

Denn der hohe Preis ist unter anderem auf die Energiewende zurückzuführen. So macht die EEG-Umlage, die an Ökostrom-Produzenten geht, aktuell gut 23 Prozent des Strompreises aus. Knapp ein Viertel des Geldes wird für Netzentgelte fällig. Das trifft besonders die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo erneuerbare Energien für sehr hohe Netzentgelte und damit auch die höchsten Strompreise bundesweit sorgen.

Weitere Ergebnisse der Umfrage

  • Doch die Deutschen sind laut der Umfrage auch für andere Möglichkeiten, an der Preisschraube zu drehen, offen. So würde jeder Zweite (51 Prozent) für günstigeren Strom Abstriche beim Kundenservice in Kauf nehmen.
  • Gleichzeitig schauen sich 63 Prozent der befragten Stromkunden aber nach einem neuen Anbieter um, wenn der Kundenservice nicht stimmt.
  • Dabei empfindet es die Mehrheit (83 Prozent) als absolutes No-Go, wenn Preiserhöhungen und Vertragsänderungen in E-Mails, Werbebroschüren oder langen Texten versteckt werden.
  • 74 Prozent der Befragten ärgern sich, wenn sie unzureichend oder falsch informiert werden.
  • 70 Prozent der Stromkunden mögen es nicht, wenn Mitarbeiter sie unfreundlich behandeln.
  • Auch für lange Wartezeiten an der Telefonhotline haben 44 Prozent der Befragten kein Verständnis.

Die Umfragedaten wurden vom Marktforschungsinstitut eResult im Frühjahr 2018 online ermittelt. Befragt wurden 1.000 Personen im Alter von 18 bis 59 Jahren.

Kommentare (1)

Was für Probleme haben die Mehrheit der Deutschen mit Stromfirmen? Ich wechsle jedes Jahr pünktlich den Stromanbieter (in Wirklichkeit werde ich vom lokalen Stromanbieter beliefert, zahlen tue ich woanders). Ich brauche da weder anrufen noch Beratung geschweige Kundenservice. Wer Online an einer Umfrage teilnimmt wird hoffentlich blickig sein auch seine Stromverträge online abzuschliessen und richtig lesen.