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Ist die Stallpflicht eine staatlich verordnete Tierquälerei?

Heiko Lommatzsch entsorgt eine verendete Pommerngans und ein Huhn.
Heiko Lommatzsch entsorgt eine verendete Pommerngans und ein Huhn.
Ralph Sommer

Ist die wegen der Vogelgrippe verordnete Stallpflicht wirklich notwendig? Experten streiten darüber. Unterdessen sterben in den Ställen viele Tiere an den Folgen der monatelangen Enge.

Der Gang in den miefigen, dunklen Stall ist für Heiko Lommatzsch zur morgendlichen Tortur geworden. Nach zwölf Wochen behördlich angeordneter Stallpflicht vergeht inzwischen kaum noch ein Tag ohne Verluste. Heute hat es eine stattliche weiße Pommerngans erwischt. Von ihren Artgenossen zu Tode gepickt, liegt das Zuchttier auf dem schmutzigen Stroh. Auch eine Amrock-Henne ist den ständigen Schnabelattacken der gestressten Vögel erlegen.

Seit der mit zahlreichen Zuchtpreisen geehrte Rassegeflügelhalter Mitte November in Garz auf Rügen sein Geflügel vom zwei Hektar großen Freiland in den Stall treiben musste, hat sich der Bestand arg reduziert. Von einst weit über 200 Federtieren sind inzwischen 40 verendet. Nicht etwa an Vogelgrippe, sagt er, sondern an Entkräftung, Federnpicken, Kannibalismus oder Vitaminmangel.

Mittlerweile beziffert der Tierliebhaber den Verlust auf mehrere Tausend Euro. Hinzu kommen weitere Ausgaben, denn zum Ausgleich für die verlorengegangene Freilandhaltung muss er seinen Vögeln nun zusätzliches Mineralfutter, täglich 50 Kilogramm Weizen und sechs Kilo Äpfel zufüttern.

Global vermarktetes Futtermittel

„Keine fünf Wochen mehr werden die Vögel die Aufstallung noch aushalten“, schätzt er. „Was wir hier erleben, ist staatlich verordnete Tierquälerei“, empört sich Lommatzsch.

Während das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die Verbreitung des Erregers über Zugvögel aus Südsibirien für wahrscheinlich hält, eindeutige Einschleppungswege aber bislang nicht feststellen konnte, hat der Münchener Ökologie-Professor Josef Reichholf eine ganz andere Theorie.

Er geht umgekehrt davon aus, dass die Wildvögel aus Geflügelhaltungen infiziert wurden. Er glaube nicht, dass infizierte Schwäne oder Tauchenten Zutritt zu geschlossenen Hühnerfarmen haben, und auch nicht, dass der Erreger über die Gummistiefel der Betreiber in die Ställe gelangen, sagt er. Als Hauptgefahr sieht er die global vermarkteten Futtermittel. Nach Reichholfs Theorie werden die Wildvögel eher über Geflügelmist und Gülle angesteckt, die im Spätherbst auf die Felder ausgebracht werden. Die Stallpflicht sei schädlich, sagt der Wissenschaftler, sie sei „nichts anderes als hilfloser Aktionismus“.

Kommentare (9)

Vielen Dank, dass Sie in Ihrem Bericht auch die "Kleinen" zu Wort kommen lassen. Seit mehr als 10 Jahren verbreitet das FLI nun seine unbewiesene Zugvogelthese und läßt aufgrund seiner "Risikobewertung" alle Geflügelbestände aufstallen die sich in der Umgebung eines toten Wildvogels befinden. Irgendwie wird dann H5N? festgestellt (alle Jahre wieder), Sperrbezirk ausrufen fertig, ob das die Todesursache war bleibt offen. Kann ja auch naturgemäß im Winter eine natürliche Auslese durch Hunger sein. Interessant war das Jahr 2015, da kamen die Flüchtlinge und keine Vogelgrippe, wollten da die Zugvögel nicht ziehen weil die Presse und Ministerien anderweitig beschäftigt waren?

Experten sind uneins, steht da. ja aber wo sind sie denn uneins? Die einen wiederholen nur immer eine Theorie zur Verbreitung der Vogelgrippe, die auch wenn man sie nochmals 10 Jahre wie ein Mantra runterbetet nicht an Glaubwürdigkeit gewinnt, die anderen sind vielleicht die, die keine Fördergelder dafür kassieren, dass sie die Augen vor Offensichtlichem verschließen. Das ist keine Uneinigkeit, das ist meiner bescheidenen Meinung nach einfach eine Facette des uralten Spruches: "Wes Brot ich ess..." Und wo herrscht da Uneinigkeit bezüglich der Stallpflicht? Die von Friedrich Löffler Institut haben da anscheinend gar keine Meinung oder sind vielleicht von Haus aus dazu vergattert, nur Geflügelhaltungen unter Dach als artgerecht und tierschutzgerecht einzustufen. Zumindest konnte ich noch keine Stellungnahme zur absoluten Überreaktion der Politik auf entsprechende Empfehlungen des FLI lesen. Prof. Reichholfs dagegen hat eine Meinung, eine fundierte und sicher wohbegründete, die sagt er auch, aber es wird nichts nützen, (Achtung, Ironie an:) denn schließlich hat das FLI seit 10 Jahren Unsummen von staatlichen Fördergeldern für die Erforschung dieser für die weltweiten Geschäfte der Geflügelwoirtschaft so unfassbar gefährlichen Seuche eingesteckt, und wurde und wird jnach wie vor aus eben dieser Ecke üppig mitfinanziert, da hat es sich die alleinige Deutungshoheit zum gegenwärtigen Seuchengeschehen wohl redlich verdient.Alle anderen können da gar nicht mitreden.

Wohlbegründet ist Reichholfs Theorie nicht. Ich habe auch eine Meinung, ob sie was nützt, ich bin nicht so vermessen. Der hohe Verbrauch an Futtermitteln und der daraus resultierende "Mist" der Zuchttiere mag kosmische Ausmaße annehmen. Mittlerweile sind ca. 7 Milliarden Menschen zu ernähren. Dies geht nicht mit mittelalterlicher Landwirtschaft bzw. Tierhaltung. Gibt es kurzfristige Zauberformeln - ich begrüße diese gern.

Mein Gott, was sind sie ignorant! Wie können Sie es wagen, als einzige Alternative zur tierquälerischen, seuchenverursachenden Massentierhaltung im derzeit üblichen Stil, die Tierhaltung im Mittelalter zu zitieren? Das, was aus den Virenschleudern herauskommt ist absolut minderwertiges Vieh, die Schlachtkörper werden hernach mit Wasser-Zugabe beim Gefrieren "auf Gewicht" gebracht und dann verramscht! Wozu? Damit das "Kosmische Ausmass des Mistes als nächstes unsere Felder überdüngt, oder unser Grundwasser ungeniesbar macht? Damit die Gross-Viren-Schleudern möglichst bald den Erreger produzieren, gegen den die wirksamen Arzneien bei der Turbomast bereits verbraucht wurden? Prof.Reicholf hat wohl Ihrer Meiniung nach seinen Titel in der Lotterie gewonnen. Was für ein dämlicher Kommentar!

... konnten Sie keine eigenen Alternativen oder welche von Prof. Reichholf nennen. Ich hatte darum gebeten. Mich ignorant zu nennen ist völlig daneben.

ich möchte noch hinzufügen, nicht das ich meine, die Wissenschaftler, Virologen etc , vom FLI hätten keine Ahnung, wären unqualifiziert, --- NEIN --- es ist die Leitung des Instituts, das wahrscheinlich derart im Filz der Geflügelwirtschaft verstrickt ist, dass sie nicht mehr wissenschaftlich arbeiten lassen, sondern Zielgerichtet --> auf die Geflügelindustrie, die sie schliesslich schmiert, wie es nur noch vergleichbar ist mit dem skandalösen Verhalten des Bundesgesundheitsamtes im Fall "Schering, Gynodyne" vor 20 Jahren. Hier bedarf es endlich einer deutschen "Anti-Korruptions-Behörde". Anders ist die jahrzehnte-lange Unfähigkeit dieses FLI nicht mehr zu stoppen!

für mich ist feststellbar, so lange die Industrie ihre "Produkte§ aus den Mastanlagen gewinnbringend unter das Volk bringen kann, werden wir Bürger immer geduckter durch unser Leben gehen. Mir hat man Rückkrat beigebracht. Auch ich habe privat Gänse, Enten und Hühner. Immer wieder ist auffällig, dass nur in großen Mastbetrieben diese Erreger festgestellt werden. Dann sind es gleich Tausende Tiere die gekeult werden müssen...angeblich gekeult...Wir kleinen Züchter und Nutzviehhalter haben keine -durch krankheit bedingte- Ausfälle. Irgendwie komisch das es immer nur vereinzelte Wildtiere sind, die angeblich gefunden und untersucht wurden. Gleichfalls wird immer der gleiche Erreger gefunden. Ich für meinen Teil, habe keinen Bock mehr auf das Gefasel der selbstherrlichen Obrigkeit. Mich interessiert dieses "Gebot" nicht und meinem Geflügel geht es, seit der Feststellung dieses Virus, sehr gut. Mögen unsere Herrschaften weiter diesen Mastfraß zu Tisch bringen...aber die Obrigkeit kauft ja eh nur beim Bauern nebenan und die sind resistent gegen alle Erreger. Gottlob bin ich in der Lage meine gefiederten Freunde und Freundinnen gesund zu halten, gesund zu ernähren da sie mich, mit ihrem Fleisch ebenfalls gesund halten. Übrigens...Ein Gebot ist eine verbindliche Anweisung, die als positives Gebot oder als negatives Gebot, also als Verbot, gefasst sein kann. Gebote sind allgemein nicht einfach Gesetze, da nicht jedem Gebot auch Gesetzeskraft innewohnt oder zugeschrieben wird...bei mir ist alles positiv und Gesetzesfrei...

Warum bin ich nicht berechtigt Kommentare zu schreiben Ich habe diese Woche bereits 2 Kommentare geschrieben

Ziel ist es den kleinen Geflügelhalter zum aufgeben zu zwingen. Da wird eine Pressemitteilung gemacht in der angekündigt wurde die Stallpflicht zu lockern, ohne genaueres zu sagen. Mit dem Ziel, dass möglichst viele Geflügelhalter anrufen was es damit auf sich hat. Jetzt hat man festgestellt dass noch viele Geflügelhalter nicht aufgegeben haben. Also wird alles wiederrufen und die Stallpflicht aufrecht erhalten. Jetzt geht man sogar soweit, dass gesagt wird das eventuell ständige Stallpflicht bestehen wird. Eine Massnahme der Obrigkeit der Geflügelindustrie und der Politik. Man sollte gefälligst sein Eier und Geflügelfleisch Bedarf im Discounter decken