SEUCHENSCHUTZ

Raben und Krähen zum Abschuss freigegeben

Die Afrikanische Schweinepest erfordert nach Ansicht von Experten auch unpopuläre Entscheidungen. Im Nordosten sollen Aasfresser gejagt werden, um ein Einschleppen der Seuche zu verhindern.
dpa
Aasfressende Vögel und Raubtiere sollen laut dem Landesumweltministerioum geschossen werden.
Aasfressende Vögel und Raubtiere sollen laut dem Landesumweltministerioum geschossen werden. Bernd Wüstneck
Linstow ·

Im Kampf gegen die drohende Afrikanische Schweinepest sollen im Nordosten Deutschlands auch Nebelkrähen, Raben, Elstern sowie Raubtiere in Großschutzgebieten gejagt werden. Das kündigte Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) am Sonnabend auf der Jahrestagung des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Linstow (Landkreis Rostock) an. Grund sei, dass die bisher nicht in die Jagd einbezogenen Vögel als Aasfresser auch tote Tiere aufnehmen und damit die Seuche ausbreiten könnten. Eine Entscheidung, die vom Landesjagdverband begrüßt wurde.

Übertragung der Seuche vermeiden

Außerdem forderte Backhaus die Jäger auf, noch stärker Wildschweine vor allem an der Grenze zu jagen. "Die Seuche ist bereits in Polen, der Weg ist nicht mehr weit", warnte Backhaus. Er forderte alle Jäger auf, Jagdreisen nach Litauen, Ostpolen und Weißrussland abzusagen. Das Hauptziel müsse sein, eine Übertragung der Seuche auf Nutztiere zu vermeiden. Beispielsweise der letzte Seuchenzug der klassischen Schweinepest habe in den Niederlanden einen wirtschaftlichen Schaden von 2,3 Milliarden Euro verursacht.

Mehr Rot-und Damwild schießen

Die Bejagung betreffe auch andere Tiere in Großschutzgebieten, stellte Backhaus klar. Dazu gehörten Waschbären und Füchse, die in den Nationalparken bisher nicht gejagt werden dürfen. Trotz einer Rekordjagdstrecke von 142 000 Tieren - darunter 65 000 Wildschweine und 57 000 Rehe - forderte der Minister Jäger und Landwirte auf, noch mehr Rot- und Damwild zu schießen. Die Bauern müssten dafür deutlich mehr Jagdschneisen auf Mais-, Getreide- und Rapsfeldern vorbereiten. Der Landesjagdverband hat nach eigenen Angaben rund 11 000 Jäger und sei damit einer der größten Naturschutzverbände im Nordosten.

Für Wild- und Hauschweine ist das Virus der Afrikanischen Schweinepest, die im Januar in Litauen und im Februar in Polen auftrat, hochgefährlich. Bislang gibt es keinen Impfstoff. Bei einer Einschleppung in einen Schweinebestand müssten die betroffenen Tiere gekeult werden, es drohten massive Handelsprobleme. Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich.

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Kommentare (1)

Auch unpopuläre Entscheidungen müssen in Gänze durchgezogen werden, damit sie die gewünschte Wirkung erzielen, den ungestörten Genuss von toten Tieren aus der modernen Massenproduktion.