NATURKATASTROPHE

Jahrtausend-Tornado entwurzelte sogar Eichenstümpfe

Tote Gänse, abgerissene Häuser und entwurzelte Bäume: Im Raum Feldberg, Woldegk und Strasburg spielte sich vor 257 Jahren ein gewaltiges Naturereignis ab. Tschechien und Belgien zeigen, dass sich so etwas jederzeit wiederholen kann.
Diese und andere Skizzen hat Gottlob Genzmer nach dem Tornado gezeichnet.
Diese und andere Skizzen hat Gottlob Genzmer nach dem Tornado gezeichnet. NK-Archiv
In Bützow richtete ein Tornado im Jahr 2015 verheerende Schäden an.
In Bützow richtete ein Tornado im Jahr 2015 verheerende Schäden an. Hein-Godehart Petschulat
Feldberg ·

Zerstörte Wälder, abgerissene Häuser, meterhohe Wellen und tote Gänse: Am Dienstag vor 257 Jahren muss sich im Raum Feldberg, Woldegk und Strasburg ein Höllenszenario abgespielt haben – ein Jahrtausend-Tornado. Wetterbeobachter bezeichnen das Unwetter am 29. Juni 1764 als den heftigsten Tornado, den es jemals in Deutschland gegeben hat.

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Der Feldberger Heimatkundler Frank Schütze weiß einiges über die Naturkatastrophe zu berichten. Einem Pastor namens Gottlob Burchard Genzmer sei es zu verdanken, dass der Sturm bis heute unvergessen ist. Der nämlich begab sich nach Feldberg und Woldegk, dokumentierte die Schäden, schrieb und zeichnete sogar und hielt alles für die Nachwelt fest. Der Sturm hinterließ eine 30 Kilometer lange und 900 Meter breite Schneise der Verwüstung. Scheunen, Bäume und Pferdewagen sollen durch die Luft geflogen sein, beschrieb der Kirchenmann aus Stargard. Selbst Findlinge seien versetzt worden. „Und Boote wurden an Land geschleudert”, fügt Frank Schütze hinzu. Walnussbäume seien ausgerissen, Eichenstümpfe aus dem Boden gerissen und Kinder in den See geschleudert worden.

Am Kirchberg ging es los

Wie durch ein Wunder kam wohl kein Mensch ums Leben. „Das lag wohl daran, weil die Gegend damals noch dünner besiedelt war als heute”, sagt Frank Schütze. Außerdem sei es ein Feiertag gewesen, die Leute in den Häusern und nicht auf den Feldern. Am Kirchberg in Feldberg sei die Windhose am frühen Nachmittag entstanden. Dort hätten Kinder gerade Gänse gehütet. Von faustgroßen Hagelkörnern sei das Federvieh erschlagen worden. Ein Gottesdienst sei gegen 13 Uhr zu Ende gegangen und ein Besucher von einem umherfliegenden Teil getroffen worden. Ein Balken eines Fachwerkhauses sei 120 Schritte weit geflogen. Ein herabstürzender Ast erwischte einen Jungen, berichtet Frank Schütze.

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Überlieferungen, wonach sogar Kühe durch die Luft flogen, gehören wohl in den Bereich der Fabelwelt, aber Schinken und Speck aus demolierten Vorratskammern war durchaus in der Luft, schrieb Gottlob Genzmer. Einzelne Zweige und Äste seien bis nach Anklam getragen worden. Die seien sogar mit einer Eisschicht überzogen gewesen. Dann sei der Wirbelsturm über Wendorf, Woldegk, Helpt und die Brohmer Berge Richtung Stettin abgezogen. Nach der heutigen sechsstelligen Richtskala wird die Woldegker Windhose als F5, was so viel wie verheerend bedeutet, eingestuft.

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Bis auf die Aufzeichnungen des Pastors erinnert heute nichts mehr an das Jahrhundertereignis. „Bei Triepkendorf in der Feldberger Seenlandschaft gab es im Jahr 2002 nochmal einen kleineren Tornado. Der hat ein ganzes Waldstück zerstört. Das ist heute auch schon wieder zugewachsen. Das geht so schnell”, so Frank Schütze

Dass sich solche Naturkatastrophen jederzeit wiederholen können, mussten im Jahr 2015 die Menschen in Bützow im Landkreis Rostock erleben. Dort verwüstete ein Tornado Teile der Stadt und richtete einen Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro an. In Tschechien forderte ein Tornado erst am 24. Juni Menschenleben. In Belgien richtete einer am 27. Juni verheerende Schäden an.

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Kommentare (3)

Klimawandel.

Es gab schon vor 257 Jahren in Mecklenburg Natur (Klima, Wetter)? Die kilometerdicken Eismassen der Eiszeit, die über Mecklenburg hinwegrollten, waren dann auch eine Naturkatastrophe. Vulkanausbrüche, Erdbeben, warme Sommer, kalte Winter, die Erdplattenverschiebung, Permafrostboden, Heuschreckenschwärme, Saharawinde u.v.m. - alles "Naturkatastrophen".

Das Klima wird sich noch ändern wenn die Menschen längst ausgestorben sind oder sich in den Weltraum verdünnisiert haben. Leider wollen Menschen immer den Status Quo beibehalten was natürlich völlig Unmöglich ist. Nur Idioten meinen sich den Naturgesetzen entgegen setzen zu können und fallen damit regelmäßig auf die Nase.