Jan-Uwe Dahnke vom Caravan-Center Dahnke in Stralsund zeigt eine Alarmanlage für Wohnmobile. Deren Diebstahl-Häufigk
Jan-Uwe Dahnke vom Caravan-Center Dahnke in Stralsund zeigt eine Alarmanlage für Wohnmobile. Deren Diebstahl-Häufigkeit hat zuletzt stark zugenommen. Stefan Sauer
Diebstahl-Serie

Jedes geklaute Wohnmobil ist ein geplatzter Freiheits-Traum

Wohnmobile versprechen die ganz große Reisefreiheit – umso schmerzlicher ist dann ein Diebstahl. Doch die könnten weiter zunehmen. Den perfekten Schutz gibt es nicht.
dpa
Stralsund

Gasflaschen gefüllt, Klamotten eingepackt – urlaubsfertig sei sein Wohnmobil gewesen, erklärt Hans Tanz. Geparkt hatte der Stralsunder Kameramann seinen Camper vor der eigenen Firma nahe des Hafens der Hansestadt. „Mitten in der Altstadt.“ Als er aber Ende August zu Fuß zur Arbeit ging, der Schock: „Ja, dann war er weg.“

„Die haben mir ein Stück Freiheit geklaut”

Für Tanz war das nicht einfach der Verlust eines Fahrzeugs. „Die haben mir kein Auto geklaut. Die haben mir ein Stück Freiheit geklaut.“ Er sei damit dienstlich viel unterwegs gewesen und habe darin halb gewohnt, weil er Hotels mit der Zeit überdrüssig geworden sei.

So ähnlich wie Tanz dürfte es in diesem Jahr besonders vielen Menschen gegangen sein. Das Landeskriminalamt registrierte im abgelaufenen Jahr einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Diebstähle. Den Angaben zufolge wurden bis Mitte Dezember 31 Diebstähle oder versuchte Diebstähle von Wohnwagen, aber vor allem Wohnmobilen im Nordosten registriert. Demnach waren es im Jahr zuvor 8, 2019 22 und 2018 6 entsprechende Diebstähle. Der Raum Stralsund sei neben Rostock und Greifswald ein Schwerpunkt.

Knapp eine Million Euro Schaden allein 2021 in MV

„Es ist sehr ärgerlich, wenn unseren Kunden die Fahrzeuge gestohlen werden“, sagt Jan-Uwe Dahnke vom Caravan-Center Dahnke in Stralsund. Es sei nicht schön, weinende Kunden im Büro sitzen zu haben, weil ihnen ein Fahrzeug im Wert von 50 000 oder 70 000 Euro geklaut wurde. Die Schadenssumme für das abgelaufene Jahr gibt das LKA mit 992 000 Euro an. Im Jahr davor waren es demnach 646 900 Euro.

„Es ist nicht immer sicher, ob man alles von der Versicherung wiederbekommt“, sagt Dahnke. Die Diebstähle seien durchaus geschäftsschädigend. „Für uns ist das Problem, dass viele Kunden dann sagen, ja, sie wollen überhaupt gar nicht mehr dem Hobby nachgehen.“

Aktuell sind Camper völlig überteuert – wegen der Nachfrage

Tanz will sich wieder ein Wohnmobil besorgen. Hoffnung, seinen gestohlenen Camper wiederzusehen, hat er nicht mehr. Einmal habe ihn die Polizei angerufen, weil in Polen ein Fahrzeug aufgetaucht sei. „Nach der zweiten Frage war schon klar, dass er das nicht ist.“ Der Camper sei fünf Jahre alt und gerade eingefahren gewesen. Selbst wenn er den Kaufpreis von 41 000 Euro von der Versicherung erstattet bekommt, werde es schwierig. „Der Markt ist komplett leer und vor allem gerade völlig überteuert.“

Das LKA geht davon aus, dass die gewachsene Nachfrage nach Wohnmobilen in der Corona-Pandemie und die entsprechende Marktsituation eine Rolle beim Trend zu mehr Diebstählen spielen. Für Vorpommern wurden die Ermittlungen in der Kriminalpolizeiinspektion Anklam gebündelt. Laut zuständigem Polizeipräsidium Neubrandenburg werden die Wohnmobile überwiegend nachts gestohlen. „Fast immer sind es die Wohnmobile von Einheimischen.“

Stecken professionelle Banden hinter den Diebstählen?

Es gebe den Verdacht, dass es Diebstähle von professionellen Banden seien. Die Täter gingen vermutlich gezielt und mit entsprechender Technik vor. Laut LKA werden viele Fahrzeuge wahrscheinlich unmittelbar nach dem Diebstahl zunächst nach Osteuropa, überwiegend Polen, verschoben. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums in Neubrandenburg erklärte: „Die gestohlenen Wohnmobile werden sehr wahrscheinlich mit gefälschten Papieren und leichten Veränderungen wiederverkauft“ – zum Beispiel im Internet.

Käufer müssten daher damit rechnen, dass ihr Wohnmobil eingezogen wird, auch wenn sie nichts von einem Diebstahl wissen. Man rate davon ab, Fahrzeuge „auf der grünen Wiese“ womöglich noch per Handschlag zu kaufen.

Das Wohnmobil mit einem GPS-Ortungssender ausstatten

Sein Wohnmobil komplett vor Diebstahl zu sichern, sei schwierig. „Es gibt nicht den ultimativen Weg“, heißt es vom Polizeipräsidium. Wenn möglich, sollte das Fahrzeug auch während der Saison auf einem abgeschlossenen Parkplatz oder in einer Garage abgestellt werden. Dahnke kennt weitere Möglichkeiten, um einen erfolgreichen Diebstahl zu erschweren: Ortungssender, Lenkrad- und Radkrallen, Totschalter, Alarmanlagen zusätzlich zu den ab Werk verbauten. „Es sind schon mehr Kunden, die dann gesagt haben, bau uns das ein.“ Aber auch da werde es schon schwierig. Wegen Lieferengpässen sei es mitunter gar nicht möglich entsprechende Teile zu besorgen.

Man hoffe, dass sich der Trend nicht fortsetzt. Das LKA ist allerdings mit Blick auf die gestiegene Nachfrage und die aktuelle Marktsituation pessimistisch: „Basierend auf diesen Umständen ist auch im kommenden Jahr mit steigenden Fallzahlen in diesem Deliktsbereich zu rechnen.“

zur Homepage