DOPPELTES DESASTER

Jetzt ist die A20 komplett abgesackt

Seit Herbst klafft ein Loch in der A20 bei Tribsees, das immer größer wurde. Nun ist die gegenüberliegende Fahrbahn Richtung Stettin eingestürzt.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Der neue Krater entspricht der Größe des vorigen.
Der neue Krater entspricht der Größe des vorigen. Stefan Tretropp
Beide Fahrbahnen sind nebeneinander abgesackt.
Beide Fahrbahnen sind nebeneinander abgesackt. Stefan Tretropp
Tribsees.

Das A20-Fiasko ist komplett. Am Montagmorgen ist bei Tribsees auch die andere Hälfte der Autobahn abgesackt. Für den Verkehr hat das keine Auswirkungen, der Abschnitt war ohnehin schon gesperrt.

Die Fahrbahn der A20 bei Tribsees in Richtung Lübeck war im Herbst vergangenen Jahres abgesackt. Seitdem ist der Krater immer größer geworden. Von ursprünglich 40 Metern wuchs das Loch auf rund 95 Meter Länge an. Jetzt stürzte direkt nebenan die Fahrbahn in Richtung Stettin ein, wie auf Bildern von Montagvormittag zu sehen ist. Leitplanken und Fahrbahndecke sind mehrere Meter ins Moor gerutscht.

Beide Fahrbahnen sind nebeneinander abgesackt.

Das Schweriner Verkehrsministerium hatte bereits mit dem weiteren Einsturz gerechnet, wie es auf Nachfrage hieß. Da die Autobahn an dieser Stelle durch den ersten Absturz so instabil war, sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis auch die andere Seite nachgibt, hieß es. Am Montag stellten Behördenmitarbeiter vor der zerstörten Gegenfahrbahn Absperrungen auf. 

Der Grund für das Desaster ist eine große Torflinse unter der Autobahn. Was genau im Boden geschehen ist, ist weiter unklar. Spekuliert wird, ob etwa zu schwache Stützen verwendet wurden oder ob beim Bau schlicht falsch kalkuliert wurde.

Ministerium warnt: Niemand darf Stelle betreten

Offenbar lockt die Autobahn trotz einer Absperrung immer wieder Schaulustige an. Das Innenministerium sah sich daher am Montag zu folgender Warnung gezwungen: "Wir möchten eindringlich vor dem unbefugten Betreten dieses gesperrten Autobahnabschnittes warnen. In diesem Bereich ist mit weiteren plötzlichen Absackungen zu rechnen." Laut einer Sprecherin bestehe Gefahr für Leib und Leben. Die Absperrungen und Hinweisschilder an der Stelle sollten demnach zwingend beachtet werden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Tribsees

zur Homepage

Kommentare (1)

Das schlägt dem Fass den Boden aus!
Es ist kaum zu glauben: Drei Jahre veranschlagen die Straßenbauexperten in Mecklenburg-Vorpommern, um einen ca. 100 m/800m umfassenden Autobahnabschnitt der A 20 bei Tribsees zu reparieren respektive instand zu setzen. Erst für himmelschreienden Pfusch am Bau Sorge tragen, dann nicht in der Lage sein, die Ursachen für das Straßenbaudesaster herauszufinden und anschließend noch eine überdimensionierte Planungsphase von drei Jahren für 100 m avisieren. Es stinkt einfach zum Himmel in diesem Bauskandal! Langsam wird es wohl in Deutschland zum System, aus Großbauaufträgen ein Maximum an „Kries und Schotter“ rauszuholen. Stuttgart 21 und der BER lassen grüßen. Um sich die Dimensionen im Baugeschehen von drei Jahren einmal zu verdeutlichen: In drei Jahren wurde von 1893 bis 1896 in Russland vor über 120 Jahren der 1920 km umfassende Bauabschnitt der Transsibirischen Eisenbahn von Tscheljabinsk bis Krasnodar fertiggestellt. Da wurden Wälder gerodelt, Sümpfe trocken gelegt und Brücken errichtet. In den USA wurde von 1863 bis 1869 der Pacific Railroad, der den Osten des Landes mit dem Westen dieser Trasse verband, fertiggestellt. Hier musste auch Wildnis erschlossen und Brücken gebaut werden. Keiner kann einem weiß machen, dass man ingenieurbautechnisch und bauplanerisch für den Bauabschnitt von 100 m/800m der A 20 zur Reparatur bzw. Instandsetzung drei Jahre veranschlagen muss! Es wird wohl eher so sein, dass sich einige Planungsbüros dort dick und dämlich verdienen wollen, anders ist der ganze Skandal nicht zu erklären. Oder wir haben nur noch Bau-Ingenieure in Nadelstreifen mit großer Fresse und nichts dahinter – dies wäre allerdings auch eine durchaus plausible Erklärung!
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen