CORONA-KRISE

Jetzt spielt auch MV seine Macht aus

Zu Beginn der Corona-Krise führte Angela Merkel in TV-Ansprachen das Wort. Doch nun scheint es, als habe die Politik vor Ort das Kommando übernommen. Das zeigt auch ein Beispiel aus MV.
Das Schweriner Schloss: die neue Zentrale der Macht?
Das Schweriner Schloss: die neue Zentrale der Macht? Jens Büttner
Schwerin.

Die Symbolkraft könnte nicht größer sein. Am Mittwochnachmittag trafen in der Staatskanzlei in Schwerin Vertreter von Innen, Sozial- und Gesundheitsministerium mit Verantwortlichen von Hansa Rostock zusammen. Thema: Wie kann es gelingen, dass der Drittligist in zwei Wochen zum Saisonstart wieder vor Zuschauern spielen kann? Trotz Corona-Krise.

Nun, der Verein hat ein Hygienekonzept entwickelt, das aus seiner Sicht geeignet sei, mehrere Tausend Zuschauer wieder ins Ostseestadion zu lassen. Die Zahl von 5000 Fans macht die Runde – Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) selbst hatte dies am Dienstag nicht ausgeschlossen. Eine Entscheidung soll nächste Woche fallen.

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Doch warum treffen sich Politik und Sport jetzt in Schwerin, wo doch die große Elefantenrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den 16 Regierungschefs der Länder erst am vergangenen Donnerstag in einem gemeinsamen Papier vereinbart hatte, dass „zum einheitlichen Umgang mit Zuschauern bei bundesweiten Sportveranstaltungen eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien eingesetzt wird, die bis Ende Oktober einen Vorschlag vorlegen soll“.

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Kein zweiter Lockdown?

Ein bundesweit geltender Vorschlag erst ab Ende Oktober, aber in der Realität bereits Mitte September Spiele mit Zuschauern – wie passt das zusammen? Warum entscheidet das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig in dieser Woche, dass der dort heimische Profiklub RB zum Saisonstart der Bundesliga am 18. September vor 8400 Fans kicken darf? Wird die Führungsspitze der deutschen Politik gerade von örtlichen Entscheidungsträgern entmachtet?

 

Aus der Staatskanzlei in Schwerin gibt es dazu den salomonischen Hinweis, dass man sich beim MV-Gipfel zwei Tage vor der Elefantenrunde in Berlin bereits in die Richtung bewegt hätte, Zuschauer – bei einem entsprechenden Hygieneschutzkonzept – durchaus ins Stadion zu lassen. Politiker aus der Landeshauptstadt sprechen diesbezüglich von einer „eher unübersichtlichen Gemengelage“. Um in der Fußballersprache zu bleiben: Auf dem Spielfeld ist offenbar der Schiedsrichter abhanden gekommen.

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Spahn: Mit dem Wissen von heute keinen Einzelhandel mehr schließen

Vielleicht aber hat sich der Schiedsrichter in Form der Bundeskanzlerin respektive der Bundesregierung auch aufgrund des Drucks, der von örtlichen Entscheidungsträgern und demonstrationsbereiten Bürgern ausgeübt wird, in die Kabinen zurückgezogen. Vielleicht hat man im Regierungsviertel in der Bundeshauptstadt zu Beginn der Corona-Krise Entscheidungen getroffen, die man heute nicht mehr treffen würde.

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Explizit in diese Richtung hat sich jetzt beispielsweise kein geringerer als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geäußert. Am Rande eines Termin in Nordrhein-Westfalen ließ Spahn verlauten: „Man würde mit dem Wissen von heute keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren. Wir werden nicht noch mal Besuchsverbote brauchen in den Pflegeeinrichtungen.“ Mit anderen Worten: Mit dem heutigen Wissensstand wäre der Lockdown im Frühjahr so nicht verhängt worden.

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Ein Eingeständnis des Bundes, das die lokale Ebene stärkt – Beispiel Hansa. Aber auch nur so lange, wie das Infektionsgeschehen in MV niedrig bleibt.

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