Landesbeauftragte

Kaum Belege für Kindsentziehung durch Stasi

Dass Kinder zu DDR-Zeiten nach der Geburt für tot erklärt und dann zur Adoption freigegeben wurden, ist laut der Beauftragten für die Stasi-Unterlagen nicht belegt. Eine Mutter auf Rügen wird wohl dennoch weiter um die Exhumierung ihres Kindes kämpfen.
dpa
Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Anne Drescher
Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Anne Drescher Jens Büttner
Schwerin

In der Diskussion um Zwangsadoptionen und Kindesentziehungen in der DDR hat die Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Anne Drescher, für mehr Sachlichkeit ausgesprochen. Es gebe keine Belege für tausende Fälle, in denen Menschen aus politischen Gründen Kinder weggenommen und zur Adoption freigegeben worden seien, sagte sie am Dienstag in Schwerin.

Eine Mutter auf Rügen vermutet jedoch, dass ihr und ihrer dreijärigen Tochter genau das widerfahren ist. Sie kämpft seit einiger Zeit für die Exhumierung ihrer vor 40 Jahren verstorbenen Juliane. Im Dezember 1977 starb das Kind angeblich in der Badewanne ihrer Großeltern. Ihre Mutter erfuhr erst später davon und bekam das Mädchen danach nie mehr zu Gesicht.

Einer Studie zufolge sind sieben Einzelfälle von Zwangsadoptionen belegt. Dass Kinder nach der Geburt für tot erklärt und dann zur Adoption freigegeben wurden, „das ist in keinem Fall belegt”, sagte Drescher. Es häuften sich aber die Anfragen an ihre Dienststelle. Da diese mit den Nachforschungen überfordert sei, berief sie für Mittwoch eine Fachtagung für Therapeuten, Ärzte und Mitarbeiter von Jugendämtern ein.

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