SEIT 100 JAHREN

Erste Kegelrobbe in MV geboren

Das Robbenbaby soll nach der Geburt noch gelebt haben. Doch bei Kap Arkona wurde es tot gefunden. Es soll einem anderen Raubtier zum Opfer gefallen sein.
dpa
An der deutschen Ostseeküste soll es noch 100 Kegelrobben geben. (Symbolbild)
An der deutschen Ostseeküste soll es noch 100 Kegelrobben geben. (Symbolbild) Daniel Reinhardt
Stralsund ·

Forscher sprechen von einer Sensation: An der deutschen Ostseeküste ist die erste Kegelrobbengeburt seit mehr als 100 Jahren nachgewiesen worden. Ein Robbenbaby, an dem noch ein Rest der frischen Nabelschnur hing, sei tot bei Kap Arkona im Norden von Rügen gefunden worden, teilte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund am Freitag mit. Das Tier habe nach der Geburt gelebt, das habe die Sektion ergeben.

„Das Jungtier muss kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt oder verlassen worden sein, denn es hatte noch keine Nahrung zu sich genommen”, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Schon seit einigen Jahren hätten Experten auf die erste dokumentierte Kegelrobbengeburt in MV gewartet.

Möglicherweise sei das Robbenbaby an Land einem Raubtier zum Opfer gefallen, das ließen Bissspuren vermuten. Das Jungtier war 108 Zentimeter lang und wog 12,9 Kilogramm.

Kegelrobben war akkut vom Aussterben bedroht

In der Ostsee gab es um 1900 etwa 100.000 Kegelrobben. Zwanzig Jahre später sei die letzte Kegelrobbe in der deutschen Ostsee erlegt worden, sagte Benke. Die Tiere wurden gejagt, weil Fischer um ihre Fangerträge fürchteten. In den 1980er-Jahren ließen Umweltgifte die Zahl der Tiere in der gesamten Ostsee auf 2500 schrumpfen. Damals sei die Ostseekegelrobbe akut vom Aussterben bedroht gewesen.

Seit etwa 15 Jahren wandert sie aufgrund des Populationsdrucks in Schweden und Finnland sowie der verbesserten Umweltbedingungen an die deutsche Ostseeküste zurück. Der Bestand wird hier inzwischen auf 100 Tiere geschätzt, rund 50 Tiere sollen allein im Greifswalder Bodden leben.

In dem Gewässer zwischen den Inseln Rügen und Usedom wurden im Herbst 23 Robbenkadaver entdeckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob die geschützten Tiere möglicherweise ertränkt wurden.

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