Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat eingeräumt, dass ein Öl-Embargo für den Nordosten erhe
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat eingeräumt, dass ein Öl-Embargo für den Nordosten erhebliche Folgen haben könnte. Es dürfte aktuell schwierig sein, die Versorgung ohne die Raffinerie Schwedt aufrecht zu erhalten. Marcin Bielecki
Der russische Energiekonzern Rosneft hatte 2021 einen Großteil der PCK Raffinerie in Schwedt übernommen. Die Anlage
Der russische Energiekonzern Rosneft hatte 2021 einen Großteil der PCK Raffinerie in Schwedt übernommen. Die Anlage in der Uckermark verarbeitet jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl und gehört damit zu den größten Verarbeitungsstandorten in Deutschland. Patrick Pleul
Übersicht der Öl-Importe der Europäischen Union aus Russland im letzten Jahr. Die EU plant nach dem russischen
Übersicht der Öl-Importe der Europäischen Union aus Russland im letzten Jahr. Die EU plant nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Ölembargo gegen Russland. Auch soll die Energieabhängigkeit von Russland schnell reduziert werden. NK-Grafik
Öl-Embargo

Kein Sprit mehr – Habeck sieht Liefergefahr im Nordosten

Mögliche Lieferunterbrechung: Sollte kein russisches Öl in der Raffinerie Schwedt mehr ankommen, gäbe es ein akutes Versorgungsproblem, so Habeck.
Schwedt

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat eingeräumt, dass ein Öl-Embargo für Berlin und Brandenburg erhebliche Folgen haben könnte. „Wir treffen Vorsorge, dass wir für den Fall eines Ausfalls von russischem Öl Wege finden, diesen Großraum Berlin und Brandenburg zu versorgen, auch über die Raffinerie Schwedt, aber für die Gegenwart stimmt das“, so Habeck in den ARD-„Tagesthemen“. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind tausende Unternehmen von der PCK-Raffinerie abhängig.

Die Bundesregierung hatte sich nach längerem Zögern entschlossen, ein Öl-Embargo der Europäischen Union gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs zu unterstützen. Die PCK-Raffinerie in Schwedt, betrieben vom russischen Konzern Rosneft, ist jedoch bisher vollständig abhängig von russischen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline. Wie und wann Alternativen gefunden werden, ist unklar.

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Wirtschaft in Brandenburg und MV warnen

Die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg befürchtet bei einem möglichen Öl- und Gasembargo gegen Russland gar eine Spaltung der Republik. Mittel- und Ostdeutschland wären besonders betroffen und die Republik teile sich damit wieder, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke. Denn bei einem Embargo sei der Osten wieder vom Westen Deutschlands abhängig bei der Lieferung von Benzin und Diesel.

Auch die Wirtschaft im östlichen MV und lehnt ein EU-weites Embargo für russisches Erdöl zum jetzigen Zeitpunkt ab. Der Hauptgeschäftsführer der IHK in Neubrandenburg, Torsten Haasch, warnt vor den Konsequenzen und schon aktuellen Problemen.

Der russische Energiekonzern Rosneft hatte 2021 einen Großteil der PCK Raffinerie in Schwedt übernommen. Die Anlage

In Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fahren neun von zehn Autos mit Kraftstoff aus Schwedt. Auch der Westen Polens werde von dort versorgt, sagte Haasch. Die Kammer vertritt die Interessen von rund 25.000 Unternehmen im Osten Mecklenburg-Vorpommerns.

Mehr dazu: Ohne Versorgungs- und Preisklarheit kein Öl-Embargo

Ostbeauftragter verspricht Hilfe für Schwedt bei Öl-Embargo

Der Ostbeauftragte Carsten Schneider hat den Menschen am Raffinerie-Standort Schwedt Unterstützung bei der Umsetzung des Öl-Embargos gegen Russland zugesagt. Er könne versichern, „als Bundesregierung arbeiten wir mit Hochdruck daran, eine Lösung zu finden die unter veränderten Rahmenbedingungen Versorgung und Arbeitsplätze sicherstellt“, schrieb der SPD-Politiker am Donnerstag auf Twitter. Der langfristige Umstieg auf erneuerbare Energien sei „eine große Chance für den Standort“.

Hintergrund: Nur russisches Öl: Was wird aus der Raffinerie in Schwedt?

Übersicht der Öl-Importe der Europäischen Union aus Russland im letzten Jahr. Die EU plant nach dem russischen

Nach Plänen der EU-Kommission sollen die russischen Öllieferungen in die Europäische Union bereits Anfang nächsten Jahres weitestgehend eingestellt sein. Das sieht der Vorschlag der Behörde von Ursula von der Leyen und des Europäischen Auswärtigen Dienstes für ein sechstes Paket mit Russland-Sanktionen vor.

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Die Raffinerie Schwedt wird über die Druschba-Pipeline aus Russland mit Öl versorgt und spielt eine Schlüsselrolle bei der Versorgung des Ostens. Mehrheitsgesellschafter ist der russsische Rosneft-Konzern. Diese Ölimporte machen 12 Prozent der deutschen Ölimporte aus. 1200 Menschen sind direkt im Schwedter Werk beschäftigt, zudem viele Mitarbeiter bei Zulieferern und Dienstleistern auf dem Gelände und in der Region.

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Kommentare (1)

Immerhin sind die Benzin- und Dieselpreise in Neubrandenburg seit über einer Woche zehn Cent niedriger als im Großraum Köln/Bonn.