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Keine Beweise im Fischbrötchen-Krieg

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatten die Angeklagten nicht nur Konkurrenten bedroht, sondern auch den Stralsunder Bauamtsleiter zusammengeschlagen.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatten die Angeklagten nicht nur Konkurrenten bedroht, sondern auch den Stralsunder Bauamtsleiter zusammengeschlagen.
Stefan Sauer

Nach sieben Verhandlungstagen verkommt der wieder aufgelegte Prozess zu einer Farce. Das Gericht legt der Staatsanwaltschaft jetzt nahe, die Einstellung des Verfahrens zu beantragen.

Die Ansage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Loose an die Staatsanwaltschaft war klar und unmissverständlich: „Ihre Beweislage ist äußerst dünn. Wenn Sie keine anderen harten Fakten auf den Tisch legen, dann kann diese Kammer keine Verurteilung aussprechen. Haben Sie noch irgendwelche Beweismittel im Köcher?“

Sieben Tage nach der Wiederaufnahme des Verfahrens im sogenannten Stralsunder Fischbrötchen-Krieg deutet sich offenbar ein Freispruch für die drei Angeklagten an, es sei denn, die Anklage legt  doch noch überraschendes Belastungsmaterial vor. Zumindest der Vorwurf der Anstiftung der gefährlichen Körperverletzung gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Trios ist nach vorläufiger Einschätzung der Strafkammer nicht mehr zu halten.

An der Glaubwürdigkeit der Konzeugen wird gezweifelt

Wie bereits im ersten, vom Bundesgerichtshof einkassierten Prozess stützt sich die Anklage vor allem auf die Aussagen eines Kronzeugens, der einst selbst zum kriminellen Täterkreis gehört, sich aber später nach massiver Prügel abgewandt und der Polizei anvertraut haben soll. Der unter Polizeischutz stehende 26-Jährige hatte vor Gericht wiederholt, dass er am Morgen des Überfalls auf den Stralsunder Vize-Oberbürgermeisters Dieter Hartlieb (CDU) einen der Angeklagten zum Haus des Opfers gefahren habe.

Anders als im ersten Prozess, als die Angeklagten zu Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren verurteilt worden waren, scheint die Strategie der Verteidigung dieses Mal aufzugehen. Zwar war der Kreuzberger Anwalts Johannes Eisenberg gleich zu Prozessbeginn mit einem Befangenheitsantrags gegen das Gericht gescheitert. Doch seinen mehrfach angedeuteten Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Kronzeugen können sich dieses Mal offenbar auch die Richter nicht entziehen.

Staatsanwalt Rolf Kuhlmann lehnt es bislang aus Gewissensgründen ab, seine Anklage fallen zu lassen. Er sei überzeugt, dass mit den drei Angeklagten die wirklichen Täter vor Gericht stehen, sagte er. Dass nun ein Freispruch drohe, könne auch er nicht mehr ausschließen.

Die Angeklagten schweigen weiterhin

Wie im ersten Prozess schwiegen die Angeklagten bisher. Zudem konnten Opfer und Zeugen niemanden eindeutig identifizieren. Nach Nordkurier-Informationen setzt die Anklage ihre letzten Hoffnungen nun offenbar auf eine SMS. Darin soll jener Angeklagte, der Hartlieb überfallen haben soll, im Nachhinein vom mutmaßlichen Drahtzieher seine Belohnung für die Tat gefordert haben. Das Handy des Betroffenen wird noch von der Polizei ausgewertet.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatten die inzwischen 31, 35 und 36 Jahre alten Angeklagten zunächst zwei Stralsunder Gaststätten mit Farbe beschmiert, deren Besitzer einen weiteren Fischverkaufskutter am Kai betreiben wollte. Am 7. Juli 2012 sollen sie den Privat-Pkw und einen Kutter des Investors in Brand gesteckt haben. Der Schaden wurde auf 60  000 Euro geschätzt.

Der 36-jährige Hauptangeklagte soll zudem den 31-Jährigen zum Überfall auf den stellvertretenden Oberbürgermeister, Dieter Hartlieb (CDU), angestiftet haben. Demnach soll der junge Mann dem Beamten, der als Bauamtsleiter mit der Vergabe neuer Fischkutterliegeplätze befasst war, am 6. Juli 2012 vor dessen Haus aufgelauert und mit einem Schlagstock auf Kopf, Kniescheiben und Gelenke krankenhausreif geschlagen haben. Der Kopf der Bande soll am 16. August 2012 im Bauamt eine Bombenattrappe als Drohung deponiert haben.