Der Missbrauchskomplex Wermelskirchen schwappt strafrechtlich und politisch auch nach Mecklenburg-Vorpommern über.
Der Missbrauchskomplex Wermelskirchen schwappt strafrechtlich und politisch auch nach Mecklenburg-Vorpommern über. Jan Woitas
Sexueller Missbrauch

Kindesmissbrauch steigt in MV rapide an

Die CDU im MV-Landtag wirft der Landesregierung im Kampf gegen Kindesmissbrauch Verantwortungslosigkeit vor. Aktuelle Zahlen seien „alarmierend”, so die Opposition im MV-Landtag.
Schwerin

Der aktuelle Kindesmissbrauch in Nordrhein-Westfalen schwappt auch nach Mecklenburg-Vorpommern über. Strafrechtlich gibt es eine Spur zu einem Tatverdächtigen, gegen den die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittelt – politisch hat Sebastian Ehlers von der CDU die „Horrornachrichten aus Wermelskirchen” auf die Agenda der Landespolitik gehoben.

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Aus aktuellen Daten aus dem Rechtsausschuss des Landtages gehe laut Ehlers hervor, dass sich unter anderem die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Jahr 2021 gegenüber 2020 um 15 Prozent auf 1.531 erhöht habe. Bei Verfahren wegen Verbreitung, Erwerbes und Besitzes von kinderpornographischen Inhalten gäbe es sogar einen Anstieg um über 30 Prozent auf 1.717 Fälle im Vergleich zu 2020. „Das ist alarmierend”, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, und befürchtet, dass sogar von weitaus höheren Dunkelziffern auszugehen sei.

Ehlers weiter: „Wir haben uns bereits in unserem Wahlprogramm für mehr Stellen bei Polizei und Justiz ausgesprochen und fühlen uns durch die aktuellen Zahlen leider bestätigt.” Die Linkskoalition allerdings habe die CDU-Vorschläge hinsichtlich eines Personalaufwuchs in der Justiz – unter anderem 50 zusätzliche Stellen für Staatsanwaltschaften und Gerichte – im Rechtsausschuss in dieser Woche jedoch abgelehnt. „In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen und Zahlen war das verantwortungslos. Die Tatsache, dass die Ablehnung durch die Koalitionsfraktionen nicht einmal begründet wurde, ist ein Armutszeugnis.”

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Ann Christin von Allwörden hat in dem Zusammenhang einen anderen Bereich ausgemacht, in dem der Personalmangel durch schlägt. „Bei der Landespolizei werden in den kommenden Jahren altersbedingt viele Stellen frei. Insbesondere die Kriminalpolizei dürfte für die zukünftigen Herausforderungen im Bereich Internet-, Cyberkriminalität sowie Kinderpornographie spätestens dann kaum mehr sachgerecht aufgestellt sein”, so die innenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.

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