MISSBRAUCHSFÄLLE

Kirche soll sich zu Fehlern bekennen

Am Mittwochabend diskutierte der Hamburger Erzbischof mit Gästen über das Thema Missbrauch – und musste sich einiges anhören.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
 Stefan Heße, Erbischof der Diözese Hamburg
Stefan Heße, Erbischof der Diözese Hamburg Markus Scholz / Archiv
Hamburg.

Im September war es ein Schock, der durch Deutschland ging: Die katholische Deutsche Bischofskonferenz stellte die Ergebnisse einer Studie zum sexuellen Missbrauch durch Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige vor. Bei der Untersuchung von rund 38 000 Personalakten stießen die Autoren auf 1670 Missbrauchstäter und rund 3670 Betroffene in der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg.

Allein für den Bereich des Bistums Hamburg – Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein – ermittelte man für diese Zeitspanne 33 Priester, die 103 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben sollen. Räumlicher Schwerpunkt der Fälle: Mecklenburg.

Am Mittwochabend ging bei einer Diskussionsveranstaltung in Hamburg nun um die Frage, wie man mit diesen Ergebnissen umgehen soll. Auf dem Podium der katholischen Akademie trafen Kirchenvertreter, Experten und ein Missbrauchsopfer aufeinander. „Wie will die katholische Kirche künftig mit Betroffenen sprechen?“, fragte Sabine Andresen, Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. „Als Bürgerin und Mutter, deren Tochter in einen katholischen Kindergarten geht, sage ich: Ich glaube, es ist ein Recht der Gesellschaft, dass die Kirche gründlich aufarbeitet.“

Aufklärung immer erst auf Druck der Betroffenen

Die Expertin betonte, dass jede Aufarbeitung immer nur auf Druck von Betroffenen geschehen sei: „Ich kenne bislang keinen Fall, wo die Kirche von sich aus gesagt hat: Wir wollen das wissen!“

Ähnlich äußerte sich Martin Schmitz, Gründer einer Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer in Münster:„Das Entscheidende ist, dass sich die Kirche bekennt.“ Dass Leute, die Verantwortung tragen, auch als solche bezeichnet werden.“ Seit dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle seien acht Jahre vergangen, „die für alle Betroffenen eine quälend lange Zeit waren“. Die Aufarbeitung habe in der Kirche bisher nicht stattgefunden. Es gebe immer noch Täterschutz. Betroffene hätten nicht einmal die Möglichkeit, Akteneinsicht zu nehmen.

Erzbischof hält eigene Fehler für möglich

Erzbischof Stefan Heße hob hervor, dass Betroffene in die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs einbezogen werden müssen: „Es darf keine Tabus in der Diskussion geben.“ Für ihn sei etwa der Umgang der Kirche mit Homosexualität ein brennendes Thema. „Ich bin nicht damit zufrieden, wie in dieser Frage die offizielle Antwort ist.“

Der Moderator des Abends, der Journalist Meinhard Schmidt-Degenhard, befragte Heße zu seinem eigenen Umgang mit Missbrauchstätern, etwa in seiner Zeit als Personalchef im Erzbistum Köln: „Ich will nicht sagen, dass ich alles richtig gemacht habe“, sagte Heße. Es sei gut, wenn im Erzbistum Köln noch einmal Leute darauf schauten: „Es kann sein, dass mir irgendwie nachgewiesen wird, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe – dann muss ich die Konsequenzen ziehen“, sagte Heße. „Ich habe jedenfalls nicht willentlich vertuscht oder verschleiert.“

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