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Kita-Kinder in sozialen Brennpunkten sollen besser gefördert werden

Keine gute Motorik und Sprachprobleme: Damit haben viele Kinder aus sozialen Brennpunkten zu kämpfen. Dies will das „Desk“-Projekt aber ändern.
Keine gute Motorik und Sprachprobleme: Damit haben viele Kinder aus sozialen Brennpunkten zu kämpfen. Dies will das „Desk“-Projekt aber ändern.
Sebastian Kahnert

Gezielte Förderung in der Kita kann Kindern den Schulstart erleichtern –davon ist der Greifswalder Wissenschaftler Wolfgang Hoffmann überzeugt. Jetzt sollen weitere Brennpunkt-Kitas einbezogen werden.

Individuelle Tests im Kindergarten und darauf aufbauende Förderung helfen Kindern mit Entwicklungsverzögerungen. Das ist ein Ergebnis des 2011 in sozialen Brennpunkt-Kitas im Land eingeführten „Desk“-Testverfahrens. Wissenschaftler um den Greifswalder Mediziner Wolfgang Hoffmann begleiteten das Projekt und beobachteten die Entwicklung der Kinder. Hoffmann zog am Dienstag in Schwerin eine positive Bilanz und kündigte als nächsten Schritt die Erarbeitung gezielter Förderprogramme für die Kinder an.

Bei „Desk“ werden im Rahmen eines Zirkusspiels verschiedene Fähigkeiten der Kinder getestet, wie auf einem Bein zu stehen oder mit allen Fingern einer Hand nacheinander den Daumen zu berühren. Die Ergebnisse werden für jedes Kind festgehalten und ausgewertet. Fast alle Erzieherinnen und auch fast alle befragten Eltern seien mit dem Testverfahren sehr zufrieden, sagte Hoffmann. Viele sagten, die individuelle Förderung sei dadurch besser geworden.

Bei der Schuleingangsuntersuchung im Landkreis Nordwestmecklenburg wurde 2013 Hoffmann zufolge festgestellt, dass „Desk“-Kinder nicht häufiger als andere von Entwicklungsverzögerungen in der Motorik und im sozialen Verhalten betroffen waren. Häufiger träten bei ihnen aber Probleme mit der Sprache und beim Konzentrieren auf – für die Schule sind das aber wichtige Voraussetzungen. Dort müsse gezielte Förderung ansetzen, sagte Hoffmann. Wissenschaftler aus Greifswald, Rostock und Hannover würden demnächst Programme dafür entwickeln.

Projekt soll eine Million Euro mehr bekommen

Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) kündigte eine Ausweitung des „Desk“-Testverfahrens auf weitere Kitas an. Aktuell nehmen nach ihren Worten 141 Kindergärten im Land teil. Dafür werden jährlich fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt, unter anderem für zusätzliches Personal. Ab 2016 soll jährlich gut eine Million Euro zusätzlich aus den sogenannten
Bafög-Millionen dazukommen, wie Hesse sagte. Jährlich spart Mecklenburg-Vorpommern mehr als 20 Millionen Euro, weil der Bund die Ausbildungsbeihilfe Bafög seit Jahresbeginn komplett allein bezahlt. Zuvor waren die Länder daran beteiligt. Hesse will erreichen, dass 200 Kitas in sozialen Brennpunkten „Desk“ nutzen. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein überdurchschnittlich hoher Anteil Eltern, deren Kita-Beiträge das Sozialamt übernimmt.

Politiker der Opposition forderten eine Verkleinerung der Kita-Gruppen, um die Kinder besser individuell fördern zu können. Auf das „Desk“-Testverfahren könne verzichtet werden, meinte die Linke-Politikerin Jacqueline Bernhardt. Die Grünen-Politikerin Silke Gajek sagte: „Wir brauchen für unser Land gute Frühförderung in Kitas mit hervorragendem Betreuungsschlüssel.“ Das Zahlenverhältnis Erzieher-Kind in MV gehört zu den schlechtesten bundesweit.