Mangel an Fachkräften
Kitas in Personalnot

Einer Umfrage zufolge reicht die Zahl der Studenten nicht aus, um den Bedarf an Fachkräften in den Kitas in den kommenden Jahren zu decken.
Einer Umfrage zufolge reicht die Zahl der Studenten nicht aus, um den Bedarf an Fachkräften in den Kitas in den kommenden Jahren zu decken.
Jan-Philipp Strobel

Ist unser Nachwuchs bald sich selbst überlassen, wenn Mama und Papa Geld verdienen? Diese Frage ist durchaus berechtigt angesichts einer Studie, die nicht nur bei Eltern und solchen, die es werden wollen, für Stirnrunzeln sorgen dürfte.

Den insgesamt 1052 Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern droht ein Personalproblem. Nach einer Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden in den Einrichtungen bis zum Jahr 2015 jährlich mindestens rund 400 Erzieherinnen und Erzieher benötigt. Bis zum Jahre 2025 steigt dieser Bedarf sogar auf etwa 500 Fachkräfte pro Jahr.

Die Schere zwischen Bedarf und Angebot öffne sich immer weiter, warnt GEW-Landeschefin Anett Lindner. Immer häufiger klagten die Arbeitgeber über sinkende Bewerberzahlen. Die Landesregierung müsse endlich handeln, die notwendige Planung hätte schon im dritten Quartal 2013 vorliegen müssen.

Nach einer Umfrage an den sechs betreffenden Berufsschulen in der Region und den sechs staatlich anerkannten oder genehmigten Fachschulen für Sozialpädagogik reicht die Zahl der Studenten nicht mehr aus, um die absehbaren Lücken zu schließen. So traten im Studienjahr 2010/2011 lediglich 357 junge Menschen ein entsprechendes Studium an. Hinzu komme, dass von den gegenwärtig etwa 350 ausgebildeten Fachkräften nur 65 Prozent überhaupt in einer Kindertagesstätte arbeite, sagt die familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Jacqueline Bernhardt. Durch die schrittweise Verbesserung der sogenannten Fachkraft-Kind-Relation im Kindergartenbereich von derzeit 1:17 auf 1:15 und den Rechtsanspruch auf Betreuung der Ein- bis Dreijährigen werde der Bedarf sogar noch steigen.

Das Bildungsministerium sieht dagegen offenbar keinen unverzüglichen Handlungsbedarf. Die angemahnte liege vor und befinde sich in regierungsinterner Abstimmung, sagt ein Sprecher von Minister Mathias Brodkorb (SPD). „Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass die Kapazitäten ausreichen, um den Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas zu decken“, heißt es zunächst lapidar.

Doch die Realität sehe anders aus, erwidert der Kita-Referent der Gewerkschaft, Daniel Taprogge. „Uns berichten Betriebsräte und Arbeitgeber, dass der Personalbedarf schon jetzt oft nur noch durch Aufstockung der Arbeitsstunden abgedeckt wird“. Auf Ausschreibungen würden sich oft nur noch zwei bis drei Bewerber melden. Aus Sicht der GEW müssten die Ausbildungskapazitäten aber unbedingt erhöht werden. Laut Mikrozensus gingen allein bis 2025 etwa 7000 der 10 000 Erzieherinnen und Erzieher in Rente.

Der Experte gibt überdies zu bedenken, dass zudem die Zahl der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren nicht gesunken, sondern sogar leicht gestiegen ist.