LANDTAGSWAHL 2021

Klarer SPD-Sieg in MV – Schwesig kann Koalitionspartner aussuchen

Nach dem Wahlsieg der SPD in MV kann sich Ministerpräsidentin Schwesig ihre Koalitionspartner aussuchen: Sie kann mit der CDU oder der Linken regieren – auch eine Ampel wäre möglich.
dpa
Manuela Schwesig (SPD) stehen nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Koalitionsmöglichkeiten offen.
Manuela Schwesig (SPD) stehen nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Koalitionsmöglichkeiten offen. Jens Büttner
Schwerin ·

Nach dem klaren Sieg der SPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern stehen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gleich mehrere Koalitionsmöglichkeiten für ihre nächste Regierung. Die 47-Jährige kann das Bündnis mit der abgestraften CDU fortzusetzen, oder aber mit den ebenfalls gerupften Linken regieren.

+++ Hier finden Sie den großen Nordkurier-Liveticker zur Landtags- und Bundestagswahl. +++

Mit dem Wiedereinzug von FDP und Grünen wäre zudem auch eine Ampel-Koalition möglich. Am Wahlabend selbst wollte Schwesig sich nicht festlegen. „Wir warten jetzt die endgültigen Ergebnisse ab und schauen dann, mit wem man stabile Mehrheiten bilden kann”, sagte sie am Sonntag im ZDF.

Kommentar: Bei der CDU wollte jeder einen Posten – am Ende verlieren alle

Für sie seien drei Dinge für eine Regierung entscheidend: stabile Mehrheiten, dann sozialdemokratische Themen wie eine starke Wirtschaft, gute Arbeit, sozialer Zusammenhalt und Umwelt sowie drittens die Verlässlichkeit des Partners. Am Montagabend werden nach ihren Angaben die Parteigremien zusammenkommen „und dann schauen wir, mit wem wir Gespräche führen werden”.

Mehr lesen: Emotionaler Sieg für Schwesig, Katastrophe für die CDU

Wahlziel ganz klar erreicht

Sie sei „natürlich sehr glücklich mit der SPD hier in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben unser Wahlziel ganz klar erreicht. Wir sind wieder stärkste Kraft und haben sogar noch richtig zugelegt”, sagte die SPD-Politikerin. „Ich bin sehr stolz, Ministerpräsidentin des schönsten Bundeslandes in Deutschland zu sein – und dass ich es jetzt auch bleiben darf.”

Made with Flourish

 

Nach Auszählung von gut 80 Prozent der 2003 Wahlbezirke erzielten die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 39,1 Prozent. Das ist das zweitbeste SPD-Ergebnis überhaupt und liegt deutlich über dem von 2016. Damals konnte die Partei 30,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Mehr lesen: Grüne vor Wiedereinzug in Schweriner Landtag

Der bisherige Koalitionspartner CDU muss das historisch schlechteste Ergebnis hinnehmen. Die Christdemokraten um ihren Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden Michael Sack kommen demnach auf nur 13,2 Prozent - nach 19,0 Prozent bei der Landtagswahl 2016.

Sack spricht von katastrophalen Ergebnis

Entsprechend sprach Sack von einem katastrophalen Ergebnis, der CDU-Jungstar Philipp Amthor von einem „schweren Tag” für die Union im Nordosten. Sack ließ seine Zukunft an der Parteispitze zunächst offen. Der Wahlabend sei nicht der richtige Moment, um über weitere Schritte zu sprechen, sagte er.

Mehr lesen: CDU-Chef Sack lässt seine Zukunft nach Wahldebakel offen

„Ich denke, morgen Abend sind wir schon schlauer.” Am Montagabend will der CDU-Landesvorstand zusammenkommen. Sack führt die mit rund 5000 Mitgliedern größte Partei in Mecklenburg-Vorpommern erst seit 2020, nachdem sein Vorgänger Vincent Kokert überraschend auf alle politischen Ämter verzichtet hatte.

Zweitstärkste Kraft im Schweriner Landtag wird nach Auszählung von mehr als 80 Prozent der Wahlbezirke die AfD mit 18,2 Prozent - nach 20,8 Prozent bei der Wahl 2016. Deren Spitzenkandidat Nikolaus Kramer bedauerte, dass seine Partei das Ergebnis von 2016 knapp verfehlt hat. Er zeigte sich dennoch zufrieden: „Wir sind stärkste Oppositionskraft geblieben und somit auch die einzige Opposition im Landtag.”

Mehr lesen: AfD-Vorsitzender Holm: Leichte Verluste nicht so dramatisch

Linke konnte Abwärtstrend nicht stoppen

Die Linke konnte den seit 2011 anhaltenden Abwärtstrend nicht stoppen und fuhr mit 9,6 Prozent das bislang schlechteste Wahlergebnis im Nordosten ein. Bei einer so übermächtigen SPD sei es klar, dass alle anderen Parteien unter die Räder kommen, sagte Spitzenkandidatin Simone Oldenburg.

Mehr lesen: Linken-Chef Koplin gesteht herbe Niederlage ein

Über mögliche Koalitionsmöglichkeiten wollte sie sich nicht äußern. Sie gehe jedoch davon aus, dass die Wähler im Nordosten die CDU abgewählt hätten und sich einen Linksruck wünschten.

Großer Jubel dagegen bei FDP und Grünen: Den Hochrechnungen zufolge haben FDP und Grüne den Wiedereinzug in den Landtag geschafft. Die Liberalen - seit 2011 nicht mehr im Parlament vertreten - kommen demnach auf 5,6 Prozent, die Grünen - seit 2016 nicht mehr im Landtag - erreichen 5,9 Prozent. 

„Was für ein wunderschöner Abend”, rief der FDP-Spitzenkandidat René Domke seinen Unterstützern zu. Mitverantwortlich für das FDP-Ergebnis sei die hohe Bedeutung von Wirtschaftsthemen. „Ich denke schon, dass die Menschen jetzt tatsächlich nach der Pandemie auch Antworten wollen, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll”, sagte Domke.

Grüne wollen Akzente setzen

„Die Grünen sind im Landtag von MV angekommen”, freute sich deren Spitzenkandidat Harald Terpe. Man trete dafür ein, dass der Weg der Landespolitik eine andere Richtung nehme, und man wolle Akzente setzen etwa bei der Klimapolitik. Parteichef Ole Krüger betonte: „Der Landtagseinzug war unser wichtigstes Ziel.” Es sehe so aus, als „haben wir das erreicht – und das freut ungemein”.

Mehr lesen: Grüne vor Wiedereinzug in Schweriner Landtag

Bei der Bundestagswahl hat die SPD in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls gut abgeschnitten.  Nach Auszählung von 97 Prozent der rund 2000 Wahlbezirke im Land lagen die Sozialdemokraten mit 29,0 Prozent der Zweitstimmen an der Spitze - das sind in etwa doppelt so viele Stimmenanteile wie 2017.

Dahinter lag die AfD mit 18,3. Die CDU stand bei 17,5 Prozent - ein Debakel im Vergleich zu 2017, als die Christdemokraten im Nordosten noch 33,1 Prozent der Zweitstimmen und alle sechs Direktmandate geholt hatten.

Made with Flourish

 

Die Linke stand als viertstärkste Kraft bei 11,0 Prozent und muss laut Zwischenstand deutliche Verluste hinnehmen. Leichte Zuwächse erzielen laut Zwischenergebnis FDP und Grüne. Die FDP kommt auf 8,2 Prozent, die Grünen auf 7,7 Prozent.

Bundesweit zeigten die Hochrechnungen von ARD und ZDF ein etwas anderes Bild. Demnach (22.24 Uhr) kommt die SPD von Kanzlerkandidat Olaf Scholz auf 25,9 bis 26,0 Prozent, die Union mit ihrem Spitzenkandidaten Armin Laschet auf 24,1 bis 24,5 Prozent. Die Grünen mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schafften 13,9 bis 14,7 Prozent. Die FDP käme auf 11,5 bis 11,7 Prozent, die AfD auf 10,4 bis 10,5 Prozent und die Linke auf 5,0 Prozent.

Mehr lesen: Kurz vor 18 Uhr lange Schlangen vor Berliner Wahllokalen

Dieser Artikel ist durchgängig um die aktuellen Hochrechnungen aktualisiert worden.

Made with Flourish

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage

Kommentare (3)

... hat den Fehler gemacht, sich als parteilose irgendwann den schwarzen Raubrittern der CDU anzuschließen. Ohne dieses Parteibuch, wäre sie immer noch Bürgermeisterin.

verweigert sie sich nicht der CDU und AFD und würde einer breiten Masse, der Wählerentscheidung gercht werden! Die politischen narzistischen Verweigerungsspiele in Berlin bringen D und sein Volk als Gesellschaft nicht weiter!

oder wie würde Frau Schwesig oft betitelt? Ist sie jetzt rehabilitiert?