Handgemachtes aus Hopfen

:

Kleine Braumanufakturen erobern den Markt

Markus Berberich von der Insel-Brauerei in Rambin setzt auf die internationale Craft-Beer-Welle, die von den USA vor etwa zehn Jahren nach Europa schwappte und inzwischen auch in Deutschland angekommen ist.
Markus Berberich von der Insel-Brauerei in Rambin setzt auf die internationale Craft-Beer-Welle, die von den USA vor etwa zehn Jahren nach Europa schwappte und inzwischen auch in Deutschland angekommen ist.
Stefan Sauer

Bier ist nicht mehr nur Bier: Mit kreativen Rezepturen und ausgefallenen Sorten erobern kleine Braumanufakturen den Markt. Der Trend erfasst auch den Norden.

In dem kleinen Labor sind sechs Biere aufgereiht, strohgelb, kastanienbraun und pechschwarz, jedes Glas gekrönt von feinem Schaum. Für Frank Lukas steht die Gütekontrolle an. Er lässt das Gebräu über den Gaumen gleiten – und lächelt zufrieden. Auf seinen Geschmack kann sich der Stralsunder verlassen: Er ist deutscher Meister der Biersommeliers.

„Unser Geheimnis sind die speziellen Hefen, die wir verwenden”, sagt der 48-jährige Leiter der Rügener Inselbrauerei. Hinzu kommen besondere Malze, etwa Hafer und Roggen, und frischer Hopfen. Auch die Gärung in offenen Edelstahlwannen ist ungewöhnlich – und sehr aufwendig. Auf diese Weise kommen auch feinste Aromen ins Bier.

Spezialitäten werden sogar nach China exportiert

In dem 1000-Seelen-Ort Rambin auf Rügen, umringt von Äckern und der neuen Schnellstraße, befindet sich die wohl ambitionierteste Brauerei des Landes. Jede der zwölf Sorten ist preisgekrönt, neunmal Gold gab es allein beim jüngsten World Beer Award in London. Die Spezialitäten werden mittlerweile selbst nach China exportiert – und das etwas mehr als zwei Jahre nach Gründung der Brauerei.

Markus Berberich sitzt an einem Holztisch und umklammert ein Glas Hopfentee. Der Gründer der Inselbrauerei muss sich oft selbst kneifen, zu rasant verläuft die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. Vier Millionen Flaschen werden 2017 abgefüllt, doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Eine Flasche kostet so viel wie ein solider Wein im Supermarkt.

Alles braucht seine Zeit

„Es gab viele Bedenkenträger, aber ich wollte beruflich noch einmal neu durchstarten”, sagt der gebürtige Saarländer, der seinen Job als Geschäftsführer der Stralsunder Brauerei Störtebeker für das eigene Unternehmen gekündigt hatte. Dabei habe er sich bewusst in der „Einöde” niedergelassen und nicht in einer hippen Metropole. „Mit Rügen verbindet doch jeder etwas Positives.”

Mehr als 5,5 Millionen Euro hat Berberich mit Hilfe eines holländischen Investors in den Standort investiert. Dennoch soll die Brauerei auch künftig nach handwerklichen Prinzipien arbeiten. Alles braucht seine Zeit: So reifen die Flaschen rund zehn Tage in einer wohltemperierten Kammer. Jede wird mit Papier umwickelt. Zum Einsatz kommt nur frischer, aber deutlich teurer Hopfen.

Rostocker Braustätte profitiert von Touristen

Auch in anderen Orten Mecklenburg-Vorpommerns haben Enthusiasten das Brauen für sich entdeckt. Henry Gidom kann sich noch an seine ersten Experimente im WG-Zimmer erinnern. „Zur Premiere habe ich Freunden ein untergäriges Helles eingeschenkt, ein schwieriges Bier”, sagt der Warnemünder. „Es hat erstaunlich gut geschmeckt.” Das war Motivation weiterzumachen.

Heute betreibt der studierte Historiker mit seiner Frau die kleine Braustätte „Hoppen un Molt” in Warnemünde, die nachweislich erste im Ostseebad. Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein. Im Hafen landen täglich Tausende Touristen an, die gerne auch heimisches Bier probieren wollen. „Ohne den Tourismus wäre es wohl deutlich schwieriger”, meint Gidom.

Weitere Mikro-Brauereien existieren unter anderem in Leezen bei Schwerin, in Parchim, Marlow oder Ludwigslust. Ebenso haben etablierte Brauereien umgesattelt. „Unsere ersten Craft Biere haben sich gleich fantastisch verkauft”, sagt Stefan Darmann, Leiter der Brauerei in Vielank (Ludwigslust-Parchim). Dabei koste eine Flasche doppelt so viel wie ein Standardbier. Aber auch Darmann beobachtet, dass meist Touristen zum Craft Beer – handwerklich erzeugtem Bier – greifen: „Die Einheimischen bleiben bei dem, was sie kennen.”