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Kleine Mostereien haben wieder Saison

Flaschen mit frisch gepresstem Apfelsaft zeigt Johann Volk  in seiner neu gegründeten Lohnmosterei in Klütz. Hier werden alte Apfelsorten aus dem Küchengarten von Schloss Bothmer zu Bio-Saft verarbeitet.
Flaschen mit frisch gepresstem Apfelsaft zeigt Johann Volk  in seiner neu gegründeten Lohnmosterei in Klütz. Hier werden alte Apfelsorten aus dem Küchengarten von Schloss Bothmer zu Bio-Saft verarbeitet.
Jens Büttner

Eigenanbau und Selbstversorgung sind wieder gefragt. Viele Kleingärtner lassen ihr Obst zu Saft pressen - Handwerks-Mostereien haben derzeit Konjunktur.

Eine dunkelhaarige Schönheit hält einen Korb roter Äpfel im Arm, im Dunst dahinter lässt sich Schloss Bothmer von Klütz in Nordwestmecklenburg erahnen. Das exotisch anmutende Bild der Malerin Ana Sojor, Frau des Klützer Mostereibetreibers Johann Volk, ziert die Etiketten auf den Flaschen des neuen Familienbetriebes. Vor allem alte Apfelsorten aus dem Küchengarten des landeseigenen Schlosses würden zu Most gepresst, sagt Volk. „Altländer Pfannkuchen“ oder „Kaiser Wilhelm“, in Bioqualität, naturtrüb, ohne Zusätze. Hotels der Region leckten sich schon die Finger nach dem besonderen Saft, meint der 58-jährige Jungunternehmer.

Bis zu 20 000 Liter Fruchtsaft können gekelter werden

Als Lohnmoster werde er aber auch den Kleingärtnern der Region die Gartenfrüchte abfüllen, sagt Volk. Bis zu 20 000 Liter Fruchtsaft aus Äpfeln, Birnen, Quitten, Mispeln, Pflaumen, Kirschen und Beeren könne er in der Mosterei, eingerichtet in der alten Molkerei des Städtchens, pro Saison keltern. Künftig wolle er auch Marmeladen kochen, Weine herstellen und Obstschnaps brennen. „Der Bedarf an regionalen Bioprodukten wächst“, meint der Moster von Klütz.

Eigenanbau und Selbstversorgung erleben auch aufgrund vergangener Lebensmittelskandale eine Renaissance, findet Petra Gansen, Sprecherin der Schweriner Handwerkskammer. „Die Leute sind auf der Suche nach Qualität, die aus der Region kommt.“ Viele Verbraucher hätten die Massenwaren aus dem Supermarkt satt, sagt sie. „Sie wollen keine seelenlosen Industrieprodukte mehr auf ihrem Tisch.“ Indizien dafür seien die kleinen Verarbeiter auf dem Lande wie Mostereien, von denen es allein in Westmecklenburg wieder rund ein Dutzend gibt.

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