LANDWIRTSCHAFT

Klimawandel macht's möglich: Süßkartoffel-Anbau wird in MV erprobt

Süßkartoffeln können wegen des Klimawandels in Deutschland auch im Freiland wachsen. Derzeit wird erprobt, welche Sorten am besten nach Mecklenburg-Vorpommern passen.
dpa
Mecklenburg-Vorpommern, Gülzow: In der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei ernten Gunnar Hirthe
Mecklenburg-Vorpommern, Gülzow: In der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei ernten Gunnar Hirthe und Julia Olszowy Süßkartoffeln. Bernd Wüstneck
Julia Olszowy (links) und Ann-Christin Hillenberg begutachten die frisch geerntete Süßkartoffeln.
Julia Olszowy (links) und Ann-Christin Hillenberg begutachten die frisch geerntete Süßkartoffeln. Bernd Wüstneck
Seit 2018 läuft eine mehrjährige Versuchsreihe zum Anbau der Süßkartoffel in MV.
Seit 2018 läuft eine mehrjährige Versuchsreihe zum Anbau der Süßkartoffel in MV. Bernd Wüstneck
Bislang wachsen die Süßkartoffeln vor allem in Asien, Amerika und Afrika.
Bislang wachsen die Süßkartoffeln vor allem in Asien, Amerika und Afrika. Bernd Wüstneck
Süßkartoffelpommes sind auch hierzulande beliebt.
Süßkartoffelpommes sind auch hierzulande beliebt. © asab974 - stock.adobe.com
Gülzow-Prüzen.

Süßkartoffeln sind in Asien, Amerika und Afrika seit Generationen beliebt, nun finden sie auch immer mehr Zuspruch in Europa. Der Klimawandel macht es möglich, dass das Gemüse auch in Mecklenburg-Vorpommern im Freiland wachsen kann, wie ein Besuch bei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei zeigt:

Meterlange grüne Ranken, ineinander verflochten, bedecken das Feld. Im Zentrum stehen in größeren Abständen die Pflanzen, die im Frühjahr in vorbereitete Dämme gesetzt wurden. Darunter befinden sich Knollen. Henry Pranke hat geraume Zeit gesucht, um eine Mutterpflanze zwischen all dem Grün auf der Versuchsplantage in Güstrow-Gülzow (ein Ortsteil von Gülzow-Prüzen) zu finden.

Der Mitarbeiter der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei fährt mit einer Grabegabel tief in den Boden und hebt die Pflanze an. Ans Tageslicht kommen etliche Süßkartoffeln, höchst unterschiedlich in Größe und Form. Anders als bei der klassischen Kartoffel sind die meisten langgestreckt und wiegen zwischen 50 und 600 Gramm. Zehn Stück fördert er zutage.

Sorten werden getestet

„Ein akzeptabler Ertrag”, sagt Kai-Uwe Katroschan, der Leiter des Gartenbaukompetenzzentrums in Gülzow. Er hat rund ein Dutzend verschiedene Sorten ins Versuchsfeld gestellt, um herauszufinden, ob und wenn ja welche sich davon für einen wirtschaftlichen Anbau in Norddeutschland eignen. Nach dem Start der mehrjährigen Versuchsreihe im heißen Sommer 2018 hat auch diesmal das Wetter mitgespielt, nur ausreichend Regen ist nicht gefallen. Angestrebt wird ein Ertrag um die 300 Dezitonnen je Hektar.

„Wirtschaftlich ausreichende Mengen in hoher Qualität erzielt man nur über eine gute Wasserversorgung”, sagt der Gemüseanbauexperte und verschafft sich einen Überblick über die Farbenvielfalt der nach und nach ausgegrabenen Sorten. Die reicht nach dem Aufschneiden einzelner Knollen von weiß-gelb bis dunkel-violett. Geschmacklich gibt es kaum Unterschiede. Die Süßkartoffel macht ihrem Namen mit mehr als 4 Gramm Zucker je 100 Gramm alle Ehre. Hinzu kommen ein hoher Anteil für den Menschen wichtiger Nährstoffe und Mineralien, bei geringem Fettanteil.

Anbau hinkt hinterher

Chinesen, Amerikaner und Afrikaner gleichermaßen lieben seit Generationen Süßkartoffeln. Ihren Ursprung hat sie vermutlich in Lateinamerika. In China werden nach Angaben der Welternährungsorgansiation mit mehr als 70 Millionen Tonnen jährlich die meisten produziert. Insgesamt sind es weltweit 110 Millionen Tonnen. In Europa steigt der Verbrauch kontinuierlich. Die Niederlande gelten inzwischen als Hauptanbaugebiet in Europa. Und auch in Deutschland ist das Windengewächs, das botanisch mit der herkömmlichen Kartoffel nichts gemein hat, inzwischen angekommen.

Doch der Anbau hinkt hinterher. „Der Klimawandel spielt uns in die Karten”, sagt Katroschan. Die klassisch subtropische Pflanze braucht vor allem Wärme. „Je eher die Temperaturen im Frühjahr steigen, je später sie im Herbst sinken, je länger die Vegetationszeit also, umso besser”, argumentiert der Versuchschef. Sechs volle Wachstumsmonate von April bis September seien das Optimum.

Biogärtnerei Watzkendorf

Die Biogärtnerei Watzkendorf (bei Möllenbeck, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) produziert Süßkartoffel-Jungpflanzen für Gartenbaubetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. „Aufgrund der klimatischen Bedingungen ist das eine Gemüsekultur im Kommen”, sagt Geschäftsführerin Sabine Kabath.

Interessant sei sie vor allem für Direktvermarkter. Sie selbst baue keine Süßkartoffeln an, weil die Gärtnerei für den Handel produziere. Mit den Preisen der ausländischen Konkurrenz könne man nicht mithalten. Kabath zufolge gab es die ersten Anbauversuche im Gewächshaus schon vor sieben Jahren. „Die letzten zwei Sommer haben gezeigt, dass es auch im Freiland geht”, sagt sie.

Transporte reduzieren, um Klimabelastung zu senken

In Gülzow will man noch herausfinden, was bei größeren Temperaturschwankungen passiert, und wie die Berge an Blattgrün zu nutzen sind, die vor der Rodung entfernt werden müssen. In Afrika werden sie ähnlich wie Spinat zubereitet. In Deutschland sehen die Wissenschaftler diese Nutzung eher nicht, deshalb wollen sie einen Einsatz als Futter testen.

Zudem soll der Handel befragt werden, welche Sorten und welche Fleischfarben die Verbraucher bevorzugen und wie groß das Angebot sein muss, um mit dem eigenen Anbau wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Importe sollen mit Blick auf die langen Transportwege und die Klimabelastung reduziert werden.

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Kommentare (2)

Na so ein Klimaquatschpropagandamist schon wieder. Die Süßkartoffeln konnte man schon immer in Deutschland anbauen, da sie ein ähnliches Klima wie die hiesigen Kartoffelsorten benötigen. Liegt wohl daran, dass sie ursprünglich aus der selben Region stammen. Nur benötigt die Süßkartoffel mehr Wasser und schmeckt furchtbar. Wird schon seinen Grund haben, wieso sie hierzulande nicht sehr beliebt ist.

Schmeckt nach Erbrochenem und lässt sich kaum kombinieren - ab in die Tonne damit. Ein Mal und zum letzten Mal probiert. Scheint wohl aber im grünen Biotrend zu liegen. Ein Glück, dass die ''Healthy-Laifsteil-Jünger'' alias die Grünen hier in der Region sowieso zum absteigendem Ast gehören.