Die Schließung mehrerer Krankenhaus-Abteilungen treibt die Menschen in Wolgast seit Jahren regelmäßig auf die
Die Schließung mehrerer Krankenhaus-Abteilungen treibt die Menschen in Wolgast seit Jahren regelmäßig auf die Straße. Tilo Wallrodt
Die Kinderklinik in Crivitz wurde vor gut zwei Jahren geschlossen. Offizielle Begründung: Personalmangel.
Die Kinderklinik in Crivitz wurde vor gut zwei Jahren geschlossen. Offizielle Begründung: Personalmangel. Jens Büttner
Eine drohende Unterversorgung treibt die Menschen auf die Straße. Mit einer Mahnwache protestierten im Mai 2020 Einwohne
Eine drohende Unterversorgung treibt die Menschen auf die Straße. Mit einer Mahnwache protestierten im Mai 2020 Einwohner von Crivitz für den Erhalt der Geburtenstation des Mediclin-Krankenhauses. Jens Büttner
Klinik-Schließungen

Neue Kommission soll Krankenhäuser in MV retten

Der Druck wächst. Um die medizinische Versorgung in einem Flächenland wie MV zu sichern, muss schnell gehandelt werden. Ein ehrgeiziges Ziel soll erreicht werden.
Schwerin

Es ist eine Herkulesaufgabe und gleicht der Quadratur des Kreises: Eine älter werdende Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern, dadurch resultierend veränderte Versorgungsbedarfe, ein rasanter medizinischer Fortschritt und das alles garniert mit immer knapper werdenden personellen Ressourcen – kurz gesagt: Die medizinische Versorgung im Nordosten steht vor großen Herausforderungen.

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Arbeitskreis soll Kliniken retten

Da die Politik diese hohe Hürde nicht alleine überspringen und die komplexe Problemstellung im Handstreich lösen kann, kommen alle beteiligten Mitspieler mit aufs gesundheitspolitische Feld. Unter anderem sollen Ärzte, Krankenkassen und Kliniken mit der Politik eine Regierungskommission bilden. Dies geht aus einem Antrag der Regierungsfraktionen SPD und Linke hervor, den der Landtag in dieser Woche beschließen soll. Ziel sei es, eine qualitativ hochwertige, langfristig sichere und erreichbare medizinische Versorgung für die Menschen auch in Zukunft zu gewährleisten. „In diesem Zusammenhang setzen wir auf eine bestmögliche Kooperation aller an der Versorgung Beteiligten und den Erhalt und die Sicherung aller Krankenhausstandorte in MV“, heißt es.

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Neue Konzepte werden gebraucht

Geboren wurde die Idee der Regierungskommission im Rahmen der in der vergangenen Legislaturperiode eingesetzten Enquete-Kommission des Landtags zur Zukunft der medizinischen Versorgung in MV. Insgesamt 21 Handlungsempfehlungen wurden von dem Gremium ausgesprochen – eine davon ist die Einrichtung jener Regierungskommission. Tenor in der Politik und bei den Gesundheitsexperten: Neue Konzepte für eine vernetzte medizinische Versorgung sind erforderlich, ohne die strenge Trennung von ambulant und stationär sowie unter Einbeziehung der Telemedizin.

Kliniken schlecht vorbereitet?

Dass in der Regierungskommission auch grundsätzliche Fragen der Gesundheitspolitik in den Vordergrund rücken, machte im Vorfeld schon einmal der Abgeordnete Michael Noetzel (Linke) klar. „Die vergangenen zwei Jahre haben mehr als deutlich gezeigt, wie schlecht unsere Krankenhäuser auf die Corona-Pandemie vorbereitet waren. Obwohl seit zehn Jahren fertige Pläne zur Bekämpfung einer solchen Pandemie existieren, fehlte es bei uns am Anfang sogar an elementarer Ausrüstung wie beispielsweise Desinfektionsmittel.“

Gesundheit, so Noetzel, sei keine Ware, die sich rechnen müsse. Ob alle Mitglieder der Regierungskommission diese Einschätzung teilen, dürfte zu bezweifeln sein. Genau das aber wird wohl jene Prise Würze sein, die aus einer Kommission ein konstruktives Gremium machen könnte. Denn eines steht für Jörg Heydorn – er leitete die Enquete-Kommission – fest: „Wir verstellen uns häufig den Blick auf Lösungen, weil wir in vielen Fällen meinen, es muss so werden wie vorher.“

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