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Kluge Türsteher aus Hessen fielen nicht auf

Alle Prüflinge aus Hessen schafften auf Anhieb den Test bei der IHK Neubrandenburg, der aus einem zwei Stunden dauernden schriftlichen Teil und einem 15-minütigem Gespräch besteht.
Alle Prüflinge aus Hessen schafften auf Anhieb den Test bei der IHK Neubrandenburg, der aus einem zwei Stunden dauernden schriftlichen Teil und einem 15-minütigem Gespräch besteht.
© flairimages - Fotolia.com

Für Bewachungsjobs müssen Arbeitnehmer eigentlich per Prüfung eine Wissenshürde nehmen. Nach Ansicht der Polizei standen in Neubrandenburg aber auch illegale Wege offen.

Sie schnappen Ladendiebe, lenken als Türsteher den Gästestrom in die Disco oder stärken als Patrouille in Konsumtempeln das Sicherheitsgefühl der Kunden: Frauen und Männer, die einen Sachkundenachweis im Bewachungsgewerbe ihr eigen nennen. Wer den Schein will, muss gemäß Gewerbeordnung vor der Prüfung büffeln – oder in Neubrandenburg laut Verdacht der Polizei bis zu 1000 Euro zahlen, damit auch ohne notwendiges Wissen garantiert alles wie geschmiert läuft.

Den mit Euroscheinen gepflasterten Weg in den Nordosten haben nach Angaben der Ermittler 91 angehende Privat-Ordnungshüter aus Hessen beschritten. Überaus erfolgreich: Alle Prüflinge schafften auf Anhieb den Test bei der IHK Neubrandenburg, der aus einem zwei Stunden dauernden schriftlichen Teil und einem 15-minütigem Gespräch besteht. Dieses Traumergebnis ließ Beamte stutzen, die eigentlich im hessischen Rockermilieu ermitteln. Etwa die Hälfte der Anwärter falle normalerweise durch, hieß es.

Der Verdacht richtet sich jetzt gegen drei ehrenamtliche Prüfer, die im Auftrag der IHK diese hoheitliche Aufgaben erfüllt haben und derzeit beurlaubt sind. Rund 850 Experten nehmen nach Feierabend bei der Kammer für das östliche Mecklenburg-Vorpommern Prüfungen ab – in den 120 angebotenen Ausbildungsberufen ebenso wie für die Sachkundenachweise, die in vier Branchen vorgeschrieben sind.

Bis zu 300 Personen machen die Prüfung im Jahr

„Es wird in der Region zunehmend schwieriger, genügend Prüfer für die vielen Aufgaben zu finden. Wir hätten gern mehr davon“, sagt Ellen Grull, Leiterin des IHK-Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung. Bei den Sachkundenachweisen gelte die Kenntnis der Vorschriften als Grundlage für Berufung und Belehrung der ehrenamtlichen Prüfer, die jeweils zu dritt einen Prüfungsausschuss bilden.

Bis zu 300 Personen melden sich ihren Angaben zufolge pro Jahr an, um die nötigen Papiere für den Job als Ladendetektiv, Türsteher oder Wachmann zu erwerben. Die Durchfallquote bei diesem Sachkundenachweis habe in der Vergangenheit keine Auffälligkeiten aufgewiesen. „Das lag alles im normalen Rahmen“, stellt sie fest.

Bürgerliches Gesetzbuch, Umgang mit Menschen, Strafrecht, deeskalierendes Verhalten in Konfliktsituationen gehören zum vorgeschriebenen Grundwissen für angehende Türsteher, die nicht Mitglied eines verbotenen Vereins oder durch verfassungswidrige Bestrebungen aufgefallen sein dürfen. „Woher die verlangte Sachkenntnis stammt, ist Angelegenheit jedes einzelnen selbst“, so Ellen Grull. Die IHK sei  dafür zuständig, die Prüfungen abzunehmen – Gebühr: 130 Euro.

In der Regel kämen die Anwärter aus dem IHK-Gebiet zwischen Müritz und Bodden. Sollten sie von weiter weg stammen, könne das daran liegen, dass Lehrgänge bei einem hiesigen Bildungsdienstleister besucht worden seien oder bei der Herkunfts-IHK keine Prüfungen angeboten worden sein. „Die Termine liegen aber bundesweit auf dem gleichen Tag“, erklärt sie.

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